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Deutschland vs. Dänemark Die Angst spielt mit


Trotz der Auftaktsiege könnte für die DFB-Auswahl die EM nach dem Spiel gegen Dänemark vorbei sein. Wie kann das passieren? Wer ersetzt Jerome Boateng? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Spiel.
Von Klaus Bellstedt, Lwiw

Es ist fast schon ein bisschen kurios. Da gewinnt die deutsche Nationalmannschaft ihre ersten beiden Spiele bei dieser EM, führt die Gruppe mit sechs Punkten souverän an und muss vor der dritten Partie gegen Dänemark am Samstag in Lwiw (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker) trotzdem um das Weiterkommen bangen. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum „Endspiel“ für das Erreichen des nächsten Etappenziels, dem Viertelfinale.

1. Was muss passieren, damit Deutschland aus dem Turnier ausscheidet?


Ehrlich gesagt gar nicht so viel wahnsinnig Verrücktes. Die DFB-Auswahl scheidet aus, wenn Portugal gegen die Niederlande gewinnt und man selbst gegen Dänemark mit 0:1, 1:2 oder einem Resultat mit zwei oder mehr Treffern Unterschied verliert. Dann hätte die Mannschaft von Joachim Löw die schlechteste Tordifferenz beziehungsweise die geringere Anzahl an Toren aus den direkten Vergleichen der drei Mannschaften. Um sich für das große Ziel „Heimspiel“ in Danzig zu qualifizieren, muss Deutschland gegen den derzeitigen Gruppendritten Dänemark gewinnen oder unentschieden spielen. Dann steht man als Gruppenerster im Viertelfinale. Als Zweiter ginge es in der Runde der letzten acht Mannschaften nach Warschau. Der Fall tritt ein, wenn Gomez und Co. gegen Dänemark verlieren und Portugal gegen Holland unterliegt oder unentschieden spielt.

2. Wer ersetzte den gesperrten Jerome Boateng in der Abwehr?


Alle rechnen mit Lars Bender. Aber das ist nur eine von mehreren Möglichkeiten. Der Bundestrainer eröffnete nach dem Sieg über Holland ein Gedankenspiel. Philipp Lahm könne man gegen Dänemark auch die Seite wechseln lassen, so Löw. Dafür käme dann wohl Marcel Schmelzer auf links zu seinem ersten EM-Einsatz. Der Coach schloss auch nicht aus, die Viererkette zu einer Dreierkette umzubauen. Das wäre dann mal etwas ganz Neues. Ein zusätzlicher Mittelfeldspieler (vermutlich Toni Kroos) würde dann nachrücken. Manuel Neuer brachte schließlich Alternative Nummer vier ins Gespräch. In der nächtlichen Hitze von Charkow hatte sich der Torwart weitgehend unbemerkt für Benedikt Höwedes ausgesprochen. Höwedes spielte in seinem Leben mal Innen- und mal Rechtsverteidiger, er ist mit Neuer befreundet, die beiden kennen sich vom FC Schalke 04. „Ich denke, Benni Höwedes wird einrücken “, sagte Neuer, als er nach einem möglichen Boateng-Ersatz gefragt wurde, so schnell, als sei es eine Selbstverständlichkeit. Genauso schnell aber schob er nach, dass das „natürlich der Bundestrainer entscheiden“ werde. Seine Kompetenzen wollte der Torwart nicht überschreiten.

