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Pressestimmen

FC Bayern München: Pläne für Super League: "Mia san mia und die Fans können sehen, wo sie bleiben"

Die deutschen Zeitungen beurteilen die Pläne für eine europäische Super League sehr skeptisch. Einige sehen die Bayern bloßgestellt. Hauptsächlich aber betrachten sie das Vorhaben als Drohkulisse, um die Macht der Klubs zu stärken.

Champions League Finale 2018

"Die Super League existiert bereits": Die Spieler von FC Liverpool, die Schiedsrichter, die Spieler von Real Madrid und die Einlaufkinder vor dem Champions-League-Finale im Mai 2018 in Kiew

DPA

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung " betrachtet die Idee einer Super League als ein nützliches Instrument, die Fußball-Klubs auf Trab zu bringen: 

"Es stellt sich die Frage, weshalb nicht das Veranstaltungsmonopol von Verbänden wie der Uefa oder des Weltfußball-Verbandes Fifa ganz aufgebrochen werden sollte. Mit welchem Recht behindern diese Sportkartelle den Wettbewerb? Die Fifa steht für Mauscheleien, Vetternwirtschaft und Korruption. Es kann nicht gut sein, solche Systeme zu schützen. Sicher gibt es unter dem Dach des Verbandes den Aspekt der Solidarität. So schüttet die Champions League einen Teil ihrer Einnahmen an die Klubs der kleineren Europa League aus. Das Argument ist, dass eine Superliga-Abspaltung die nationalen Ligen und den kleineren Fußball zum Teil hart treffen würde, was auch stimmen könnte. Die besten Ideen und die findigsten Fußballmanager werden durch großflächige Finanzausgleiche aber bestimmt nicht gefördert.

Für Fußball-Deutschland gilt: Will die Bundesliga dem aus ihrer Sicht gefährlichen Trend etwas entgegensetzen, müssten die Vereine in der Vermarktung attraktiver werden, offen sein für mehr Wettbewerb. Der überwiegende Teil des Publikums erwartet doch nichts anderes als Spitzenleistungen und gute Unterhaltung. Dafür sollten die Klubs ihr wirtschaftliches Wachstum forcieren. Biedere Rückwärtsgewandtheit, das Tolerieren von dumpfen Fanexzessen und eine Abschottungsstrategie gegen Investoren werde zwangsläufig zum Abstieg führen. Das Phantom der Superliga ist deshalb auch ein nützliches Schreckgespenst. Es bringt die Branche auf Trab."

Thomas Müller, Joshua Kimmich und Franck Ribéry vom FC Bayern München gehen mit gesenkten Köpfen vom Platz

Die Tagerszeitung "taz" urteilt nüchtern über die Planungen: 

"Die Super League entspringt der simplen marktwirtschaftlichen Denke, das große Schwungrad des Fußballbusiness mit hoher Drehzahl am Laufen zu halten. Wer sich jetzt darüber aufregt, und das tun ja nicht nur Ultras und Fußballtraditionalisten, muss sich fragen lassen, warum Fußballklubs nicht tun sollten, was sämtliche Unternehmen dieser Welt tun: Sie schmieden Pläne für die Zukunft, entwerfen Strategien und schauen drauf, dass Wachstum generiert wird. That’s business!"

"Die Welt" sieht in den Enthüllungen über die Super-League-Pläne einen schweren Image-Schaden für den FC Bayern 

Die neuerlichen Enthüllungen dürften dem FC Bayern so gelegen kommen wie ein Achillessehnenriss vor dem nächste Woche anstehenden Skiurlaub. Der "Spiegel“ hat aufgedeckt, dass sich die Münchner lange Zeit mit einem Ausstieg aus der Bundesliga beschäftigt haben. Sie trieb dabei dem Bericht zufolge auch die Frage um, ob sie ihre Spieler in Zukunft noch für die Nationalmannschaft abstellen müssen.

Frei nach dem Motto: Mia san mia und der Rest ist uns doch wurscht. (...)

Seit Jahren lässt das Gebaren des bayerischen Branchenprimus in der Liga keinen Zweifel daran, dass er sich eher im Kreise von Arsenal sieht, als in der Gegenwart von Augsburg. Nun ist es also auch offiziell dokumentiert. Das hätte auch bedeutet: Mia san mia und die Fans können sehen, wo sie bleiben. Denn von denen war in all der Gier nach noch mehr Millionen keine Rede."

