EM-Auslosung Absolutes Losglück für Deutschland


Kroatien, Polen und Österreich: So lauten die Gegner für das DFB-Team in der Vorrunde der Europameisterschaft in Gruppe B. Das erste Spiel bestreitet das Team von Bundestrainer Joachim Löw gegen Polen. Eine "Hammergruppe" wurde ebenfalls gelost.

Absolutes Glückslos statt mächtiger Hammergruppe: Deutschland ist den drohenden Topduellen mit Italien, Frankreich und den Niederlanden gerade noch einmal aus dem Weg gegangen und hat für die Vorrunde der Fußball-Europameisterschaft 2008 die mit Abstand leichteste Auslosung erwischt. In der Gruppe B trifft die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw im kommenden Juni in Klagenfurt und Wien auf Kroatien, Polen und Gastgeber Österreich. "Ich bin froh, dass wir nicht in die Gruppe C gekommen sind. Ansonsten sind die anderen Gruppen sehr ausgeglichen. Wir haben gute Chancen, die nächste Runde zu erreichen", sagte Löw, der sich im Kultur- und Kongresszentrum von Luzern am Sonntag wie ein echter Glückspilz fühlen konnte.

Ein Lächeln der Erleichterung huschte bereits über Löws Gesicht, nachdem Frankreichs Ex-Weltmeister Didier Deschamps das DFB-Team aus dem Lostopf gezogen hatte. Frühestens im Endspiel kann es zur Revanche mit Weltmeister Italien kommen, der von Losfee Jürgen Klinsmann zu Frankreich, den Niederlanden und Rumänien in die befürchtete "Todesgruppe" C gezogen wurde. Der Ex-Bundestrainer nahm somit indirekt späte "Rache" für das Aus im WM-Halbfinale gegen die Azzurri. Auch Titelverteidiger Griechenland mit Trainer Otto Rehhagel oder Geheimfavorit Spanien, die mit Schweden und Russland die Gruppe D bilden, bleiben der DFB-Elf mindestens bis zum möglichen Finaleinzug erspart.

"Wir können zufrieden sein"

"Ich denke, wir können sehr zufrieden sein, wenn man die anderen Gruppen sieht. Gegen den Gastgeber zu spielen ist nicht einfach. Die Österreicher haben sicherlich Probleme in der Nationalmannschaft. Sie mussten keine Qualifikation spielen, aber sie haben Heimvorteil", sagte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff.

Einziger deutscher Wermutstropfen sind die relativ weiten Reisen vom EM-Quartier im Schweizer Kanton Tessin zu den Spielorten in Wien und Klagenfurt. Im dortigen für die EM neu gebauten Wörtherseestadion beginnt für Deutschland am 8. Juni (20.45 Uhr) gegen Polen das Unternehmen EM-Titel. Am 12. Juni (18.00 Uhr) kommt es ebenfalls in Klagenfurt gegen Kroatien zum nächsten Vorrundenspiel. Da die Arena in Kärnten nur 30 000 Zuschauern Platz bietet, werden die wenigen Tickets heiß begehrt sein.

Österreich ist letzter Vorunden-Gegner

Österreich ist am 16. Juni (20.45 Uhr) im Wiener Ernst-Happel-Stadion der letzte Gruppengegner. Erstmals seit dem denkwürdigen WM- Spiel 1978 in Cordoba (2:3) ist das Nachbarland Kontrahent bei einem großen Turnier. Auch die beiden anderen Gegner rufen beim DFB-Team Erinnerungen wach. Gegen Polen nahm das Sommermärchen 2006 mit dem späten 1:0-Siegtreffer von Oliver Neuville in Dortmund richtig Fahrt auf. Mit Kroatien ist seit dem WM-Aus im Viertelfinale 1998 in Lyon (0:3) noch eine Rechnung offen. Auf dem Weg zum letzten EM-Sieg 1996 wurden die Kroaten allerdings mit 2:1 im Viertelfinale ausgeschaltet.

Angesichts der relativ kleinen Stolpersteine sollte Deutschland erstmals seit dem EM-Sieg 1996 wieder die Vorrunde überstehen können. Ein Blick voraus verrät den möglichen Weg zum Finale am 29. Juni in Wien: Im Viertelfinale in Wien (als Gruppenerster/20. Juni/20.45 Uhr) oder in Basel (als Gruppenzweiter/19. Juni/20.45 Uhr) käme der Gegner aus der Schweiz, Tschechien, Portugal oder der Türkei. Diese Teams bilden die Gruppe A, in der Co-Gastgeber Schweiz und der deutsche Qualifikationsgegner Tschechien am 7. Juni (18.00 Uhr) das Eröffnungsspiel bestreiten. Im folgenden Halbfinale (26. Juni/20.45 Uhr) in Basel wäre dann wieder ein Vorrundengegner oder eine Mannschaft aus der Gruppe A der Kontrahent des dreifachen Titelträgers Deutschland.

Testspiel gegen Österreich soll stattfinden

Trotz des EM-Duells mit Österreich will Löw an dem geplanten Testspiel gegen das Gastgeberland am 6. Februar in Wien festhalten. Vor der unmittelbaren Turniervorbereitung steht nur noch ein weiterer Test am 26. März in der Schweiz an. Am 19. Mai 2008 wird Löw seine 23 EM-Fahrer zwei Tage nach dem Bundesliga-Finale versammeln und mit ihnen zum gemeinsamen Trainingslager nach Mallorca aufbrechen.

Bis zum EM-Start sind dann nochmals zwei Testspiele geplant, für die Bierhoff nun die Gegner aussuchen kann. "Die Trainer haben schon ein erstes Profil erstellt", sagte Bierhoff. Spätestens am 3. Juni muss der DFB-Tross nach den Uefa-Regularien in seinem EM-Quartier im Hotel Giardino im Schweizer Kanton Tessin am Lago Maggiore eintreffen.

Euro bringt Rekordeinnahmen

Der Fußball-Europameister 2008 erhält neben dem Siegerpokal ein Rekord-Preisgeld von maximal 23 Millionen Euro. Die Uefa erhöhte angesichts der erwarteten Rekordeinnahmen von 1,25 Milliarden Euro die Prämien für die 16 teilnehmenden Nationen auf insgesamt 184 Millionen Euro. Das sind 55 Millionen Euro mehr als bei der EM-Endrunde 2004 in Portugal (129 Millionen Euro).

Die satte Preisgeld-Erhöhung um knapp 30 Prozent dürfte auch bei den noch laufenden Prämienverhandlungen DFB mit den deutschen Nationalspielern eine Rolle spielen. Bis zu 250 000 Euro pro Mann sind als Titelprämie für Kapitän Michael Ballack & Co. im Gespräch. 2004 in Portugal, wo die DFB-Auswahl kläglich in der Vorrunde ausschied, hätte es 100 000 Euro gegeben. Die Rekordsumme von 300 000 Euro hatte Ballack für den knapp verpassten Triumph bei der WM 2006 im eigenen Land ausgehandelt. DFB- Präsident Theo Zwanziger rechnet mit keinen größeren Problemen in den Prämienverhandlungen. "Die Spieler wissen, dass sie gutes Geld bekommen", hatte der Verbandschef vorab erklärt.

Arne Richter und Klaus Bergmann/DPA DPA

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