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Champions League Madrid souverän, United und Inter effizient, City im Glück


Real Madrid zauberte, Inter und Manchester United verwalteten - und City hatte viel Glück...

Seydou Doumbia ist einer der besten Stürmer Europas. Glauben Sie nicht? Das liegt wohl daran, dass der Ivorer zunächst in der Schweiz sein Geld verdiente, um dann vom BSC Young Boys nach Moskau zu wechseln anstatt in eine der großen Ligen. Sein Leben spielte sich aber ohnehin meist abseits des großen Rampenlichts ab.

Nicht in der 5-Millionen-Metropole Abidjan, sondern in der Provinzhauptstadt Yamoussoukro geboren, kickte Doumbia in der noch abgelegeneren und noch kleineren Provinzstadt Odienné nahe der Grenze zu Guinea, als er vom japanischen Club Kashiwa Reysol entdeckt wurde und in der zweiten J.-League spielte, wo er dann auch noch an Tokushima Vortis ausgeliehen wurde.

Von dort ging es nach Bern, wo Doumbia sich mit 57 Toren in zwei Jahren eigentlich für höchste Aufgaben qualifizierte. Doch er entschied sich vor einem Jahr für einen Wechsel zu ZSKA Moskau - nicht, dass das seiner famosen Trefferquote Abbruch getan hätte. Gegen Trabzonspor war er an allen drei Toren beim 3:0 beteiligt und hat jetzt bereits 38 Pflichtspieltore in 50 Spielen für die Russen erzielt. Nicht ganz Cristiano Ronaldo, aber die Tendenz stimmt.

Ronaldo selbst bereitete das 1:0 von Real Madrid gegen eine sehr defensiv eingestellte Gästeelf von Olympique Lyonnais vor. Nach einer Ecke von Mesut Özil von rechts verlängerte der Portugiese am kurzen Pfosten mit dem Kopf, woraufhin gleich zwei Madrilenen am hinteren Pfosten in den Ball hineinrutschten. Zum Glück grätschten sich Sergio Ramos und Karim Benzema nicht gegenseitig über den Haufen. Sondern es blieb dem Ex-Lyoner Benzema vorbehalten, aus kurzer Distanz das Tor zu markieren, das Madrid fast schon ins Achtelfinale bringt.

Denn direkt nach Wiederanpfiff war es erneut Benzema, der einen bösen Fehler von Bakary Koné nutzte, um nicht etwa direkt abzuziehen, sondern ganz ruhig und kontrolliert den in der Mitte mitgelaufenen Sami Khedira zu bedienen. Der Deutsche ließ Hugo Lloris keine Chance.

Chancenlos war der französische Nationalkeeper beim 3:0 nicht. Nach einer Kombination, an der einmal mehr Benzema beteiligt war, kam Özil im linken Strafraum an den Ball, der Winkel eigentlich zu spitz zum Abschluss, aber die Hereingabe rutschte irgendwie unter dem Körper von Lloris hindurch über die Torlinie. Sergio Ramos erzielte nach einer Ecke des eingewechselten Kaká sogar noch das 4:0, was aber angesichts von fast 30 Torchancen der Madrilenen nur recht und billig war.

Nur eine Chance brauchten zwei andere Schwergewichte des europäischen Fußballpantheons, um ihre Auswärtsspiele zu gewinnen. Eine tolle Kombination über Wesley Sneijder, Mauro Zarate und Giampaolo Pazzini führte zum Goldenen Tor für den kriselnden FC Internazionale, der mit dem Sieg in Lille nach den Serie-A-Schlappen nun schon zwei Auswärtsspiele in der Champions League gewonnen hat und die Gruppe B anführt.

Dass Otelul Galati eine Stunde lang ein 0:0 gegen Manchester United hält, kommt auch nicht alle Tage vor. So geschehen aber im Nationalstadion von Bukarest, dem Austragungsort nicht nur der Champions League-Heimspiele von Otelul, sondern auch des Europa League-Endspiels. Dass United aus diesem Anlass nicht noch einmal nach Bukarest reisen muss, stellte Wayne Rooney mit seinem verwandelten Handelfmeter sicher. Nun gut, ganz sicher ist es noch nicht.

Otelul-Kapitän Sergiu Costin hatte bei einer Rooney-Flanke gewunken wie ein Parkplatzeinweiser und damit die Flugbahn des Balles unterbunden. Noch bevor Schiedsrichter Felix Brych gepfiffen hatte, war dem Rumänen die Verzweiflung über seinen Blackout anzusehen. Viel hätte nicht gefehlt, und er hätte sich aus Gram auf dem Rasen gewälzt. Rooney jedenfalls ließ Keeper Branko Grahovac keine Chance.

Wenig später leistete sich aber auch der Kapitän auf der Gegenseite einen folgenschweren Missgriff. Nemanja Vidic sprang an der Seitenlinie, Höhe Mittelkreis, in  Gabriel Giurgiu hinein, Brych zückte gleich glatt Rot. Eine vielleicht harte, aber vertretbare Entscheidung. Doch auch zehn Red Devils, heute ohnehin in Blau, brachten den Vorsprung über die Zeit - schließlich sah später auch noch Oteluls Milan Perendija Gelb-Rot, bevor Rooney einen weiteren Strafstoß zum 0:2-Endstand verwandelte.

Anders als die Dinos des Europacups Real Madrid (328 Spiele im Landesmeisterpokal/Champions League), Manchester United (221 Spiele) und Inter (153) ist  Manchester City (5 Spiele) noch nicht ganz in der Königsklasse angekommen. Trotz souveräner Tabellenführung in der Premier League wartete Roberto Mancinis Team in der Champions League bis in die Nachspielzeit hinein auf den ersten Sieg.

Ein Fehler von Nigel de Jong, der einen allerdings auch achtlos von David Silva gespielten Pass an Jonathan de Guzman verlor, leitete zunächst ein frühes Gegentor für City gegen Villarreal ein. De Guzman bediente Giuseppe Rossi, der von der Strafraumgrenze schoss. Joe Hart konnte den Ball nur nach vorne abprallen lassen, Cani setzte nach und es stand schon nach vier Minuten 0:1.

Erst kurz vor der Pause kamen die feldüberlegenen Citizens gegen nun sehr defensiv agierende Spanier zum Ausgleich. Aleksandar Kolarov flankte von links scharf vors Tor,  wo Carlos Marchena, in höchster Bedrängnis durch den hinter ihm lauernden Edin Dzeko, ins eigene Netz abstaubte.

Trotz dieses Missgeschicks sah es lange so aus, als könne Villarreal seinen ersten Punkt in der Gruppe A einsammeln - dann aber kam die dritte Minute der Nachspielzeit, in der James Milner Pablo Zabaleta mit einem klugen Pass in den Rücken der Viererkette schickte. Zabaleta flankte nach innen, David Silva verlängerte, und am langen Pfosten konnte der eingewechselte Sergio Agüero einnetzen - zum ersten Sieg in der Champions League-Geschichte von Manchester City.

Daniel Raecke

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