Die "Bild-Zeitung" traut den Beteuerungen des FC Bayern nicht über den Weg: 

"Rummenigge sagt, es sei normal, dass man als Vorstands-Chef alle Optionen durchspielen müsse. Ist das so? Lässt man sich von einem Scheidungsanwalt beraten, wenn man niemals seine Ehe verlassen will? Übrigens: Die Ausstiegs-Idee ist nicht neu. Als 2003 geheime TV-Verträge der Bayern mit der Kirch-Gruppe bekannt wurden und die Liga tobte, konterte Präsident Franz Beckenbauer: "Sollen die mal schauen, wie sie ohne uns weiter machen wollen. Dann spielen wir halt in Italien." Das war damals ein spontaner Spruch, kein juristisch geprüfter...

Immerhin: Rummenigge versichert, die Bayern würden in der Bundesliga und der Champions League bleiben. Von einer bevorstehenden Gründung einer Super League mit 11 Top-Klubs wisse er nichts. Wir verlassen uns auf Ihr Wort, Herr Rummenigge!" Und freuen uns jetzt auf das Super-Duell Dortmund gegen Bayern in unserer Super League der Herzen - der Bundesliga."

Die "Frankfurter Rundschau" sagt, dass eine Art Super League längst schon existiere:

"Die entsprechenden Beteiligten haben einen Ausstieg aus der Liga glaubhaft dementiert, aber man muss schon aufpassen, nicht zu dankbar zu sein. Die Super League existiert ja längst bei genauerem Hinsehen. Die Bayern sind in Deutschland davongeflogen (auch wenn sie in diesem Jahr vielleicht mal nicht Meister werden sollten), die gleiche Entwicklung gibt's überall mit Barçarealjuvemanchester. Die Topteams kriegen viel Geld, aber sie wollen noch mehr. Dass eine Super League, wie auch immer sie aussehen würde, womöglich ja als Alternative zur Champions League, machbar wäre, stärkt die Verhandlungsposition der Klubs gegenüber der Uefa. Denn viel ist nicht genug. Und mehr bald auch nicht mehr."

Das Fußball-Magazin "kicker" sieht im Weltfußball eine neue Statik: 

Als reine Drohgebärde darf man die anhaltenden Gedankenspiele um eine Super League nicht abtun. Denn das Geschäftsmodell ohne Abstieg bedeutet für diese Marken Planungssicherheit und eine noch flüssiger rotierende Gelddruckmaschine, als es die Königsklasse ohnehin schon ist. Hinzu kommt: Während etwa die Premier League und durchaus auch der FC Bayern die nationalen und weite Teile der internationalen Vermarktungsgrenzen im traditionellen System erreicht haben, bedarf es neuer Märkte, etwa in Nordamerika, wo der Betrieb anderen Gewohnheiten und Gesetzen folgt.

Wer bracht die Verbände? Fifa - siehe die Pläne für eine neue Klub-WM - und Uefa erwächst Konkurrenz von privaten Veranstaltern. Die Top-Fußball-Unternehmen streben dahin, wo am Ende des Tages der meiste Profit zu erwirtschaften ist. Die Frage, wem der Fußball gehört, bekommt dadurch eine neue Antwortmöglichkeit. Dem Weltfußball droht damit eine neue Statik, in der Amateurvereine oder Fans endgültig nicht mehr an erster Stelle stünden."

Die "Süddeutsche Zeitung" entlarvt die Pläne als Verhandlungstrick der Vereine: 

"Man muss den beiden also schon eine Frontal-Lüge unterstellen, um weiter an eine Bundesliga ohne Bayern und Dortmund in naher Zukunft zu glauben. Eine Loslösung einzelner Klubs aus den nationalen Ligen scheint auch deshalb unwahrscheinlich, weil dann ja auch die Premier-League-Klubs mitmachen müssten. Die haben aber auf der Insel eine Erfolgs-Liga, die Milliarden abwirft. Warum sollte man also zwei funktionierende Ligen (Premier League und Champions League) gegen eine ominöse Super-Liga tauschen?

Die Drohkulisse Super-Liga ist vielmehr ein alter Verhandlungstrick der Vereine, um der Uefa zu zeigen, wie viel Macht sie haben. Bei der letzten Verhandlung zum Zyklus 2018 bis 2021 hat das dazu geführt, dass die vier großen Ligen (Spanien, England, Italien und Deutschland) vier feste Champions-League-Startplätze bekommen. Neue Anstoßzeiten (18.55 Uhr und 21 Uhr) und mehr Fernsehgeld gab es auch - und die Einnahmen wurden neu verteilt. Rummenigge betont in Interviews immer wieder, als ECA-Vorsitzender auch für kleinere Klubs mehr Geld rausgeholt zu haben (was stimmt), muss aber auch zugeben, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht."

tis

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