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Champions League Basel vs. Bayern: Vorspielen für die Zukunft

In der Champions League trifft Ex-Spieler Thorsten Fink als Trainer des FC Basel auf seinen alten Klub Bayern München. Eine willkommene Bühne für den jungen Übungsleiter, der einen entscheidenden Vorteil hat: Er muss gegen die Münchener nicht unbedingt gewinnen.

Von Filippo Cataldo

Er darf ihn jetzt duzen. Bei ihrem ersten Treffen in der Schweiz bot Ottmar Hitzfeld Thorsten Fink das Du an. Sie sind ja jetzt Kollegen. Fink hat das Angebot gern angenommen, nennt den Schweizer Nationaltrainer am liebsten aber immer noch so wie früher: "Chef".

Sechs Jahre war Hitzfeld Finks Trainer beim FC Bayern. Gemeinsam gewannen sie vier Meisterschaften und 2001 die Champions League. Finks Spiel war von Leidenschaft, Kampf und Disziplin geprägt - mit manchen lichten Momenten. In der Champions League 2001 machte er gegen den FC Arsenal das Spiel seines Lebens. Fortan nannten sie ihn, den Abräumer im Mittelfeld, Rastelli. Fink war einer von den Spielern, die Hitzfeld liebte: ein Meinungsführer in der Kabine, obwohl er nie einen Stammplatz sicher hatte.

Fink hat Erfolg

Als der FC Basel, der beste und reichste Klub der Schweiz, im Juni 2009 nach dem Abgang des jetzigen Stuttgarter Chefcoachs Christian Gross einen neuen Trainer suchte und irgendwie Fink auf der Kandidatenliste auftauchte, fragte Klubchefin Gigi Oeri Hitzfeld um Rat. Der neue Nationaltrainer äußerte sich positiv.

"Ich wusste zwar nicht, was er für ein Trainer geworden ist. Aber ich kannte ihn als Spieler, der weiß, wie man Menschen führt", berichtete Hitzfeld in "Sport Bild" von diesem Dialog. Und so wurde Fink, gerade erst beim Zweitligisten Ingolstadt wegen, nun ja, Erfolglosigkeit entlassen, Trainer des Schweizer Serienmeisters FC Basel.

Und hat seitdem Erfolg. Letzte Saison gewann er das Double, in diesem Jahr erreichte Basel die Gruppenphase der Champions League. Dienstagabend steht für Fink das bisher größte Spiel seiner Trainerlaufbahn an. Es geht gegen die alten Bekannten, gegen den FC Bayern.

Im Normalfall chancenlos gegen die Bayern

Fink, der einst bei Bayern als Co- und Amateurtrainer erste Erfahrungen an der Außenlinie sammelte, ist noch gut vernetzt in München. Auch wenn er den Kontakt zu Bayern seit der Auslosung abgebrochen hat. Die Münchner jedenfalls haben Respekt vor ihm. "Ich weiß, dass man in der Schweiz sehr zufrieden ist mit der Arbeit vom Thorsten", sagt Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der seit seiner Zeit in Genf noch Kontakte in die Schweiz pflegt.

Tatsächlich gibt es gute Gründe, zufrieden zu sein mit der Arbeit des 42-Jährigen: Fink lässt offensiv spielen, in der vergangenen Saison erzielte Basel die Rekordmarke von 90 Toren in der Liga. Um den großen und auch international erfahrenen Kader um die Ex-Bundesligaprofis Alex Frei und Marco Streller bei Laune zu halten, ließ Fink viel rotieren. Damit hatte ja schon Hitzfeld Erfolg.

Das war in München, wo der Erfolgsdruck bekanntlich hoch ist. Auch in Basel ist das so, wenn auch in etwas anderer Dimension. Fink meint, er habe damit kein Problem. Titel wurden schließlich auch in München schon immer von ihm verlangt. In Ingolstadt, sagt er heute, seien einige im Klub mit seinem großen Selbstbewusstsein nicht zurechtgekommen. In Basel störe das niemanden. Klar, dass er auch vor dem Duell gegen die Bayern sagt: "Wir haben keine Angst vor Bayern." Natürlich weiß er, dass Basel im Normalfall kaum eine Chance haben dürfte. "Wenn Bayern nicht 100 Prozent bringt, haben wir die Möglichkeit, sie zu schlagen", hofft Fink.

"Basel ist für mich ein Sechser im Lotto"

Aber er muss Bayern gar nicht besiegen, um weiter auf sich aufmerksam zu machen. Denn vor allem das ist Finks Ziel. Die Champions League sieht er als eine willkommene Bühne, sich zu präsentieren und für höhere Aufgaben zu empfehlen. "Basel ist für mich ein Sechser im Lotto", sagt er, "je mehr Titel ich sammle, desto interessanter werde ich für internationale Vereine."

Das glaubt auch Hitzfeld, der seine Trainerkarriere ja ebenfalls in der Schweiz begann. "Ich bin überzeugt davon, dass Thorsten ein sehr guter Bayern-Trainer sein könnte. Er hat die dafür nötige Mentalität, Selbstbewusstsein und Bodenständigkeit. Bei Basel hat er zudem bewiesen, dass er mit der Favoritenrolle umgehen kann", lobte Hitzfeld. An diese Zukunft will Fink noch nicht denken. Erst mal soll der Doublegewinn wiederholt werden. "Das ist ein toller Anreiz", sagt er, "wenn wir das schaffen, ist das natürlich auch gut für meine Visitenkarte."

Diesen Text haben wir für Sie in der Financial Times Deutschland gefunden.

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