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1. Bundesliga: Fünf Fragen an den 16. Spieltag

Thomas Allofs plagt sich mit einem Déjà-vu herum und Thorsten Fink fliegt gefährlich nah der Sonne entgegen. Derweil könnte Felix Magath Opfer seiner eigenen Philosophie werden. Wir haben alles Wissenswerte zum 16. Spieltag der Bundesliga zusammen getragen.

Alle loben den Überflieger Thorsten Fink. Wir stutzen ihm vor dem Spiel in Mainz die Flügel. In unserer Vorschau auf den 16. Bundesligaspieltag verpassen wir es nicht, das Lazarett des FC Bayern zu betrachten und Thomas Allofs ein Déjà-vu zum Frühstück zu servieren, während wir bemüht sind, Felix Magath vor den möglichen Konsequenzen seiner eigenen Philosophie zu warnen.

Thorsten Fink: Ikarus oder Phoenix aus der Asche?

"Fink verleiht Flügel“, titelte der kicker unlängst. Den Ornithologen hängt diese Metapher ebenso weit zum Halse raus wie der Gummibärchensprudel den meisten Menschen mit intakten Geschmacksnerven. Wir versprechen also hoch und heilig, auf jegliche Vogelmetapher zu verzichten und uns darauf zu beschränken, den Kern dieser Redensart auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Die nackten Zahlen sprechen für den neuen HSV-Coach. Fink holte aus sechs Bundesligapartien zehn Punkte. Der HSV ist unter Fink noch ungeschlagen und verließ unter seiner Führung die seit dem vierten Spieltag gebuchten Abstiegsplätze. Der HSV präsentierte sich zu Beginn der Saison in der Defensive oft vogelfrei. Seitdem Michael Oenning ausgeflogen ist, gab es taktisch einige Veränderungen.

Thorsten Fink sperrte sein Team dabei nicht in einen engen Käfig, er widmete sich zunächst einigen Problemspielern, die bis dahin die Flügel hatten hängen lassen. Tomas Rincon, zuvor oft ein Zugvogel zwischen den Mannschaftsteilen, durfte endlich fest im defensiven Mittelfeld spielen. Da der Spielaufbau sich als problembehaftet erwiesen hatte, rückt Rincon bei Spieleröffnung in die eigene Verteidigung, die Außenverteidiger nehmen offensive Positionen auf dem Flügel ein und aus der Viererkette wird somit eine Dreierformation.

Profitieren konnte auch Marcell Jansen, der aufgrund der eher offensivschwachen Zentralspieler als Außenstürmer zusammen mit Gökhan Töre eine Schlüsselrolle im neuen HSV-System einnimmt. Wir wollen dem Überflieger Thorsten Fink nicht die Flügel stutzen, er sollte der Sonne aber auch nicht zu nahe kommen. Sein System birgt enorme Risiken, wie man zuletzt im Spiel gegen Nürnberg sehen konnte. Bei Ballverlust taten sich für den Club riesige Räume in der Zentrale auf. Nur die Abschlussschwäche der Gäste bewahrte den HSV vor einer Heimniederlage.

Zum Glück hat der FSV Mainz in diesem Bereich ebenfalls Defizite. Der HSV sollte sich in Mainz dennoch wesentlich kompakter präsentieren. Trotz der Kritik an der Darbietung im letzten Spiel sind wir der Meinung, Thorsten Fink hat beim HSV viel bewegt. Und nicht nur dort. Fink leistete zudem noch seinen Beitrag dazu, dass der FC Basel ins Achtelfinale der Champions League einzog. Unter Thorsten Fink holten die Schweizer u.a. ein 3:3 im Old Trafford bei Manchester United. Nur eine unbedeutende Randnotiz: Finks Nachfolger in Basel heißt Heiko Vogel!

Wird Heynckes seine Spieler gegen Stuttgart schinden?

Wann ist die Bayern-Bank schon einmal besser besetzt als die Elf auf dem Rasen? Am Mittwoch in der Champions League! Da saßen die Herren Neuer, Lahm, Van Buyten, Ribery, Müller und Gomez unter warmen Decken, während Olic, Pranjic, Alaba, Petersen und Contento im Etihad Stadium zu Manchester auflaufen durften. B-Elf, Verlegenheitstruppe, Wettbewerbsverzerrung schallte es durch die Republik. Es war allerdings weder ein Zuzwinkern Holger Badstubers in Richtung David Silva zu erkennen, noch kassierten die Bayern sieben Gegentore.

"Ich glaube, es war sehr klug, dass sie nicht gespielt haben", rechtfertigte Jupp Heynckes seine Maßnahme anschließend laut abendzeitung-muenchen.de. Für das Auswärtsspiel in Stuttgart am Sonntag malte er wahre Horrorszenarien rund um das Bayern-Lazarett. "Die Stars liegen im Bett! Robben und Kroos nehmen Antibiotika. Gomez hat's mit den Bronchien, das ist sehr bedenklich. Dem Daniel van Buyten geht's auch nicht gut, der hat beim letzten Spiel gegen Bremen während der Halbzeit nur auf der Toilette gesessen. Soll ich die einsetzen? Die Internisten glauben nicht, dass das bis Sonntag explodiert und sie spielen können. Warten Sie mal ab."

Weniger düster war die Laune bei den Clubverantwortlichen. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge scherzte bei der Bankettrede im Mannschaftshotel bezüglich des VIP-Tippspiel eines Sponsors: "Wir haben doch einen Gewinner. Einer hat 2:0 für City getippt", so berichtet abendzeitung-muenchen.de. "Na, na, na!", hob Heynckes schmunzelt den verbalen Zeigefinger.

