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Confederations Cup: Löw will von Müdigkeit nichts hören

„Jeder muss 90 Minuten Gas geben.“ Kompromisslos formuliert DFB-Co-Trainer Joachim Löw seine Vorgaben für den Confederations Cup. Bei der Nominierung des 23-köpfigen Kaders überrascht der Trainerstab mit neuen Namen.

Der 31-jährige Mittelfeldspieler Dietmar Hamann vom Champions-League-Finalisten FC Liverpool kehrt nach einem Jahr zurück in die Nationalelf. Zudem wurde der 21-jährige Schalker Stürmer Mike Hanke erstmals in die Klinsmann-Elf berufen. Nicht dabei ist der Dortmunder Abwehrspieler Christian Wörns, der wegen einer hartnäckigen Hüftverletzung geschont wird. Löw versicherte aber, der 33-Jährige werde im August im Spiel gegen die Niederlande "automatisch" wieder zurückkehren.

Tickets für den Zug zur WM

Allen Spielern, die diesmal nicht nominiert wurden, versprach Löw, der Zug für ein WM-Ticket sei noch nicht abgefahren. "Jeder hat die Chance, sich durch gute Leistungen zu empfehlen und wieder dazu zu stoßen." Nicht berücksichtigt wurden unter anderem der Dortmunder Sebastian Kehl, der Bremer Frank Baumann und Oliver Neuville von Borussia Mönchengladbach.

Der 45-jährige Löw betonte, das Nationalteam wolle das Acht-Nationen-Turnier gewinnen. Es sei zwar keine richtige Generalprobe für die Weltmeisterschaft 2006, aber eine "ganz wichtige Standortbestimmung". Die Deutschen wollten aggressiv und mit hohem Tempo spielen. "Wichtig fürs Selbstbewusstsein wäre, dass wir nun auch mal gegen Mannschaften wie Argentinien oder Brasilien gewinnen, die zu den besten der Welt gehören."

Klinsmann nahm nicht an der Pressekonferenz teil, weil er sich nach Auskunft Löws in den USA von einer Knie-Operation erholt. Die Reha-Maßnahmen dauerten täglich drei Stunden; inzwischen könne der 40-Jährige aber immerhin wieder normal laufen.

Gradwanderung Confederations Cup

Klinsmann gab in den USA ein Interview und sagte, der Confederations Cup sei "ein Gradmesser, um zu sehen, ob wir im Stande sind, uns mit den Großen zu messen. Wir können jungen Spielern die Möglichkeit geben, Erfahrungen in der Nationalmannschaft zu sammeln."

Zur jüngsten Kritik von Bayern-Manager Uli Hoeneß an seiner Person sagte Klinsmann: "Er sagt immer, ich muss erst beweisen, dass ich ein guter Bundestrainer bin. Da hat er Recht." Das Abschneiden bei der WM sei der alleinige Gradmesser. "Wir haben die Möglichkeit, in unserem eigenen Land, mit unseren Fans im Rücken Weltmeister zu werden. Sollte es nicht gut gehen, schießen sie einen eh’ auf den Mond."

Zur umstrittenen Torhüterfrage sagte Löw, er rechne auch während des Confederations Cup mit einem Wechsel zwischen Bayern-Keeper Oliver Kahn und Lens Lehmann von Arsenal London. Beide hätten das sportliche Duell in den vergangenen Monaten sehr positiv angenommen.

Hervorragende Technik und präzise Pässe

Löw lobte ausdrücklich den Rückkehrer Hamann, der zuletzt unter Klinsmanns Vorgänger Rudi Völler während der EM 2004 in Portugal zum Einsatz gekommen war. Der 31 Jahre alte, 58-fache Nationalspieler habe eine "hervorragende Technik" und könne sehr präzise Pässe in die Spitze spielen. Auch den zweiten Neuling Mike Hanke vom FC Schalke 04 überschüttete Löw mit Lob: "In den von uns beobachteten Einsätzen hat er uns imponiert, vor allem durch seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und seine Dynamik in den Aktionen." Insgesamt hat Klinsmann fünf junge Stürmer für den Confederations Cup ausgewählt, von ihnen ist Miroslav Klose mit 26 Jahren noch der Älteste. Das Durchschnittsalter des gesamten Kaders beträgt 25 Jahre.

Der Kreuzbandriss des Stuttgarter Linksverteidigers Philipp Lahm habe das Trainerteam schockiert, sagte Löw. "Das hat uns sehr, sehr wehgetan, wir waren sprachlos." Lahm habe sich nach seiner Fußverletzung in den vergangenen Wochen mühsam herangekämpft und sei ein "wichtiger Eckpfeiler" im Kader. "Wir brauchen ihn und hoffen, dass er möglichst in diesem Jahr wieder dabei ist." Als Ersatzleute auf seiner Position kommen laut Löw der Bremer Christian Schulz und Thomas Hitzlsperger von Aston Villa in Frage.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass der lange Zeit wegen Depressionen ausgefallene Bayern-Star Sebastian Deisler in den Kader für den Confederations Cup gerückt ist. Zu seiner Nominierung sagte Löw: "Er hat gezeigt, dass er eine Topleistung bringen kann. Ich hoffe, dass er nächstes Jahr wieder regelmäßiger spielt."

Throsten Holz/AP / AP

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