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Champions League: Dortmund zaubert - Schalke jubelt

Borussia Dortmund und Schalke 04 lösen ihre Champions-League-Aufgaben souverän. Vor allem für die in der Liga zuletzt gebeutetelten Königsblauen ist der Erfolg in Basel Balsam für die Wunden.

Auch ohne den Beistand von Trainer Jürgen Klopp ist Borussia Dortmund in der Champions League zurück auf Erfolgskurs. Unter der Regie von Assistent Zeljko Buvac, der seinen auf die Tribüne verbannten Chef für ein Spiel vertrat, setzte sich der Vorjahresfinalist am Dienstagabend mit 3:0 (1:0) gegen Olympique Marseille durch. Zwei Wochen nach der turbulenten 1:2-Auftaktpleite in Neapel bewahrten Robert Lewandowski (19./80./Foulelfmeter) und Marco Reus (52.) den BVB vor einem weiteren Rückschlag. Vor 65.600 Zuschauern lieferte der Tabellenführer der Fußball-Bundesliga auch ohne fünf eine taktisch sehr reife Leistung ab und verbesserte sich vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw in der Gruppe F mit drei Punkten auf Platz zwei. In drei Wochen muss der BVB beim Spitzenreiter FC Arsenal ran.

Klopp beobachtete das Duell der beiden Vizemeister von einer Loge des BVB-Ausrüsters im Stadion aus - nach seinem Ausraster vor 13 Tagen in Neapel wurde er für ein Spiel gesperrt. Kontakte zur Mannschaft waren ihm während der Partie untersagt. "Die Schwächung wird im Promillebereich ablaufen, wenn ich einmal draußen sitze", prophezeite Klopp dem TV-Sender Sky. Er harmoniere "meistens telepathisch" mit Buvac. Der Schweiger aus Banja Luka, Spitzname "das Gehirn", arbeitet seit 2001 als Assistent von Klopp und gilt als absoluter Taktikexperte.

Konter wie aus dem Bilderbuch

Der Revierclub begann seinen "Grand ohne fünf" mit dem erwarteten Dauerpressing sehr diszipliniert und offensiv ambitioniert, ohne die Absicherung nach hinten zu vergessen. Nach nur sechs Minuten prüfte Nationalspieler Reus mit einem gefährlichen Schuss von der Strafraumgrenze aus Gästekeeper Steve Mandanda. Das Fehlen von Rotsünder Roman Weidenfeller und der verletzten Marcel Schmelzer, Ilkay Gündogan, Sebastian Kehl und Lukasz Piszczek machte sich zu keiner Zeit bemerkbar. Für Weidenfeller stand Mitch Langerak im Tor, Erik Durm gab den Schmelzer-Vertreter auf der linken Abwehrseite.

Dortmunds gewohnt hohe Laufbereitschaft und konsequente Zweikampfführung zeigte immer wieder Wirkung. In der 19. Minute verloren die Südfranzosen den Ball am gegnerischen Strafraum - nur 15 Sekunden nach der Balleroberung veredelte Lewandowski den Bilderbuchkonter über sieben Stationen nach einem Assist von Durm mit dem 1:0. Buvac sprang zufrieden auf, in der Loge jubelte Chefcoach Klopp und ballte die Faust. OM brachte bis auf einen Freistoß von Nationalspieler Mathieu Valbuena, den Langerak prima parierte (21.), zunächst wenig zustande. 60 Sekunden später scheiterte Lewandowski mit einem Hochkaräter aus drei Metern an Mandanda.

Torwartfehler sorgt für Vorentscheidung

Der neunmalige Meister Frankreichs investierte jetzt mehr, hatte zeitweise sogar Ballbesitzvorteile - aber keine zwingenden Gelegenheiten. Der BVB verlegte sich bis zur Pause aufs Kontern und ließ nur noch bei einem Schuss von Reus seine Gefährlichkeit aufblitzen (40.). "Wir können zufrieden sein. Wir haben insbesondere in den ersten 30 Minuten ein sehr gutes Spiel gemacht", analysierte Dortmunds Manager Michael Zorc in der Halbzeit.

Nur das beruhigende 2:0 fehlte, und das fiel in der 52. Minute nach einem Torwartfehler von Mandanda, der eine Freistoßflanke von Reus ins Tor rutschen ließ. Das Tor wirkte wie ein Betäubungsmittel für den französischen Premierengewinner der Champions League 1993. Sichtlich befreit spulte die Borussia ihr Pensum ab. Durm (58.) und Pierre-Emerick Aubameyang (61.) vergaben leichtfertig noch gute Möglichkeiten, Lewandowski setzte mit einem Foulelfmeter schließlich die Schlusspointe - Nicolas Nkoulou hatte Reus gelegt. Mit diesem Erfolg ist auch die Wiedergutmachung für die beiden Niederlagen gegen Marseille (0:3 in Marseille, 2:3 zuhause), die 2011 zum Vorrunden-Aus in Europas Glamourliga beitrugen, mühelos gelungen. Am Samstag wartet in der Bundesliga in Gladbach gleich die nächste knifflige Herausforderung für den BVB.

