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Deutschland gegen Ungarn Situation wie vor WM-Aus 2018? Warum Hummels ein ganz anderes Gefühl hat

Mats Hummels beim Training in der Nationalmannschaft
Laut Hummels wird die DFB-Auswahl "die gleiche Energie auf den Platz bringen wie gegen Portugal“
© Christof Stache / AFP
Wie bei der missglückten WM 2018 entscheidet auch bei dieser Europameisterschaft das dritte Gruppenspiel über das Schicksal der Nationalelf. Abwehrchef Mats Hummels jedoch spürt heute einen völlig anderen Kampfgeist in der Mannschaft.

Geschichte wiederholt sich nicht, heißt es. Aber die Zeitläufe können ähnliche Muster aufweisen. Mats Hummels jedenfalls ist gewarnt vor dem letzten EM-Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn an diesem Mittwochabend (21 Uhr, ZDF). "Wir nehmen den Gegner sehr, sehr ernst", sagte Hummels vor der Partie in München. "Wir werden die gleiche Energie auf den Platz bringen wie gegen Portugal.“

Bloß kein zweites Südkorea?

Bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland war das DFB-Team mit einer gemischten Bilanz ins Turnier gestartet. Niederlage gegen Mexiko, Sieg gegen Schweden – und dann kam das Spiel gegen Südkorea in der Kasan-Arena. Kurz vor Schluss, es lief schon die Nachspielzeit, hätte Hummels nach einem Eckstoß noch ein Tor köpfen können; er erwischte den Ball aber nicht richtig und platzierte ihn knapp über die Latte. Es war die letzte Chance für Deutschland, diese WM in letzter Minute doch noch zu retten. Am Ende verlor Deutschland, der Weltmeister 2014, gegen den Außenseiter Südkorea mit 0:2. 

Und nun, vor dem Ungarn-Spiel, gibt es eine ähnliche Ausgangssituation. Niederlage gegen Frankreich (0:1), Sieg gegen Portugal (4:2) – auch in diesem dritten Spiel wird sich entscheiden, ob die Deutschen die nächste Runde erreichen. Bloß kein zweites Südkorea? Hummels zeigt sich gelassen. "Der Spirit war damals ein ganz anderer im Training und in den Spielen. Heute habe ich ein deutlich, deutlich besseres Gefühl. Wir haben viele Jungs im Team, die richtig Bock haben für Deutschland zu spielen."

Deutschland gegen Ungarn: Situation wie vor WM-Aus 2018? Warum Hummels ein ganz anderes Gefühl hat

Hummels: Zuviel Harmonie könne lähmen

2018 belastete ein Generationenkonflikt die Nationalmannschaft. Die Weltmeister von 2014 bildeten eine eigene Gruppe, und einige jungen Spieler fühlten sich abgehängt; sie hatten den Eindruck, dass Bundestrainer Joachim Löw eher historische Verdienste belohnt und weniger das aktuelle Leistungsvermögen.

Nach allem, was man hört aus dem Umfeld der Nationalmannschaft, gibt es heute keine Risse im Team. Allenthalben werden Ehrgeiz und Einsatzfreude gelobt; im Training ist mitunter auch eine gewisse Galligkeit zu spüren. Was Mats Hummels, Weltmeister 2014 und Gescheiterter 2018, beruhigt. Zu viel Harmonie könne lähmen, Hummels sagt: "Man muss auch mal laut werden und sich anschreien."

Müdes Ungarn, schlagbares Ungarn

Die Partie gegen Ungarn hingegen wird eher eine Übung in Buddhismus. Ungarn stand sowohl gegen Portugal (0:3) als auch gegen Frankreich (1:1) tief in der eigenen Hälfte, mitunter tummelten sich Feldspieler im eigenen Strafraum. Sie lauerten dort auf Konter – Spielkontrolle durch Ballbesitz kommt im ungarischen Matchplan nicht vor; die Mannschaft um den Leipziger Torwart Peter Gulasci setzt allein auf schnelles Umschaltspiel.

"Wir werden geduldig sein müssen ohne passiv zu werden", sagt Hummels. "Wir werden versuchen, sie viel laufen zu lassen, so dass sie müde werden."

Auch Bundestrainer Löw erwartet ein aufreibendes und einseitiges Spiel, mit Deutschland im Angriff und Ungarn in der Defensive. "Sie sind zweikampfstark und können ihre Gegner zur Verzweiflung bringen. Sie sind ein Muster an Konstanz", sagte Löw. "Das Spiel wird nicht so offen sein wie gegen Portugal."

Löw über Goretzka: "Er ist absolut bereit"

Beim Sieg gegen die Portugiesen profitierten die Deutschen davon, dass auch der Gegner, immerhin Europameister 2016, das Spiel mitgestalten wollte. Somit boten sich immer wieder Räume für die Flügelzange Gosens/Kimmich und die drei Angreifer Havertz, Müller und Gnabry.

Ob Löw erneute dieselbe Mannschaft aufbieten kann wie gegen Portugal und Frankreich, war bis zum Mittwochnachmittag noch offen. Thomas Müller konnte beim Abschlusstraining am Dienstag nicht mitmachen; er leidet an einer Kapselverletzung im Knie. Gut möglich, dass Leon Goretzka für ihn in die Startelf rückt. Goretzka, der eineinhalb Monate mit einer Muskelfaserverletzung im rechten Oberschenkel zu kämpfen hatte, gab in der zweiten Halbzeit gegen Portugal sein Comeback. "Leon hat im Training einen sehr guten Eindruck gemacht", sagte Löw. "Er ist absolut bereit."

yks

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