Jogi Löw vs. Diego Maradona Saubermann trifft Wahnsinn


Am Abend trifft die deutsche Nationalmannschaft auf Argentinien (20.45 Uhr im stern.de-Liveticker). In München kommt es auch zum Duell zwischen Joachim Löw und Diego Armando Maradona, zwei Trainer, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Ein Vergleich von Klaus Bellstedt, München

Ok, Jogi Löw raucht ab und an mal in den Stadionkatakomben heimlich eine Marlboro Lights, aber eine Zigarre auf dem Trainingsplatz? Doch nicht der smarte und nette Herr Löw. Maradona ist weder smart noch nett. Der argentinische Nationaltrainer schert sich einen Dreck um seine Außenwirkung. Er mag auf seine Cohiba auch auf dem Bolzplatz nicht verzichten. Warum auch? "Dieguito" hat keine Kündigungen von Sponsoren zu fürchten - weil er keine persönlichen besitzt. Und in seiner Heimat vergöttern sie ihn sowieso. Maradona kann sich alles leisten. Joachim Löw leistet sich außer der erwähnten Kippe und seinem täglichen Espresso gar nichts. Maradona und Löw - zwei Trainer, die verschiedener kaum sein können. Vor dem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft hat stern.de die beiden Typen verglichen.

Löw und Maradona als Spieler:

Diego Armando Maradona bestieg als Spieler 1986 den Fußball-Thron. Er führte die "Albiceleste" bei der WM in Mexiko zum Titel. Die WM 1986 prägte Maradona wie wohl kein anderer Spieler eine WM zuvor oder danach. Im selben Jahr spielte Joachim Löw mit dem SC Freiburg gegen den Abstieg - in der Zweiten Liga. Im Ausland kickte Löw auch, in der Schweiz bei Schaffhausen und Winterthur. Maradona schnürte unter anderem für den SSC Neapel, den FC Barcelona und Sevilla die Schuhe.

Löw und Maradona als Trainer:

VfB Stuttgart, Fenerbahce Istanbul, Karlsruher SC, Adanspor, FC Tirol (Meister 2002), Austria Wien, Nationalmannschaft (Vizeeuropameister 2008): Als Trainer ist Joachim Löw schon ganz gut herumgekommen. Der Vizetitel von Wien 2008 ist sein bisher größter Erfolg als Übungsleiter einer Fußballmannschaft. Deportivo Textil Mandiyú, Racing Club Avellaneda, argentinische Nationalmannschaft, die Trainerstationen von Maradona sind überschaubar. Erreicht hat Diego als Trainer bisher noch nichts. Doch: die WM-Qualifikation mit Argentinien - wenn auch reichlich holprig. Löw ist längst ein gestandener Trainer, Maradona muss erst noch beweisen, dass er ein Fachmann und Taktikfuchs ist. Derzeit wird er als Experte eher belächelt. Die heimische Presse hasst ihn.

Umgang mit der Öffentlichkeit:

Löw gibt sich stets als perfekter Schwiegersohn. Er IST der perfekte Schwiegersohn. Immer charmant, immer freundlich. Löw schlägt nur selten Autogrammwünsche aus. Maradona ist da eher die Diva. Autogramme gibt es nur bei guter Laune. An vereinbarte Zeiten hält sich die argentinische Legende selten. In München ließ er die Journalisten eine Stunde lang warten. Begründung: Er musste noch eine Dusche nehmen. Maradona beschimpft gern Journalisten, aber auch Fans. Am Montag bekam ein 1860-Fan seinen Zorn zu spüren.

Vergehen:

Wie gesagt: Espresso und Marlboro Lights, dazu eine Tribünenverbannung bei der EM 2008, Löws Laster halten sich in engen Grenzen. Maradonas bizarre Exzesse lassen sich am besten in Stichworten zusammenfassen: Magenverkleinerung, Drogenpartys, Doping während der WM 1994, Schrotflintenangriff auf einen Journalisten, Steuerschulden in Millionenhöhe, vulgäre Aussagen über seine Kritiker und so weiter und so fort. Maradona ist der Wahnsinn auf zwei Beinen. Da kann Bundes-Jogi nicht mithalten.

Werbeverträge:

Löw ist unter anderem Testimonial für Nivea und das freundliche Werbegesicht von Tui. Löw kann im Grunde für alles Werbung machen. Sein Saubermann-Image lässt Werberherzen höher schlagen. Diego taugt aus schon erwähnten Gründen nicht zum PR-Zugpferd. Es bleibt also beim Gerücht, dass Cohiba, Coke sowie Smith and Wesson angefragt haben sollen…

Extras:

Maradona verlangt im Mannschaftshotel der Argentinier nur Gewöhnliches: Wasser, Säfte, Müsli-Riegel. Eine Mini-Bar hat sein Zimmer nicht. Alkohol gibt es im Mandarin Oriental nur an der Bar - in der sich Diego (Stand Mittwoch, sieben Stunden vor dem Anpfiff) nicht blicken ließ. Auch Löw verlangt keine Extrawürste, er fügt sich dem, was von DFB-Koch Stromberg vorgesetzt wird.

Stellenwert des Testspiels:

Das Ergebnis des Testspiels gegen Argentinien ist für Bundestrainer Joachim Löw von großer Bedeutung. Mit einem Sieg kehrt Ruhe ein, die WM-Vorbereitung könnte in ruhigen Bahnen verlaufen. Die sportliche Bedeutung der Partie ist für Löw klar höher. "Es ist extrem wichtig, dass wir so einen starken Gegner vor der WM vor der Brust haben", sagt Löw. Maradona erweckt den Eindruck, als sei es ihm einerlei, gegen wen er mit seiner Startruppe um Leo Messi antritt. Aber der Druck zuhause in Argentinien ist brutal. Es wird erwartet, dass jedes Spiel der "Albiceleste" gewonnen wird. Bei einer deutlichen Niederlage ist es sogar vorstellbar, dass Maradona sofort gefeuert wird. Löw sitzt zumindest bis nach der WM fest im Sattel. Danach hat er seinen Abschied womöglich schon selbst eingeplant. Maradona kann in Südafrika wahrscheinlich "eh" nur der Titel retten. Das ist ihm im Zweifel aber auch wurscht.


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