Draxlers Geniestreich

Ein fulminanter Schuss von Julian Draxler hat dem FC Schalke 04 eine glänzende Ausgangsposition für den Einzug ins Achtelfinale der Champions League beschert. Dank des Siegtreffers zum 1:0 (0:0) beim FC Basel in der 54. Spielminute baute der Revierclub seine Spitzenposition am zweiten Spieltag mit nun perfekten sechs Punkten aus und weckte Vorfreude auf das Topspiel am 22. Oktober gegen den FC Chelsea.

Die Engländer gewannen am Dienstagabend bei Steaua Bukarest mit 4:0 und sind nun erster Verfolger von Königsblau in der Gruppe E. Mit einer disziplinierten Defensivleistung und dem Volley-Geniestreich von Draxler nahmen die Schalker vor 33 251 Zuschauern die schwierige Hürde im St. Jakobs-Park beim Schweizer Meister, der vor 14 Tagen mit einem Auswärtssieg bei Chelsea überrascht hatten.

Greenpeace-Protest vom Tribünendach

Gerade ein paar Minuten waren gespielt, da musste Schiedsrichter Alberto Undiano die Partie unterbrechen. Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace seilten sich vom Tribünendach ab und hissten ein Plakat gegen Uefa- und Schalke-Sponsor Gazprom. Nach etwa fünf Minuten konnte weitergespielt werden. Und Schalke bot sich die erste gute Chance. Kevin-Prince Boateng (12.) schoss aber nach einem Querschläger des rechtzeitig genesenen Basel-Verteidigers Fabian Schär per Volley knapp vorbei.

Boateng war von Jens Keller statt des zuletzt erkrankten Adam Szalai als einzige Spitze aufgeboten worden. Dahinter setzte der Schalke-Coach auf die offensive Dreier-Reihe mit Jefferson Farfan, Max Meyer und Rückkehrer Draxler, der nur schwer ins Spiel fand und erst in der zweiten Halbzeit aufdrehte.

Neustädter für Jones in der Startelf

Für den unter viel Tamtam von der Basel-Reise ausgeschlossenen Jermaine Jones rückte Roman Neustädter in die Startformation. Von einer "Suspendierung" von Jones wollte Schalkes Sportvorstand Horst Heldt nicht mehr sprechen. Beim TV-Sender Sky kündigte er vor dem Spiel ein Gespräch mit dem Profi am Donnerstag an.

Boateng ließ sich oft fallen, dadurch fehlte den Schalkern eine Anspielstation ganz vorne. Torgefahr gab es zunächst nur noch bei einem Kopfball von Neustädter (43.). Die Schweizer hatten mehr Spielanteile, gefährlich vor das Schalke-Tor kamen sie aber angesichts einer guten Schalker Defensivleistung vorerst nicht. Erst mitten in der fünfminütigen Nachspielzeit gab es eine Riesenchance, als Marco Strellers Kopfball knapp am Schalker Tor vorbeiflog.

Kurz zuvor hatte Keller umstellen müssen. Farfan fasste sich bei seiner Auswechslung an den linken Oberschenkel - offenbar schmerzte die Leiste. Szalai kam rein, Boateng rückte in die Zentrale dahinter und Meyer auf rechts.

Schalke um Kontrolle bemüht

Beide Mannschaften konzentrieren sich, defensiv gut zu stehen", analysierte der Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld in der Halbzeit bei Sky. Für Schalke galt das nur für sieben Minuten. Dann zeigte endlich Draxler sein Können. Nach einer Flanke herrschte Chaos in Basels Strafraum. Neustädter (52.) drosch den herausspringenden Ball an die Latte. Kurz darauf zirkelte Draxler aus ganz ähnlicher Position sehenswert genau: Schalke hatte sein Führungstor.

Basel brauchte ein paar Minuten, um sich zu erholen. Dann kam Behrang Safari (60.) zu einem gefährlichen Distanzschuss. Schalke schien die Partie zu kontrollieren, doch in der Schlussviertelstunde drängte der FCB immer mehr. S04-Torwart Timo Hildebrand parierte gegen Giovanni Sio (76.). Schalke vermied weitere Basel-Chancen und stemmte sich erfolgreich gegen den Ausgleich.

kng/DPA / DPA

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