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DFB-Mitteilung: Reus fällt für WM aus, Mustafi rückt nach

Die Sorgen um das Bayern-Trio verfliegen, dafür fällt nun Marco Reus für die WM aus. Der DFB teilte mit, dass der BVB-Star nicht mit nach Brasilien fliegt. Für ihn rückt Shkodran Mustafi nach.

Vom Schmerz verzerrtes Gesicht, nur mit Hilfe kann er aufstehen: Marco Reus hat sofort gespürt, dass er sich schwerer verletzt hat

Vom Schmerz verzerrtes Gesicht, nur mit Hilfe kann er aufstehen: Marco Reus hat sofort gespürt, dass er sich schwerer verletzt hat

Als Marco Reus mit schmerzverzerrtem Gesicht gestützt von Doc und Physiotherapeut in die Kabine geleitet wurde, befürchtete Joachim Löw bereits Schlimmstes. Sorgenvoll blickte der Bundestrainer seinem verletzten WM-Hoffnungsträger entgegen, nur zaghaft kamen Marco-Reus-Rufe von den Rängen. Fans und Bundestrainer beschlich am Freitagabend in Mainz bei der am Ende mit 6:1 gewonnenen Weltmeisterschafts-Generalprobe gegen Armenien schon eine bittere Vorahnung, die wenige Stunden später wahr wurde. Reus erlitt einen Teilriss des vorderen Syndesmosebandes oberhalb des linken Sprunggelenks und fällt damit für die WM aus, teilte der DFB am Samstagvormittag offiziell mit. Für den Dortmunder rückt ein Abwehrspieler nach: Shkodran Mustafi.

Reus zeigte sich tief getroffen von seinem Aus. "Ich weiß wirklich nicht, wie ich das in Worten ausdrücken soll, was ich gerade empfinde", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Ein Traum ist von einer zur anderen Sekunde geplatzt. Ich muss jetzt aber auch nach vorne schauen, meine Reha ganz professionell angehen, denn es muss weitergehen. Ich komme noch stärker zurück, als ich war. Meine beste Wünsche gelten jetzt der Mannschaft und dem ganzen Team, dass sie unser Ziel auch ohne mich erreichen."

Bundestrainer Löw gab unumwunden zu, wie hart der Ausfall des Dortmunders das DFB-Team trifft. "Für ihn und für uns ist dies extrem bedauerlich. Marco war super drauf, er hat im Trainingslager und in den beiden Spielen gegen Kamerun und Armenien einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, hat vor Spielfreude gesprüht. In unseren Überlegungen für Brasilien hat er eine zentrale Rolle gespielt." Experten hatten Reus sogar zugetraut, der Star der WM zu werden. Nun soll der 25-Jährige in Dortmund konservativ behandelt werden. Wieder ins Training einsteigen kann er voraussichtlich erst in sechs bis sieben Wochen, heißt es.

Wie weit kommt Deutschland bei der WM?

"Er war ein Waffe"

Kurz vor der Pause (44. Minute) hatte Artak Jedigarjan den Dortmunder am Fuß getroffen, Reus blieb zusammengekrümmt auf dem Rasen liegen. Schnell waren Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Physiotherapeut Klaus Eder auf das Spielfeld geeilt. Nach einem kurzen Blick auf den Patienten gaben sie ebenso rasch das Signal zum Wechsel, der später starke Lukas Podolski kam in der Nachspielzeit der ersten Spielhälfte in die Partie. Für Reus ging es dagegen in die Mainzer Uniklinik zur Kernspintomographie.

"Es ist bitter für uns und natürlich für ihn. Er war eine Waffe. Er kann Freistöße schießen, ist beweglich", hatte Kollege Miroslav Klose schon unmittelbar nach dem Abpfiff zur schwerwiegenden Verletzung von Reus geäußert. "Es gab keine Schuld, es war kein überhartes Foulspiel oder unfaires Spiel vom Gegner. Es war ein Zweikampf, wie er immer wieder passiert im Spiel", sagte der wie die Spieler geknickte Löw.

Löw stärkt die Defensive

Wie wichtig der Instinktfußballer für das deutsche Spiel ist, zeigte er auch am Freitagabend. Ballsicher, dribbelstark, ideenreich: Nur beim Torabschluss war er nicht effektiv genug. Nach Pass von Thomas Müller (13. Minute) tunnelte der Dortmunder Armeniens Keeper Roman Beresowski, doch der Ball wurde noch kurz vor der Linie geklärt. Die einzige gefährliche Ecke in der ersten Spielhälfte schlug ebenfalls der seit einer Woche 25-Jährige. Jérome Boatengs Kopfball ging aber knapp an Armeniens Tor vorbei. Erneut nach feinem Zuspiel von Müller ließ Reus nur eine Minute später eine weitere Großchance aus.

Überraschenderweise nominierte der Bundestrainer am Sonntag aber keinen offensiven Spieler nach, sondern verstärkte die Defensive, indem er Shkodran Mustafi, den Innenverteidiger von Sampdoria Genua, in den WM-Kader berief. "Es ging uns nicht darum, Marco Reus eins zu eins zu ersetzen. Unsere Qualität auf der Position hinter den Spitzen ist sehr hoch, hier haben wir mit Lukas Podolski, André Schürrle, Mario Götze, Thomas Müller, Mesut Özil, Julian Draxler und Toni Kroos genügend Alternativen", erläutert Löw in einer Mitteilung des DFB seine Entscheidung. "Deswegen haben wir uns für eine weitere Option für den Defensivbereich entschieden. Shkodran hat uns im Trainingslager überzeugt, er ist fit, wir haben Vertrauen in ihn. Wir wissen, dass wir uns auf ihn zu 100 Prozent verlassen können."

Mustafi erreichte die Nachricht "auf dem Weg nach Hause" per Handy. "Es tut mir sehr leid für Marco, aber ich freue mich natürlich, dass ich dabei sein kann", sagte Mustafi. Er hatte im Trainingslager in Südtirol als Mitglied des vorläufigen Kaders teilgenommen, war dann aber nicht in das 23-köpfige WM-Aufgebot berufen worden. "Ich habe meine Zeit gebraucht, um zur Ruhe zu kommen. Aber man achtet schon darauf, dass man fit bleibt", berichtete Mustafi über die Zeit danach.

Unverständnis bei vielen Fans

In den internationalen und den sozialen Medien verbreitet sich die Nachricht von Reus' WM-Aus naturgemäß schnell. Überall herrscht Bedauern.

Mit Blick auf 2010, als Michael Ballack sich ebenfalls kurz vor dem Turnier einen Syndesmose- und Innenbandriss zugezogen hatte und auf die WM verzichten musste, sprechen einige auch von einem "Ballack-Moment". Viel Kritik gibt es im Netz für den Bundestrainer. Jogi Löws Entscheidung, einen defensiven Spieler nachzunominieren, stößt vielfach auf Unverständnis:

dho/mit DPA

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