3. Kommt Lukas Podolski zu seinem 100. Länderspiel?


„Es war ein großer Traum von mir, 100 Länderspiele für Deutschland zu machen. Und den Traum habe ich mir nun fast erfüllt", sagte Lukas Podolski am Freitag auf der Pressekonferenz im DFB-Medienzentrum. Ein Spiel fehlt dem Mittelfeldspieler noch zur Aufnahme in den elitären Hunderter-Klub. Nach zwei schwachen Spielen gegen Portugal und Holland könnte der 27-Jährige in Lwiw Jubiläum feiern – wenn er denn wirklich spielt. Denn nach zwei eher schwächeren Spielern ist Podolski, rein leistungsmäßig betrachtet, auf dem Weg zu einem Wackelkandidaten für die Startelf geworden. Trotzdem wird Löw ihn vermutlich nicht opfern, sondern ihm erneut das Vertrauen aussprechen – und auf eine Leistungssteigerung hoffen. „Ich weiß, dass mir die Konkurrenz im Nacken sitzt. Das ist auch gut so. Bei einem Turnier, das lang dauern kann, brauchen wir viele gute Spieler", sagte Podolski, der am Freitag einen unbeschwerten und extrem lockeren Eindruck hinterließ. Er nahm wie immer Pressesprecher Harald Stenger auf die Schippe, knuffte Mario Gomez in die Seite und redete über seine ganz persönliche Wohlfühloase: „Wenn die Nationalmannschaft ein Klub wäre, wäre es hier wie beim FC“, scherzte Podolski in Anlehnung an seinen geliebten 1. FC Köln. So spricht keiner, der sonderlich stark unter Druck steht. Das Jubiläum kann kommen.

4. Sind die Frustäußerungen von Toni Kroos eine Gefahr für den Betriebsfrieden in der Nationalmannschaft?


Eher nicht. Oliver Bierhoff zeigte am Tag vor dem Spiel gegen Dänemark sogar Verständnis für Toni Kroos. "Die Form, wie Toni seine Unzufriedenheit geäußert hat, war jetzt nicht wahnsinnig verrückt und hat uns nicht durcheinander gebracht. Toni hat natürlich auch einen Anspruch", kommentierte der Teammanager die Aussagen von Kroos nach dem 2:1 der DFB-Auswahl gegen die Niederlande. In einem Interview hatte der am Freitag seinen Frust über seine bisherigen Einsatzzeiten bei der EM rausgelassen: "Befriedigend ist das alles nicht. Gerade nach der Saison, die ich gespielt habe, ist es doch logisch, dass ich spielen will", so Kroos. Bierhoff schloss auch Sanktionen gegen den Bayern-Profi auf. „Für uns ist auch wichtig, wie sich ein Spieler in der Mannschaft verhält, und da sehen wir bei ihm keine Problematik.“ Eine Störung des Betriebsfriedens befürchtet er nicht. „Da kommt mal eine flapsige Aussage oder einer äußert mal seine Unzufriedenheit, das ist nicht so schlimm. Ich freue mich sogar, wenn die Spieler unzufrieden sind, wenn sie nicht spielen. Das zeigt, dass sie hier nicht nur irgendwie ihre Zeit verbringen wollen“, sagte Bierhoff. Wichtig für die Reservisten sei aber, „dass sie sich immer zum Wohle der Mannschaft einsetzen“.

5. Auf wen bei den Dänen muss die Nationalmannschaft besonders aufpassen?


Klar, auf Nicklas Bendtner. Der wuchtige und extrem selbstbewusste Stürmerstar ist aber nicht der einzige Schlüsselspieler. Da wäre zum Beispiel noch William Kvist. Er ist der Stratege und Ballverteiler im defensiven Mittelfeld. Beim VfB Stuttgart spielte der Däne einer überragende Saison. „Ich bin nicht Messi“, sagt Kvist selbst. „Ich war nie ein Dribbler, sondern bin mehr ein Kämpfer. Ich mag es, den einfachen Pass zu spielen.“ Wenn es denn einen Mini-Messi bei den Dänen gibt, dann ist das am ehesten Christian Eriksen. Der 20-jährige Mittelfeldspieler gilt als eines der größten Talente im europäischen Fußball und wird in Dänemark bereits mit dem großen Michael Laudrup verglichen. Eriksen erinnert mit seiner Spielweise ein bisschen auch an Mesut Özil: technisch perfekt mit starken Dribblings und einer sehr guten Spielübersicht.


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