HOME

Trainerkarussell: "Verrohung der Sitten"

Haltlose Treueschwüre, fragwürdige Ultimaten, frustrierte Trainer - in der Fußball-Bundesliga geht es weiter drunter und drüber. Bochums Trainer Neururer beklagt eine allgemeine "Verrohung der Sitten".

Haltlose Treueschwüre, fragwürdige Ultimaten, frustrierte Trainer - in der Fußball-Bundesliga geht es weiter drunter und drüber. Obwohl bereits vier Fußballlehrer binnen fünf Wochen ihre Sitze räumen mussten, dreht sich das Karussell unaufhörlich weiter. So dürfte der am Donnerstag beim 1. FC Köln gescheiterte Friedhelm Funkel nicht der letzte Coach gewesen sein, der schon vor der Winterpause gehen musste. "Das ist eine Verrohung der Sitten", klagte Bochums Trainer Peter Neururer vor dem 11. Spieltag in der "Süddeutschen Zeitung" :"Welchen Schaden erleidet das Berufsbild, wenn Trainer öffentlich so an die Wand genagelt werden?"

Hertha: Nach dem Ultimatum ist vor dem Ultimatum

Nach der bemerkenswert geräuschlosen Trennung der Kölner Chefetage von Funkel droht weiteren "Leidensgenossen" schon am Wochenende Ungemach. So hat Huub Stevens bei Hertha BSC mit zwei Erfolgen über Hansa Rostock das vieldiskutierte Ultimatum zwar schadlos überstanden, muss aber weiter um seinen Arbeitsplatz bangen. Eine Niederlage beim VfL Wolfsburg könnte die Diskussion über die sportliche Zukunft des Niederländers wieder aufleben lassen. Auch wenn sie nicht als Ultimatum formuliert werden, stehen die neuen Vorgaben für den Coach längst fest. "Mein Wunsch ist, dass die Mannschaft an die Leistung der letzten beiden Spiele anknüpft. Dann werden sich die Erfolge einstellen, die wir brauchen, um den Anschluss ans Mittelfeld zu finden", meinte Manager Dieter Hoeneß vielsagend.

Welcher Trainer fliegt als nächster?

Rangnick unter Zugzwang

Während Stevens nach dem Doppelschlag in Rostock wieder etwas durchatmen kann, ist die Luft für Ralf Rangnick in Hannover merklich dünner geworden. Fünf sieglose Spiele hintereinander haben den guten Saisonstart vergessen gemacht. Mit einem Megafon versuchte Rangnick vergeblich, die aufgebrachten Fans im Anschluss an die peinliche Pokal-Schlappe im 78. Niedersachsen-Derby bei Eintracht Braunschweig zu beruhigen. Der Treueschwur von Club-Chef Martin Kind am Donnerstagabend, auch im Falle eines Abstiegs weiter an Rangnick festhalten zu wollen, kann in Zeiten wie diesen kaum als wirklicher Vertrauenbeweis gewertet werden. "Damit beschäftige ich mich nicht. Ich weiß, wie ich die Elf anzufassen habe", kommentierte Rangnick die Diskussionen über seine Lage.

Bayern will auf Schalke siegen

Auch beim FC Bayern macht sich nach dem dürftigen Pokal-Auftritt gegen den 1. FC Nürnberg Unmut breit: Mit einem Sieg beim kriselnden FC Schalke 04 soll die schlechte Stimmung vertrieben werden. "Ich freue mich, dass jetzt die Knaller kommen", so Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld voller Hoffnung auf eine deutliche Leistungssteigerung seiner Mannschaft.

Kassandra-Rede des Matthias Sammer

Von einer Vorfreude auf die kommenden Aufgaben kann in Dortmund nicht die Rede sein. Vor den schweren Spielen gegen Hamburg, Sochaux, Bayern München und Bayer Leverkusen sorgte Trainer Matthias Sammer mit einer apokalyptischen Rede für Aufsehen, sprach von "bösem Erwachen", "vielen Gefahren" und drohender "großer Angst". Auf sage und schreibe 13 Profis muss der leidgeprüfte Coach am Sonntag gegen den HSV verzichten. "Das kann keine Mannschaft der Welt verkraften", klagte er nach dem Pokal-Knockout in Mönchengladbach. Mit unverbrauchten Amateurspielern wie Sahr Senesie und Salvatore Gambino will er die drohende Talfahrt abwenden.

Heinz Büse / DPA

Wissenscommunity