VG-Wort Pixel

Corona und der Sport Fußball-EM 2020: Jeder vierte Fan für Absage – Uefa will offenbar im Dezember spielen

Uniforta – Der offizielle Ball der Fußball-EM 2020
Die Uefa will die EM 2021 austragen
© Matthias Balk/ / Picture Alliance
Im Olympiastadion von Rom soll am 12. Juni die Fußball-EM 2020 angepfiffen werden. Für viele Fans ist klar, dass der Termin nicht zu halten ist. Allein die Uefa drückt sich noch um eine Entscheidung.

Die großen europäischen Fußballligen sind im Zwangsurlaub. Wann der Ball in den Stadien in England, Spanien, Italien, Deutschland und vielen anderen Ländern wieder rollt, ist unklar. Den Verantwortlichen bei der Uefa dürfte das massive Bauchschmerzen bereiten. Denn am 12. Juni soll in Rom das Eröffnungsspiel der Fußball-EM 2020 angepfiffen werden. Ausgerechnet das so hart vom Coronavirus betroffene Italien soll in knapp drei Monaten im Olympiastadion auf das Team der Türkei treffen. Noch hält die Uefa an diesem Plan fest. Für den kommenden Dienstag (17. März) hat Uefa -Präsident  Aleksander Čeferin ein Notfall-Treffen anberaumt und Vertreter aller 55 Mitgliedsverbände zu einer Video-Konferenz eingeladen. Diskutiert werden soll dabei laut dem britischen "Daily Telegraph" unter anderem die Idee, das Turnier in den Dezember zu verschieben. Viele Fans, Verantwortliche aus Vereinen und Corona-Experten halten das für einen folgenschweren Fehler.

Fällt die EM 2020 ins Wasser? Jeder vierte Fan dafür

Laut einer repräsentativen Online-Umfrage des Meinungsinsituts Bundesliga-Barometer in Kooperation mit dem TV-Sender Sport1 plädieren 49,1 Prozent der Fans dafür, die erste gesamt-europäische EM in den Sommer 2021 zu verschieben. Jeder Vierte befürwortet die komplette Absage des Turniers. Immerhin noch 21 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, den Start der EM hinauszuzögern, bis die europäischen Ligen ihre regulären Saisons zu Ende gespielt haben. Nur 3,3 Prozent würden das Turnier wie geplant durchziehen. Ein Szenario, das spätestens am Dienstag endgültig im Papierkorb landen dürfte.

Rettig: Nicht-Absage wäre ein "Treppenwitz"

Klare Worte fand der Manager und frühere Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Andreas Rettig, am Samstagabend im wegen des Coronavirus gähnend leeren Aktuellen Sportstudio des ZDF.  "Es kann keine EM gespielt werden. Dafür muss man weder Prophet noch Wissenschaftler sein",  stellte der 56-Jährige klar. Rettig sieht das "Brot- und Buttergeschäft" der Klubs, das "Schwungrad" des Fußballs in Europa in Gefahr und bezeichnete es als "Treppenwitz", einen dem Ligabetrieb nachgelagerten Wettbewerb wie die Europameisterschaft wie geplant austragen zu wollen. Die zeitnahe Absage der EM sei für ihn zwingend, so der Sportfunktionär weiter. Nur so hätten die nationalen Ligen überhaupt eine Chance, ihre Wettbewerbe regulär zu beenden. 

Virologe Drosten: Verlegung in Dezember gefährlich

Was die Mehrheit der deutschen Fans favorisiert, nämlich eine Verlegung der EM in den Sommer, ist laut einem Bericht des "Daily Telegraph" bei der Uefa nur die zweite Option. Demnach fürchtet Fifa-Präsident Gianni Infantino, dass die ohnehin umstrittene Winter-WM 2022 in Katar dann nicht wie geplant über die Bühne gehen kann. Eine in den Dezember verschobene EM, quasi als Generalprobe für Katar, könnte Gesundheitsexperten zufolge, aber vor allem medizinisch nicht absehbare Gefahren bergen. So befürchtet Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité, dass die Ansteckungsgefahr im Herbst 2020 noch einmal dramatisch zunehmen könnte. "Dann wird es in den Kommunen zahllose unerkannte Fälle geben, weil die Gefahr im Sommer aus dem Blick gerät", erklärte Drosten in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dass dann Millionen Fans quer durch Europa reisen, um sich Fußballspiele anzuschauen, scheint bei diesem Szenario ausgeschlossen.

Es steht zu befürchten, dass die Fußball-EM weder im Dezember noch im kommenden Sommer stattfinden wird. Viele Fans scheinen sich damit bereits abgefunden zu haben. Dennoch werden sie gespannt darauf warten, was der Uefa-Präsident und die europäische Fußball-Community am Dienstag in ihrer eilig einberufenen Videokonferenz ausbaldovern.

Quellen: DPA, "Daily Telegraph"


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker