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Formel-1-Nachwuchs: Attacke auf die Platzhirsche

Zum Saisonauftakt im Formel-1-Zirkus geht eine neue Generation von jungen Fahrern an den Start - und will gleich auf die Überholspur. Als schnellster Nachwuchs-Fahrer gilt der Brite Lewis Hamilton. Das McLaren-Ziehkind wird bereits als Favorit gehandelt.

Er ist noch keinen Grand Prix gefahren, wird aber schon als "Tiger Woods der Formel 1" gefeiert. Doch Lewis Hamilton steht nicht nur deshalb unter besonderer Beobachtung, weil er der erste dunkelhäutige Pilot mit Titelambitionen in der "Königsklasse" des Motorsports ist. "Er würde auch für uns fahren, wenn er Inder oder Japaner wäre", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug vor dem Großen Preis von Australien.

Hamilton gewann im vergangenen Jahr bereits die GP 2. Der 22- jährige Brite mit karibischen Wurzeln gilt als ganz großes Talent und führt die Garde der Fahrer an, die nach dem Rücktritt von Rekordweltmeister Michael Schumacher in der Eliteklasse auch für Furore sorgen wollen. Gemeinsam haben sie alle eines: Sie sind jung, aber mitnichten unerfahren.

Kovalainen steht ebenfalls auf dem Sprung

Dies trifft ebenfalls auf den Finnen Heikki Kovalainen zu. Auch er hat sich ein Cockpit in einem Top-Team gesichert: Der 25-Jährige ist bei Renault Nachfolger des zweimaligen Champions Fernando Alonso (Spanien), der zu McLaren-Mercedes gewechselt ist. Neben der Erfahrung, die die Nachwuchsfahrer bereits haben, zeichnet sie eine ungeheure Zielstrebigkeit und großer Ehrgeiz aus. Das britische Branchenblatt "autosport" bezeichnete den zweiten Fahren bei BWM neben Nick Heidfeld, den 22-jährigen Polen Robert Kubica, als "halb Mönch, halb Auftragsmörder".

Vor allem die Ausbildungsplätze bei den deutschen Herstellern BMW und Mercedes sind bei den jungen Fahrern heiß begehrt. Michael Schumacher hat bei den Schwaben das Rennfahren gelernt, sein Bruder Ralf im McLaren-Mercedes seinen ersten Formel-1-Test gemacht. Nick Heidfeld ist in der silbernen Motorsport-Schule groß geworden, Nico Rosberg und Spätstarter Adrian Sutil, der im Spyker-Team in Melbourne sein Formel-1-Debüt feiert, haben ebenfalls Bezugspunkte zu den Schwaben.

Sebastian Vettel ist bereits Testfahrer bei BMW

Als nächster könnte der 19 Jahre alte Sebastian Vettel den Sprung ins Stammfahrerfeld schaffen. Der Heppenheimer ist BMW-Testfahrer und wäre der vierte Rennpilot, der in der Nachwuchsserie Formel BMW ausgebildet wurde. "Früher hatten die Fahrer erst viel später ein solches Fundament", sagt BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.

Auch der Wiesbadener Rosberg hat eine fundierte Ausbildung hinter sich. Bevor er im vergangenen Jahr als Fahrer für das Williams-Team verpflichtet wurde, hatte der Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg die GP 2 gewonnen und ist damit Hamiltons Vorgänger.

Neue Generation will auf die Überholspur

Die neue Generation könnte auch in der Formel 1 ganz schnell auf die Überholspur fahren. Hamilton will es vormachen. "Wenn ich in Australien in der Startaufstellung stehe, geht für mich ein Lebensabschnitt zu Ende und ein neuer, noch wichtigerer beginnt. In den letzten Monaten habe ich sehr hart auf diesen Moment hingearbeitet", sagt er.

Seine Karriere hat er genau wie seine Fahrerkollegen akribisch geplant. Angesichts der vielen deutschen Talente hat Mercedes- Motorsportchef Norbert Haug eine Verpflichtung eines heimischen Fahrers für das McLaren-Mercedes-Team nicht ausgeschlossen. "Momentan denken wir nicht daran, aber vielleicht ergibt es sich ja in den nächsten Jahren", sagte Haug am Donnerstag.

Volker Gundrum/DPA / DPA

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