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1. Bundesliga: Fünf Talente, die den Durchbruch schaffen können

Vor einem Jahr prognostizierten wir den Aufstieg von Mario Götze, Heung Min Son und André Schürrle, nur bei Patrick Herrmann lagen wir daneben. Nun geht es wieder um mögliche Gipfelstürmer. Wir stellen die neue Hoffnung in Dortmund und Nürnberg vor, erinnern an einen Verschollenen und glauben an zwei Aufsteiger aus der 2. Liga.

Selten hatten es junge Talente in der Bundesliga einfacher, von ihren Trainern das Vertrauen zu bekommen und sich einen Stammplatz zu erobern. Die Zeiten, in denen Routine über alles ging und ein Debüt unter 20 die absolute Ausnahme war, gehören der Vergangenheit an. Nicht nur Meister Borussia Dortmund hat es vorgemacht: Erfolg kann auch jung sein.

Schon vor der vergangenen Spielzeit fragten wir uns deshalb, wer denn das größte Potenzial für den Titel "Aufsteiger der Saison" hat. Mario Götze und André Schürrle schafften es tatsächlich bis in den Kreis der Nationalmannschaft, auch Heung Min Son deutete sein Potenzial an. Einzig Patrick Herrmann durchlebte in Mönchengladbach eine schwierige Zeit. Nach dem ersten Spieltag begeben wir uns wieder auf die Suche und stellen fünf Talente vor, die auf dem Weg nach oben sind:

Moritz Leitner (Borussia Dortmund)
Wie schnell es in Dortmund mit dem Durchbruch klappen kann, hat Mario Götze vorgemacht. Moritz Leitner (18) ist nur ein halbes Jahr jünger als Götze, will beim BVB aber ähnlich durchstarten. Die Vergleiche mit Götze sind so offensichtlich, dass Leitner aufpassen muss, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Beide sind klein, wendig, technisch hochgradig begabt und können im Mittelfeld nahezu alle Positionen spielen.

Einen entscheidenden Unterschied gibt es dann aber doch, der Leitner - abgesehen von der unbestritten großen Konkurrenz im Dortmunder Mittelfeld - den sofortigen Aufstieg zum Stammspieler verwehren wird. Denn Götze (1,76m) ist bei zwei Zentimetern Größenvorteil schon wesentlich robuster als Leitner. Der bei 1860 München ausgebildete und für ein halbes Jahr nach Augsburg verliehene Leitner ist in Zweikämpfen noch zu leicht zu beeindrucken, fällt deshalb etwas zu schnell und muss sich erst noch an die Bundesliga gewöhnen.

Trotzdem wird er unter Trainer Jürgen Klopp seine Einsatzzeiten bekommen. In der Vorbereitung spielte Leitner entweder den offensiven Part in der Doppelsechs und gilt dort als erster Vertreter von Ilkay Gündogan, oder er ersetzte Kevin Großkreutz auf der linken Seite. Möglich wäre auch ein Einsatz als Kagawa-Ersatz auf der Position des Spielmachers. In jedem Fall passt er perfekt zur Philosophie des Deutschen Meisters. Jung, vielseitig, dribbelstark, kombinationssicher und mit dem Auge für den Nebenmann ausgestattet - auch deshalb wurde er gerade für die deutsche U21-Nationalmannschaft berufen. In Österreich, Leitners Mutter kommt aus der Alpenrepublik, herrscht deshalb schon Trauer.

Franco Zuculini (1899 Hoffenheim)
In La Rioja am Fuße der Anden wurde Franco Zuculini geboren, aber schon mit zehn Jahren lud der Traditionsverein Racing Club aus Avellaneda bei Buenos Aires ihn zum Probetraining ein. Mit 17 gab er sein Debüt in der ersten Mannschaft des damals abstiegsgefährdeten Clubs. Schnell eroberte er sich einen Stammplatz und wurde zum Publikumsliebling. So war der Unmut der Anhänger groß, als der finanziell angeschlagene Racing Club seinen vielversprechenden Star für fast sieben Millionen Euro nach Hoffenheim ziehen ließ.

