FORMEL 1 Häkkinen und McLaren: Silberfarbenes Chaos


Der zweimalige Formel-1-Weltmeister und das Silberpfeil-Team haben sich vor dem Großen Preis von Großbritannien gegen die anhaltenden Spekulationen um die Fahrerfrage verwahrt.

Die derzeitige Situation von McLaren-Mercedes einfach nur als problematisch zu bezeichnen, wäre eine krasse Fehlinterpretation. Krise trifft den Zustand eher, in dem sich die Silberpfeile momentan selbst zerreiben. Erst die Probleme mit dem Gefährt, das einst für McLaren Weltmeisterschaften gewann und jetzt auch noch die lästige Diskussion um Mika Hakkinens angebliches Karriereende.

Keine schnelle Entscheidung

Zumindest in der Fahrerfrage regt sich was im silberfarbenen Chaos: Der zweimalige Formel-1-Weltmeister und das Silberpfeil-Team haben sich vor dem Großen Preis von Großbritannien gegen die anhaltenden Spekulationen um die Fahrerfrage verwahrt. »McLaren Mercedes bestätigt, dass das Team Optionen auf beide Piloten Mika Häkkinen und David Coulthard hat, und dass keine schnelle Entscheidung notwendig ist«, hieß es in einer Mitteilung. »Wir sind zufrieden mit den Optionen und wir werden etwas in Absprache mit den Fahrern bekannt geben, wenn es angemessen ist«, erklärte Teamchef Ron Dennis. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agetur (dpa) würde Häkkinen schon noch gerne bis 2003 für McLaren-Mercedes fahren.

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Schumi hält zu Häkkinen

Michael Schumacher könnte einem Karriereende Häkkinens nichts abgewinnen »Ich würde es begrüßen, wenn Mika weiter machen würde, gar keine Frage«. erklärte er in Silverstone. Der dreimalige Weltmeister bezeichnete es auch als »etwas unfair«, Häkkinen unter Druck zu setzen. »Man sollte ihm Zeit für eine Entscheidung lassen.« Die Öffentlichkeit solle Verständnis haben, egal was bei ihm ablaufe und welche Gründe es für die Verzögerungen über seine Formel-1-Zukunft gebe.

Hoch motiviert

Zuvor hatte Häkkinen gegenüber der Tageszeitung »Die Welt« Gerüchte um seinen angeblich bevorstehenden Rücktritt dementiert. »Keine Chance - auf keinen Fall trete ich zurück«, sagte der Finne. Er verhandle über seinen neuen Vertrag und fühle sich »hoch motiviert« für den Grand Prix in Silverstone. Vielleicht hätte ihn vor den ersten Spekulationen einfach mal jemand fragen sollen, wie es in Sachen Karriereplanung aussieht. »Mich hat keiner gefragt, dabei wäre das doch eigentlich ein Muss«, beteuerte Hakkinen.

Hämische Kritik

Häkkinen will dem im schlimmsten Tief seit Jahren steckenden Silberpfeil-Team wieder zu positiven Schlagzeilen verhelfen. Denn der einstige Weltmeister-Rennstall kämpft nach einer dramatischen Pannenserie mit hämischen Kritikern und vor allem mit sich. Die McLaren- Mercedes sind Zielscheibe von Spöttern geworden, auch wenn diese offiziell nicht beachtet werden. »Die Kritik geht an mir vorbei. Sie kann mich nicht berühren«, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Ergebniskosmetik

Der größte Rivale von Weltmeister Michael Schumacher in den vergangenen Jahren muss in dieser Saison sechs unverschuldete Ausfälle verdauen und kann mit nur neun WM-Punkten höchstens noch auf Ergebniskosmetik hoffen. Sein schottischer Kollege David Coulthard blieb zwei Mal am Start stehen und vergab zuletzt in Magny-Cours durch eine Zeitstrafe ein besseres Ergebnis. So wuchs sein Rückstand auf Schumacher auf 31 Punkte an.

»Wenn ich den WM-Titel verlieren sollte, spielt es keine Rolle, ob der Abstand 6 oder 60 Punkte beträgt«, sagte Coulthard gegenüber der Fachzeitschrift »motorsport aktuell«. Der Schotte, der nach zwei Siegen 1999 und 2000 den Silverstone-Hattrick schaffen könnte, läuft Gefahr, seine größte Titelchance zu verspielen. »Als wir das konkurrenzfähigste Fahrzeug hatten, konnte Mika die Möglichkeiten ideal nutzen, ich nicht. Heute wäre das vielleicht anders, aber Hätte-Wäre nützt mir nichts. Ich kann nicht mehr als mein Bestes geben«, meinte er.


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