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Champions League: Schweini als tragischer Held

Trotz Unterzahl hat der FC Bayern München bei Sporting Lissabon gewonnen. Tragischer Held war Bastian Schweinsteiger, der nach dem Siegestreffer den Platz verlassen musste. Auch Werder Bremer holte wichtige Punkte nach dem Pflicht-Sieg gegen Levski Sofia.

Dank seines brasilianischen Duos hat der Werder Bremen seine Chance auf das Achtelfinale in der Champions League gewahrt. Durch die Treffer von Naldo (45.+1) und Diego (74.) kamen die Bremer am Mittwoch gegen Levski Sofia zu einem mühsamen 2:0 (1:0) und damit zum ersten Sieg in der Champions-League-Saison. Zugleich feierte der deutsche Vizemeister eine zumindest erfolgreiche Generalprobe für den Bundesliga-Gipfel am Samstag gegen den Rekordmeister Bayern München.

Trotz des verdienten Erfolgs konnten die Hanseaten gegen die weiter punktlosen Bulgaren nicht an ihre Glanzvorstellung gegen den FC Barcelona (1:1) vor drei Wochen anknüpfen. "Wir wollten die Punkte einfahren. Es war ein schweres Stück Arbeit, weil der Gegner dicht gestanden hat", meinte Werder-Trainer Thomas Schaaf, räumte aber auch ein: "Wir haben den Anspruch, viele Tore zu schießen. Das ist uns nicht gelungen." Auch Torjäger Miroslav Klose stellte selbstkritisch fest: "Wir haben nicht den Fußball gespielt, den wir spielen wollten."

Werder jetzt punktgleich mit Barcelona

Immerhin behielten die Bremer die Möglichkeit, aus eigener Kraft in der Gruppe A noch einen der beiden ersten Plätze zu erreichen. Mit vier Zählern ist Werder als Tabellendritter punktgleich mit Barca, das beim FC Chelsea (9 Punkte) in London.0:1 verlor. "Ungefähr so habe ich das auch getippt", meinte Klose.

Werder-Trainer Thomas Schaaf musste seine Mannschaft gegenüber der 6:0-Gala gegen den VfL Bochum vier Tage zuvor auf einer Position ändern. Für den verletzten Kapitän Frank Baumann rückte Jurica Vranjes ins Mittelfeld. Außerdem fehlte weiterhin Nationalspieler Tim Borowski.

Werders Angriffsmotor stotterte

Vor 36 246 Zuschauern zeigten die Bremer nur selten etwas von ihrer Spiel- und Kombinationsfreude. Gegen die lange Zeit defensiv sicher stehenden Bulgaren taten sich Klose und sein Sturmpartner Aaron Hunt schwer. Auch dem Brasilianer fehlten zunächst die Geistesblitze, die Abwehr der Deckung in Verlegenheit zu bringen. Zudem ließen Fehlpässe und Unkonzentriertheiten immer wieder das Aufbauspiel des Werder ins Stocken geraten. Von Sofia war vor dem Tor der Bremer aber ebenfalls nur wenig zu sehen. Hristo Jowow (26.), ehemals beim TSV 1860 München, hatte die einzige nennenswerte Szene. Sein Schuss ging knapp am Tor vorbei.

Für Werder war der Schuss von WM-Torschützenkönig Klose (4.), der seit dem zweiten Bundesliga-Spieltag auf ein Pflichtspieltor für Werder wartet, lange Zeit die einzige Chance. Erst als Christian Schulz (24.) sich ein Herz fasste und aus 20 Metern abzog, geriet das Levski-Tor wieder in Gefahr. Später scheiterte noch Hunt (44.) nach Zuspiel von Klose an Sofias Torwart Georgi Petkow. Um doch noch vor der Pause in Führung zu gehen, benötigte Werder viel Glück. Nach dem Freistoß von Naldo in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit rutschte der Ball durch die Levski-Mauer und kullerte ins Tor.

Womé musste raus

Bremens Coach Schaaf reagierte auf die dürftige Vorstellung seiner Mannschaft und ließ den schwachen Wome zur zweiten Halbzeit in der Kabine. Für ihn kam Ivan Klasnic als dritte Spitze in die Partie. Besser wurde das Spiel aber nicht. Zwar erhöhten die Gastgeber den Druck, doch bis auf Hunt (57.) und Diego (59.) tauchten keine Bremer gefährlich vor dem Tor der Bulgaren auf. Immerhin war das Bemühen zu spüren, das in der 74. Diego nach Zuspiel von Klasnic doch belohnt wurde.

Trotz Unterzahl hat der FC Bayern München auch bei Sporting Lissabon gewonnen und seinen souveränen Siegeszug in Richtung Achtelfinale der Champions League fortgesetzt. Mann des Abends beim 1:0 (1:0)-Erfolg war am Mittwoch Bastian Schweinsteiger. Der Nationalspieler erzielte zunächst mit einem prächtigen Weitschuss das Siegtor (19. Minute), brachte sein Team dann durch eine Gelb- Rote-Karte (47.) aber in Bedrängnis. Mit einem starken Torwart Oliver Kahn als Rückhalt blieb der deutsche Fußball-Rekordmeister vor 37 559 Zuschauern im Stadion José Alvalade auch im dritten Spiel ohne Gegentor und baute seine Führung in Gruppe B mit neun Punkten aus. Schon im Rückspiel in 14 Tagen können die Münchner in der heimischen Allianz Arena den Einzug in die nächste Runde perfekt machen.