Zu diesem Zeitpunkt galt Zuculini in Südamerika bereits als Riesentalent. Obwohl Argentinien im Viertelfinale ausgeschieden war, hatte er bei der U17-WM 2007 überzeugt, die Teilnahme an der U20-WM 2009 war ihm durch Argentiniens katastrophale Südamerika-U20 genommen worden. Dafür hatte Diego Maradona ihn sogar schon in den A-Kader der Albiceleste berufen, für den er ein Länderspiel bestritt.

Seine Anfangszeit in Hoffenheim war von Eingewöhnungsproblemen geprägt, wie er heute selbstkritisch einräumt. Nach nur sieben Spielen wurde er an Genoa ausgeliehen, was auch nicht den Durchbruch brachte. So folgte ein weiteres halbes Jahr in der Heimat bei Racing, nach dem er nun den zweiten Anlauf in Nordbaden unternimmt. Was kann Zuculini? Er ist eigentlich ein idealer Sechser mit guter Grundtechnik, sehr gutem Spielverständnis und einem feinen Auge für den richtigen Pass. Lediglich sein Zweikampfverhalten unterscheidet ihn etwas negativ von Javier Mascherano, mit dem er oft verglichen wurde. Wir können uns den heute 20-jährigen Argentinier gut neben Sebastian Rudy vorstellen. Holger Stanislawski hoffentlich auch.

Marco Höger (FC Schalke 04)
Marco Höger ist einer der jungen Wilden auf die Ralf Rangnick in dieser Saison setzt. Der Neu-Schalker kam vor der Saison aus Aachen, wo er in der letzten Spielzeit sieben Tore und acht Vorlagen gab. Der Mittelfeldspieler ist flexibel einsetzbar. In Aachen spielte er auf der Sechs im Mittelfeld, auf Schalke hat er sich in der Vorbereitung gegen Atsuto Uchida als Rechtsverteidiger durchgesetzt. Seine Ausbildung erhielt Höger in der Talentschmiede von Bayer Leverkusen, bei denen er fünf Jahre in der Jugend spielte. Gebürtig kommt er allerdings aus Köln."In der D-Jugend hatte ich die Wahl zwischen dem FC und Bayer Leverkusen. Damals entschied ich mich für Bayer, weil sie eine super Jugendarbeit haben, die deutschlandweit geschätzt wird. Im zweiten Jahr B-Jugend habe ich nicht mehr so viel gespielt. Es gab ein Gespräch mit dem damaligen Trainer von Aachen und dann bin ich gewechselt“, so Höger im Interview mit dem Internetportal fussballtransfers.com. Nach zahlreichen Verletzungen kam er im März 2010 zu den Aachener Profis, wo er von dort an nicht mehr wegzudenken war. 

Schalke wurde auf Höger aufmerksam und die Tatsache, dass er mit Christoph Moritz und Lewis Holtby zwei ehemalige Weggefährten aus Aachener Zeiten traf, hat seine schnelle Integration befördert. Sein erstes Bundesliga-Spiel lief zufriedenstellend. Mit der sportal.de-Note 3,5 war er noch einer der besseren Schalker. Die Live-Redaktion bemerkte: "Ein solider Bundesliga-Einstand für den ehemaligen Aachener, über dessen rechte Seite nicht so viele Angriffe liefen wie über links.“ Höger gehörte auf Anhieb zu den passsichersten Spielern seines Teams. Ein Auftakt, der auf mehr hoffen lässt.Zoltan Stieber (1. FSV Mainz 05)
Wann ist ein Talent ein Talent? Im Falle von Zoltan Stieber ist das Alter in jedem Falle nicht der wichtige Koeffizient für die Einschätzung seiner Leistungsfähigkeit. Denn der Ungar ist mit seinen 22 Jahren, konservativ gesehen, eigentlich schon ein wenig über den Zenit eines Talents hinaus. Ausgebildet wurde er bei Újpest Budapest und wäre fast bei Manchester United oder dem FC Arsenal gelandet, denen er bei der U15-Nationalmannschaft aufgefallen war. Doch ob seines Vertrags zerschlug sich ein Wechsel.