Der Gewinner bekam einen Pokerkoffer, während Sportdirektor Christian Nerlinger das Bluffen des Cheftrainers um die Aufstellung gegen Stuttgart torpedierte. "Bei Arjen und Toni geht es aufwärts. Ich bin optimistisch." Und sollten dennoch Zweifel bestehen, ob man den ein oder anderen Spieler einsetzen sollte, hilft ein Blick in die Werke des griechischen Dichters Menander, der da schreibt: "Der Mensch, der nicht geschunden wird, wird auch nicht erzogen.“

Kann man Bremen mit Punxsutawney verlgeichen?

"Hatten sie schon mal ein Déjà-vu? - Ich glaube nicht, aber ich kann ja mal in der Küche nachfragen." In der Filmkomödie "Und täglich grüßt das Murmeltier“ spielt Bill Murray einen zynischen TV-Moderator, der von seinem Sender dazu verdonnert wird, jedes Jahr von einem Wetter-Ritual aus der Kleinstadt Punxsutawney zu berichten. In einer Zeitschleife gefangen, erlebt er den Winter in Punxsutawney immer und immer wieder. Wir verwahren uns dagegen, das beschauliche Punxsutawney mit der Weltstadt Bremen zu vergleichen. Auch von Zynismus halten wir nicht viel, und doch scheint auch Werders Sportchef Thomas Allofs ein Déjà-vu zu erleben.

Immer wenn ein Spieler in Bremen herausragende Leistung bringt, dann spielt er bald woanders. Claudio Pizarro scheint es vom Hotspot Bremen in die verschlafene Kleinstadt Mailand zu ziehen. Inter ruft angeblich, und der Peruaner antwortet dem Sirenengesang in der Welt: "Ja, ich habe Interesse daran, Werder zu verlassen. Ich habe immer gesagt, dass ich nachdenke und meine Situation hier genau analysiere.“ Diese Aussagen sorgten für hohe Wellen auf der Weser. Klaus Allofs versuchte gegen das immer wiederkehrende Phänomen der flüchtenden Spieler anzukämpfen. "Es nervt mich“, so Allofs laut kreiszeitung.de. "Wir werden ihn im Winter nicht gehen lassen.“ Außer, "es kommt ein Verein mit 15 Millionen Euro. Dann hören wir uns das an.“

Sollte Bremens überragender Offensivspieler (11 Tore, 5 Assits) doch gehen, könnte der ganze Club ein Déjà-vu erleben. Im Winter der letzten Saison verkaufte Werder den damals erfolgreichsten Torschützen Hugo Almeida (9 Treffer) in die Türkei. Der als Ersatz geholte Denni Avdic entpuppte sich als "Ned Ryerson“ und floppte. Ob Thomas Allofs den Fluch der Metropole an der Weser brechen kann und Pizarro bleibt, wird sich zeigen. Im Heimspiel gegen Wolfsburg steht der Torjäger jedenfalls erneut im Schaufenster und vielleicht singt schon bald ein Kleinstadtclub aus einer unbedeutenden Liga: "I got you, Babe.“

Wird Magath das Opfer seiner eigenen Philosophie?

Jürgen Klinsmann wollte einst bei den Bayern "jeden Spieler jeden Tag besser machen." Felix Magath ist Anhänger einer anderen Denkschule. Bringt ein Spieler keine Leistung, dann macht er ihn nicht besser, er kauft einfach einen neuen. Der Transfer-Houdini aus der Autostadt hat mit Petr Jiracek und Vaclav Pilar von Viktoria Plzen schon wieder zwei neue Wölfe für sein Legionärs-Rudel an der Angel.

In Bremen muss Leitwolf Magath mit dem vorhandenen Personal zurechtkommen. Dass ihm das auswärts noch schlechter gelingt als zu Hause, ist evident. Wolfsburg ist das schwächste Auswärtsteam der Liga. Die Wölfe holten nur vier Zähler auf des Gegners Platz. Magath konnte nicht nur die Spieler nicht besser machen, er machte es selbst bisher auch nicht besser als sein Vorgänger. Magaths Ausbeute aktuell: 17 Punkte - Steve McClarens Ausbeute zum gleichen Zeitpunkt des letzten Jahres: 17 Punkte! Wenn die Bosse des VfL genauso denken wie Magath, dann kaufen sie bald einen neuen Trainer!

Sind die Dortmunder nun Versager oder nicht?

Die Diskussionen rund um das Ausscheiden des BVB in der Champions League sprengten an Stammtischen, auf Fußballplätzen und in Internetforen jeden Rahmen. Die Bayern-Fans, die von Natur aus auf hohem Ross reiten, zogen die Zügel noch einmal an, die Nase noch etwas höher und kosteten genüsslich ihr Weiterkommen aus. Der geprügelte Hund aus dem Revierderby kam unter dem Sofa hervor und verpasste es nicht zu erwähnen, dass die Knappen im letzten Jahr ein wenig besser abschnitten als die Champions League-Versager in Schwarz-Gelb. Der Polemik sei damit genüge getan.

Die Gründe für das Ausscheiden der Borussia können wir hier nicht elegisch ausführen, deshalb bedienen wir uns aus einem Fazit einer auf die taktische Auswertung von Fußballspielen spezialisierten Seite, spielverlagerung.de: "Insgesamt verkauften sich die Dortmunder in der Champions League nicht schlecht, in den wichtigen Momenten fehlte aber offensiv die Durchschlagskraft sowie defensiv die Kopfballstärke und die Zweikampfstärke auf den Außen. Der BVB machte schlicht zu viele Fehler.“

Michel Massing

sportal.de / sportal

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