HOME

Erste EM-Bilanz: Wer jetzt der wahre Geheimfavorit ist ... und fünf weitere Erkenntnisse

Die erste Runde der EM 2016 ist durch, jedes Team hat einmal gespielt. Erinnern wird man sich an diese Spiele schon bald nicht mehr. Erste Erkenntnisse haben sie trotzdem gebracht. Eigentlich fängt das Turnier jetzt erst richtig an. Hoffentlich!

Geheimfavoriten bei der EM 2016? Luka Modric und Kroatien gehören dazu

Geheimfavoriten bei der EM 2016? Luka Modric und Kroatien gehören definitiv dazu

1:0, 0:1, 1:1. Die Ergebnisse der EM in Frankreich lesen sich bisher ungefähr so spannend wie ein binärer Code. Und genauso war auch das Geschehen auf dem Rasen. Wehmütig erinnern wir uns an die WM 2014, als es von Anfang an mächtig zur Sache ging. Obwohl: Im Nachhinein verklärt sich ja manches.

Klar ist aber, dass der Modus im auf 24 Mannschaften aufgeblähten Teilnehmerfeld attraktive Begegnungen von Anfang an nicht gerade fördert. Schließlich bleiben nur acht Teams nach der Vorrunde auf der Strecke. Da wäre jeder dumm, der sich gleich im ersten Spiel das Torverhältnis vermiesen ließe. Sogar mit dreimal 0:0 sind die Aussichten auf ein Weiterkommen gar nicht mal so schlecht. Wen wundert da noch die Zurückhaltung auf dem Rasen. Bliebe als erste Schlussfolgerung also: Weg mit dem Modus!

Welche Erkenntnisse gibt es bisher noch?

Geheimfavoriten werden überschätzt

Das war wohl nix: Die Belgier waren ja gefühlt schon Europameister. Die alten Hasen aus Italien haben die Himmelsstürmer aber im ersten Spiel fein zurechtgestutzt - spielerisch und taktisch. Echte Turnierspiele sind eben doch etwas anderes. Das mussten auch die Österreicher schmerzlich erfahren, die sich im Kaffeehaus-Duell gegen aus der Versenkung aufgetauchte Ungarn so richtig blamierten. Und die Schweizer haben zwar gegen Albaninen gewonnen, sich aber auch nicht mit Ruhm bekleckert. Wie gesagt: Ausscheiden in der Vorrunde ist eher schwierig, aber dass eines dieser Teams auch nur in die Nähe des Titels gelangt, ist im Moment schwer vorstellbar.

EM-Wissen für Profis: Mit diesen Fußball-Fakten beeindrucken Sie jeden


Der wahre Geheimfavorit der EM 2016 heißt ...

... Kroatien! Niemand hatte die Männer von der Adria so richtig auf der Rechnung. Dabei hätte schon ein Blick auf den Kader aufhorchen lassen müssen: Luka Modric (Real Madrid), Ivan Rakitic (FC Barcelona), der Ex-Dortmunder und Wolfsburger Ivan Perisic (Inter Mailand), Ex-Bayern-Stürmer Mario Mandzukic (Juventus Turin), dazu Haudegen wie Srna oder Corluka und Jungstars wie Jedvaj (Leverkusen) oder Kramaric (Hoffenheim) - das verspricht Klasse. Die haben die Kroaten im ersten Spiel gegen die Türkei schon gezeigt. Vom WM-Dritten von 1998 darf man einiges erwarten.

Italien darf man nie abschreiben

Es stimmt: Der Zustand des italienischen Fußballs war schon mal deutlich besser. Die Liga ist abgewirtschaftet, die meisten Clubs spielen im Europapokal derzeit keine große Rolle, es fehlt offenbar an frischen Talenten und die Weltmeister von 2006 sind nicht erst jetzt in die Jahre gekommen. Doch die Italiener haben wieder einmal alle überrascht und ihre Qualitäten in die Waagschale geworfen: Erfahrung, herausragende Defensive, gute Taktik und jede Menge Schlitzohrigkeit. So gewinnt man auch mit dem ältesten Team, das je an einer EM teilgenommen hat. Tatsächlich hat bisher keine Mannschaft mehr überzeugt als die Italiener. Sind sie gar reif für den Titel? Warum nicht - wenn die Luft reicht.

Frankreich ist auf einem guten Weg

Als Favorit und Gastgeber in eine Europameisterschaft zu starten, ist nie leicht. Dementsprechend hatten auch Les Bleus ihre Schwierigkeiten. Frankreich hatte im Eröffnungsspiel mehr mit dem enormen Erfolgsdruck zu kämpfen als mit Gegner Rumänien. Aber sie haben gesiegt und das tolle Siegtor von Dmitri Payet sollte Signalwirkung haben. Die Franzosen dürften weit kommen.

Wettbewerb auf der Tribüne: Das sind die schönsten Spielerfrauen der EM


Deutschland braucht noch Zeit

Obwohl ein Sieg zum Start in ein großes Turnier unter Trainer Jogi Löw fast schon obligatorisch ist, braucht "die Mannschaft" in der Regel Zeit, sich zu finden. Nicht selten ist daher das zweite Spiel ein schwieriges für die DFB-Elf. Dumm, dass mit Polen ausgerechnet jetzt der stärkste Gruppengegner wartet. Doch selbst eine Niederlage muss nicht mehr als ein Stolperstein sein. Hat der Weltmeister das Zeug, ins Finale zu kommen? Natürlich - aber nur, wenn die Lücken in der Defensive geschlossen werden können. Denn 1. kann auch Manuel Neuer nicht alles halten, und 2. werden nicht alle Stürmer so gnädig sein wie die Ukrainer.

Und übrigens: Die Kleinen sind gar nicht so klein

Zum Schluss nochmal zurück zu Modus und Teilnehmern: Ja, da sind Nationen am Start, die üblicherweise nicht dabei sind. Doch so überraschend es klingen mag: Die sogenannten "Kleinen" sind in der Regel nicht verantwortlich für die bisher schwachen Spiele und das aufgeblähte Teilnehmerfeld. Das zeigen die Ergebnisse in der Qualifikation: Ob Wales, Island oder Albanien - alle haben sich direkt qualifiziert, wären also auch im bisherigen 16er-Feld dabei gewesen. Nordirland hat seine Gruppe gewonnen, Wales lange mit Belgien um den Gruppensieg gestritten. Island hat Holland ausgeschaltet und Albanien Dänemark.

Wenn es ab jetzt also heißt: "Schluss mit dem Warmmachen! Ab jetzt bitte Vollgas!" Dann sind in erster Linie die großen Fußball-Nationen gemeint.

Wissenscommunity