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Facebook-Statement Regenbogen über Deutschland: DFB-Funktionär fällt eigener Elf in den Rücken

Rainer Koch, kommissarischer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes
Rainer Koch, kommissarischer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, äußerte Verständnis für den Uefa-Beschluss, die Allianz-Arena nicht in Regenborgenfarben beleuchten zu lassen
© Laci Perenyi / Picture Alliance
Nach dem Regenbogen-Verbot der Uefa solidarisieren sich zahlreiche Städte mit München. DFB-Präsident Koch hingegen äußert Verständnis für die harte Linie – und düpiert damit die eigene Nationalmannschaft.

Ganz München zeigte sich in bunten Farben am Mittwoch. Schon am Hauptbahnhof wurden Fans, die am Abend das EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn verfolgen wollten, mit Regenbogen-Bannern empfangen. Vor dem Münchner Rathaus wehten Fahnen in den Farben der LGBTQI-Bewegung, auch Tram- und Straßenbahnen waren entsprechend geschmückt. Der Stadt gelang es, ein starkes Signal zu senden: ein klares Bekenntnis für Vielfalt und Toleranz, eine entschlossene Verurteilung von sexueller Diskriminierung und Hetero-Normativität.

Jedoch: Die ganz große Bühne, nämlich die Allianz Arena, in ebenjene Regenbogenfarben zu tauchen, blieb München verwehrt. Die Uefa, die bei den EM-Spielen das Hausrecht in der Allianz Arena besitzt, hatte dies mit der Begründung untersagt, das Turnier dürfe nicht als Plattform für politische und religiöse Botschaften missbraucht werden. Der Münchner Stadtrat, dessen Idee die symbolkräftige Beleuchtung der Arena war, hatte offenbar einen taktischen Fehler gemacht und bei der Uefa einen Ausnahmeantrag gestellt mit der Begründung, man wolle sich gerade vor dem Ungarn-Spiel für die Rechte von Lesben und Schwulen stark machen. Das ungarische Parlament hatte kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Bezug aus Homosexualität und Transsexualität einschränkt.

Münchner Stadtrat mit taktischem Fehler

Der Adressat der Regenbogen-Aktion war damit aus Sicht der Uefa klar – es ging darum, der Politik von Ministerpräsident Orbán eine Rüge zu erteilen. Das machte der Uefa ein Verbot leicht. Hätte der Stadtrat allein auf die universellen Werte verwiesen, für die die Regenbogenfarben stehen, wäre die Uefa wohl in Argumentationsnöte geraten.

Aber auch so, ohne ein buntes Münchner Stadion, war die Aktion ein Erfolg. Sie zog weite Kreise in Deutschland. Die Betreiber der Stadien unter anderem in Köln, Düsseldorf, Hamburg, Berlin und Frankfurt solidarisierten sich mit den Münchnern und ließen ihre Arenen in Regenbogenfarben erstrahlen.

Der deutsche Sport hingegen hinterließ ein zwiespältiges Bild. Bundestrainer Joachim Löw und die Nationalmannschaft bekannten sich zu den Werten der LGBTQI-Bewegung. Torwart Manuel Neuer trug auch gegen Ungarn wieder eine vielfarbige Kapitänsbinde. Löw sagte im Vorfeld der Partie, er fände das Aussenden starker Symbole richtig – entscheidend sei aber, dass die propagierten Werte auch gelebt würden. Dies sei im Nationalteam "absolut der Fall".

Koch-Statement sorgt für Befremden

Rainer Koch hingegen, der kommissarische Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, äußerte Verständnis für die abschlägige Entscheidung der Uefa. Bei der geplanten Regenbogen-Beleuchtung handele "sich nicht mehr um ein bloßes Statement im gemeinsamen Kampf gegen jede Form von Diskriminierung, sondern um eine politische Aktion", schrieb er auf Facebook.

Koch ist allerdings nicht unbefangen; er sitzt als Abgesandter des DFB in Uefa-Gremien und bezieht dafür üppige Honorare. Sein verstörender Kommentar diente einzig der Wahrung persönlicher Interessen; dieses Manöver war leicht zu durchschauen.

Für die deutsche Nationalmannschaft muss es bitter sein, von der eigenen Verbandsspitze so düpiert zu werden im Kampf um Offenheit und Toleranz. Doch ausbremsen lässt sich das Team dadurch nicht: Auch im Achtelfinale gegen England am nächsten Dienstag wird Manuel Neuer wieder mit einer Regenbogenbinde auflaufen.


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