Als 16-Jähriger war es dann aber soweit und Aston Villa holte Stieber in die Jugendmannschaft. Von dort sollte er den Weg in die Premier League finden, wurde aber an den Drittligisten Yeovil Town ausgeliehen. Nach seiner Rückkehr bekam der Linksfuß weiter keine Einsatzzeiten, und da er - mittlerweile 20 Jahre alt - dies aber für seine Entwicklung unabdingbar fand, ging er den Schritt in die 2.Liga nach Deutschland - zur TuS Koblenz. Bedingt durch einige Verletzungen konnte auch er den Abstieg nicht verhindern, fand sein Glück dann aber bei Alemannia Aachen.

In 34 Spielen der Saison 2009/10 erzielte er zehn Treffer und bereitete 17 Tore für seine Kollegen vor. Da er auch den entscheidenden 2:1-Treffer im DFB-Pokal gegen den 1. FSV Mainz vorbereitete, schaffte er es auf die Liste von Manager Christian Heidel. Bei den Rheinhessen soll er nun Teil einer neue Boyband werden und bringt alles mit, um ein vollwertiges Mitglied zu werden. Er ist er kein Spieler, der acht Übersteiger für seine Finten braucht, sondern ein gradliniger Vertreter auf der linken Außenbahn.

Zudem besticht er durch seine Schnelligkeit, einen guten Torabschluss und präzise Flanken. "Ich hatte mich auf ein paar Jahre in der 2. Liga eingestellt, um den Schritt nach vorne zu machen. Jetzt aber bin ich glücklich, hier zu sein", erklärte er auf kigges.net und hat alle Voraussetzungen, ein neuer Stern am Mainzer Himmel zu werden.

Markus Mendler (1. FC Nürnberg)
Wichtig für die Entwicklung von Talenten ist das Vertrauen der jeweiligen Trainer und der Mut, sie auch in wichtigen Spielen zu bringen. Genau so ein Trainer ist Dieter Hecking vom 1. FC Nürnberg, wie das Beispiel Philipp Wollscheid zeigt. Der Abwehrspieler wird mittlerweile schon mit der Nationalmannschaft in der Verbindung gebracht. Auf eine ähnliche Entwicklung hofft auch Markus Mendler.

"Der Junge macht Spaß", lobte Hecking seinen nächsten Youngster in der Vorbereitung gegenüber der Nürnberger Zeitung. Mit Toren gegen Ajax Amsterdam und Slovan Liberec kämpfte sich Mendler zu Saisonbeginn schon ganz nah an die erste Elf, letztlich profitierte er beim 1:0-Sieg gegen Hertha BSC aber von der Verletzung seines Kollegen Robert Mak.

Das Debüt in der Bundesliga liegt schon ein wenig länger zurück, am achten Spieltag der vergangenen Saison wurde Mendler beim Gastspiel auf St. Pauli eingewechselt - im Alter von 17 Jahren. Danach tat sich der Offensiv-Allrounder allerdings schwer, fünf Einsätze, meist als Joker, kamen hinzu. Denn Mendler war ein Vielspieler, bei der A-Jugend des Clubs war er genauso im Einsatz wie in der U18 und U19 des DFB. Die Pause im Sommer hat Mendler sichtlich gut getan. Nun verzettelt er sich nicht mehr so häufig in Dribblings, sondern sucht früher den Abschluss und hält sich so genau an die Vorgaben seines Trainers.

Daniel Raecke, Michel Massing, Gunnar Beuth und Marcus Krämer

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