Die Bayern-Defensive war stark

"Wir können hoch zufrieden sein. Das war heute eine super Mannschaftsleistung. Man hat eigentlich nicht gesehen, dass wir ein Mann weniger waren. Besonders die Defensive stand sehr gut", sagte Bayern-AG-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Trainer Felix Magath war besonders mit der Anfangsphase zufrieden: "Die ersten 20 Minuten haben mir sehr gut gefallen, dann haben wir das Spiel aus der Hand gegeben."

Magath setzte wie beim 4:2 gegen Hertha BSC wieder auf sein Offensiv-System - und wurde letztlich auch belohnt. Überraschend bot der Bayern-Trainer allerdings Roque Santa Cruz neben Lukas Podolski und Claudio Pizarro auf und verzichtete dafür auf Roy Makaay als dritten Stürmer. Die Portugiesen haben keine großen Spieler. Wir wollen Vorteile bei Kopfbällen haben", begründete Magath den Vorzug des mit 1,91 m drei Zentimeter größeren Paraguayers.

Ricardo hat eine "Schweinsteiger-Allergie"

Schnell übernahmen die Münchner die Initiative. Schweinsteiger erinnerte Sporting-Torwart Ricardo früh daran, dass er ihn bei der WM im Spiel um Platz drei schon zwei Mal aus der Distanz überwunden hatte - und entlarvte gleich mit seinem ersten Fernschuss (8.) schonunglos dessen Unsicherheit. Als Mark van Bommel (10.) abzog und Ricardo den Ball wieder nicht festhielt, wurde Claudio Pizarro am Trikot gehalten, doch Schiedsrichter Terje Hauge (Norwegen) gab keinen Elfmeter.

Kurz darauf schlug Schweinsteiger mit einem 30-Meter-Hammer gegen seinen diesmal machtlosen "Lieblingtorwart" zu. Mit seinem zweiten Saisontreffer in der Champions-League-Saison konnte er die Nerven von Uli Hoeneß vorerst beruhigen. Der Manager der in Portugal weiter ungeschlagenen Münchner saß wegen seiner Sperre nicht wie gewohnt auf der Bank, sondern auf der Tribüne neben Karl-Heinz Rummenigge.

Kahn hielt die Führung fest

Bei Pizarros Kopfball (23.) nach einem weiteren Ricardo-Patzer hatte die Bayern-Führungsriege den Torjubel schon auf den Lippen, doch der Peruaner vergab die große Chance zum beruhigenden 2:0. Kurz darauf gerieten die Münchner in Bedrängnis und überließen Lissabon das Spiel. Liedson (31.) und Alecsandro (32.) boten sich beste Möglichkeiten. Nur Kahn rettete die Führung einer urplötzlich unkonzentriert agierenden Bayern-Elf. Und auf den Schlussmann sollte noch mehr Arbeit zukommen.

Zur zweiten Halbzeit brachte Magath Martin Demichelis für Andreas Ottl, weil diesem eine Gelb-Rote-Karte drohte: Doch es erwischte ausgerechnet den bis dahin überragenden Schweinsteiger. Nach einem Foul an Yannick stellte ihn Hauge, der im Champions-League-Finale auch Jens Lehmann des Feldes verwiesen hatte, mit der Ampelkarte vom Platz. Magath musste seine Taktik ändern und brachte für die zu erwartende Abwehrschlacht Hasan Salihamidzic und Julio dos Santos für Santa Cruz und den wirkungslosen Podolski.

Sporting belagerte den Bayern-Strafraum

Sporting erhöhte wie erwartet den Druck und belagerte den Bayern-Strafraum. Anderson Polga traf als erstes Achtungszeichen den Pfosten (58.). Kahn parierte gegen den agilen Yannick (71.) und rettete seinem Team den Sieg. Praktisch ohne Entlastungsangriffe mussten die Münchner allerdings ein enormes kämpferisches Pensum abliefern und verbrauchten vier Tage vor dem Bundesliga-Gipfel gegen Werder Bremen viel Kraft.

Die Aufstellungen:

Bremen:

Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Womé (46. Klasnic) - Vranjes (72. Andreasen) - Frings, Schulz - Diego - Klose (82. Almeida), Hunt

Sofia:

Petkow - Stanislaw Angelow, Topusakow, Tomasic, Wagner - Eromoigbe, Borimirow, Bardon - Telkijski (79. Dimitrov), Jowow (79. Koprivarov), Domowschijski (64. M. Ivanov)

Schiedsrichter: Paul Allaerts (Belgien)

Lissabon:

Ricardo - Caneira, Tonel, Polga Anderson, Miguel Veloso (70. Paredes) - Tello, Carlos Martins (46. Yannick), Joao Moutinho, Nani - Alecsandro (57. Bueno), Liedson

München:

Kahn - Sagnol, Lucio, van Buyten, Lahm - van Bommel, Ottl (46. Demichelis), Schweinsteiger - Santa Cruz (50. Salihamidzic), Pizarro, Podolski (65. dos Santos)

Schiedsrichter: Terje Hauge (Norwegen)

Klaus Bergmann und Christian Kamp/DPA / DPA

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