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Nationalmannschaft: Härtetest in Helsinki

Bundestrainer Joachim Löw hat vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland "Konzentration und Tunnelblick" gefordert. Doch Ablenkung gibt's genug: Der Konflikt zwischen Kapitän Michael Ballack und Teammanager Oliver Bierhoff schwelt weiter - und ein Stürmer macht besonders Probleme.

Nur Finnland zählt: Ungeachtet der nicht endenden Nebengeräusche um Michael Ballack schwört Joachim Löw seinen Kader auf den Härtetest in Helsinki ein. "Jetzt herrschen Konzentration und Tunnelblick", sagte der Bundestrainer vor der zweiten Partie der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der WM- Qualifikation am Mittwoch (20.35 Uhr/ZDF) gegen Finnland.

Mit einer offensiven Spielweise will Löw den erwarteten Finnen-Riegel knacken, um mit einem Sechs-Punkte-Polster den Weg Richtung Südafrika 2010 konsequent fortsetzen. Dem weiter schwelenden Disput zwischen dem verletzten Kapitän Ballack und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff - in den sich mittlerweile auch Franz Beckenbauer mit der Forderung nach einem "Friedensgipfel" eingeschaltet hat - wollte der Chefcoach am Dienstag keinen Raum geben.

"Ich beschäftige mich nur mit dem Spiel und wie wir Finnland schlagen können. Alles andere ist für mich kein Thema. Das kann ich versichern", sagte Löw im regnerischen Helsinki. Statt sich mit dem Bierhoff-Ballack-Thema zu belasten, stärkte Löw demonstrativ dem in der Krise steckenden Ersatz-Spielführer Miroslav Klose den Rücken und verwarf öffentliche Forderungen nach einer schöpferischen Pause für den Münchner. "Dass er im Moment nicht die Form hat, ist uns allen bewusst, aber unser Vertrauen in Miroslav Klose ist groß", sagte Löw.

Löw stärkt Klose demonstrativ den Rücken

Trotz seiner Tor-Flaute soll Klose die DFB-Auswahl nach dem überzeugenden Qualifikations-Auftakt in Lichentenstein (6:0) auch im mit 36.600 Zuschauern vollbesetzten Olympiastadion der finnischen Hauptstadt aufs Feld führen. "Ich glaube, dass ihm Tore gut tun, daran haben Stürmer immer zu knabbern", sagte Löw. Alles deutet daraufhin, dass der Bundestrainer der Startformation von Vaduz wieder sein Vertrauen schenkt. Auch dem Bremer Rechtsverteidiger Clemens Fritz räumte er die Aussicht auf eine weitere Chance ein. "Er war gegen Liechtenstein nicht so präsent. Aber vielleicht bekommt man das bis morgen hin", sagte Löw mit der Hoffnung auf das letzte Training.

Seit Tagen warnt der Bundestrainer eindringlich vor dem finnischen Team, um auch jede Restgefahr zu bannen, dass seine Spieler den einstigen Außenseiter aus dem hohen Norden unterschätzen könnten. "Uns erwartet eine immens schwere Aufgabe. Finnland ist sehr, sehr gut organisiert und beweist seit einigen Jahren große Qualität", sagte Löw und hob besonders die "fast perfekte Organisation" der Defensive um den 91-maligen Auswahlspieler Sami Hyypiä vom FC Liverpool hervor.

Seit 85 Jahren ist die DFB-Auswahl gegen Finnland unbesiegt. Allerdings liegt der letzte Erfolg auch schon fast auf den Tag genau neun Jahre zurück. Die letzten beiden Duelle endeten im Jahr 2001 unentschieden und zwangen Deutschland auf dem Weg zur WM 2002 in die Relegation gegen die Ukraine. Aus dem aktuellen DFB-Kader war nur Klose beim 2:2 im Juni 2001 in Helsinki schon dabei.

Tasci und Westermann in der Innenverteidigung

Für Finnland wird wieder der damalige Doppeltorschütze Mikael Forssell von Hannover 96 stürmen. Diesmal soll er vom neuen deutschen Innenverteidiger-Duo Serdar Tasci/Heiko Westermann gestoppt werden, das nach den erfreulichen Nullnummern gegen Belgien und Liechtenstein vor der ersten größeren Bewährungsprobe steht. Bislang habe man die Aufgaben "solide" erfüllt, sagte Westermann. Aber: "Es wird ein heißes Spiel", betonte der Schalker. Nicht minder selbstbewusst zeigte sich Tasci vor seinem dritten Länderspiel. "Ich habe gezeigt, dass ich zum Team gehöre. Ich bin angekommen", sagte der Stuttgarter, der derzeit Christoph Metzelder aus der Startelf verdrängt hat.

Links von Tasci und Westermann wird Philipp Lahm zum 50. Mal für Deutschland spielen. Vorab bekam der Münchner Jubilar von Löw schon ein Loblied für seine Leistungen in den vergangen Jahren. "Er macht immer weiter, als ob nichts gewesen wäre. Er ist flexibel einsetzbar und auf internationalem Level unglaublich gut. Er zeigt ein Weltklasse-Niveau mit einer Konstanz wie kein anderer Spieler", sagte Löw über den Münchner, der nur einen Wunsch zum Jubiläum äußerte: "Es wäre natürlich schön, wenn wir bei meinem 50. Länderspiel gewinnen."

Arne Richter, Klaus Bergmann/DPA / DPA

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