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Rückkehr aus Katar Kein Wort mehr zum Desaster: die stille Ankunft der DFB-Stars in Deutschland

Keine Wort mehr zum vermaledeiten WM-Desaster: Manuel Neuer kommt in München an
Keine Wort mehr zum vermaledeiten WM-Desaster: Manuel Neuer verlässt den Franz-Josef-Strauß-Flughafen vor den Toren Münchens
© Lennart Preiss / DPA
Still und leise ist die deutsche Nationalelf nach Deutschland zurückgekehrt. Statements gab kein Spieler mehr ab. Zu schwer lastet die WM-Enttäuschung auf der Mannschaft.

Gegen 18.15 Uhr Ortszeit war es soweit: Die Lufthansa-Maschine mit der deutschen Nationalmannschaft an Bord landete für einen Zwischenstopp auf dem Franz-Josef-Strauß-Flughafen in München. DFB-Direktor Oliver Bierhoff, die meisten Bayern-Spieler, der Leipziger David Raum und Antonio Rüdiger von Real Madrid verließen den Flieger. Andere flogen weiter nach Frankfurt oder hatten sich bereits in Doha in den Urlaub verabschiedet.

Es war eine stille Ankunft. Reden wollte keiner. Abwehrspieler Antonio Rüdiger verließ im dunkelblauen Sakko als Erster den sogenannten VIP-Wing am Flughafen und stieg direkt in die wartende Limousine. Er schwieg eisern und mit finsterer Miene genauso wie Manuel Neuer, Bierhoff oder die anderen.

Was sollten sie nach dem blamablen Ausscheiden nach der Vorrunde bei der Weltmeisterschaft in Katar auch sagen? Nur der redselige Thomas Müller ließ sich zu einem knappen Statement hinreißen. "Geht mir medium", sagte der 33 Jahre alte Offensivspieler, dessen Leistungen in Katar weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren. Müller deutete schon unmittelbar nach dem WM-Aus seinen Abschied aus der Nationalelf an. Das war es aber auch. Für die Nationalspieler gilt, dass Geschehene erst einmal zu verarbeiten. Noch sind die negativen Ereignisse der vergangenen Tage zu frisch im Gedächtnis. 

Die Stimmung ist bleiern

Es wird mutmaßlich einige Zeit dauern, bis sich die bleierne Stimmung um die Nationalelf verflüchtigen wird. Das hängt davon ab, wie die DFB-Führung und Bundestrainer Hansi Flick mit dem erneuten Rückschlag umgehen. In der kommenden Woche will sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf mit Flick, Bierhoff und DFB-Vize Hans-Joachim Watzke zusammensetzen, um sich von den Verantwortlichen die Gründe für das frühe Scheitern anzuhören. Neuendorf und Watzke werden auch wissen wollen, wie es weitergeht und Flick die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur führen will. In 18 Monaten beginnt die Europameisterschaft im eigenen Land.

Flick und Bierhoff werden Antworten liefern müssen, zu desaströs war das Scheitern beim Wüsten-Turnier. Insbesondere Flick hat ganz offensichtlich zu viele Fehler gemacht: Der Bundestrainer hat seit seinem Amtsantritt vor anderthalb Jahren keinen feste Formation gefunden. Die Ergebnisse im Vorfeld der WM waren schwach, die mangelnde Chancenverwertung und die instabile Defensive sind Dauerprobleme, die er bislang in keinster Weise in den Griff bekommen hat. Sein Festhalten an Thomas Müller und seine misslungene Aufstellung im ersten WM-Gruppenspiel werden ebenfalls Thema sein.

Serge Gnabry hat eine ernste Miene aufgesetzt, als er das Flughafen-Gebäude in München verlässt
Serge Gnabry hat eine ernste Miene aufgesetzt, als er das Flughafen-Gebäude in München verlässt
© Lennart Preiss / DPA

Auch Bierhoff muss sich begründen

Viel Kritik richtet sich auch gegen Bierhoff und den DFB selbst. In der Debatte um die One-Love-Armbinde machte der Verband keine gute Figur; die Vorbereitung auf die WM und die Auswahl des abgeschiedenen Mannschaftsquartiers wirken im Nachhinein unglücklich. Bierhoff hat mit seiner missratenen Image-Kampagne ("Die Mannschaft") viel dazu beigetragen, dass die Nationalelf Fans verloren hat.

Es sind zahlreiche Punkte zu klären. Ob Flick und Bierhoff ihre Jobs behalten werden, ist nicht sicher. Denn die Kritik wird sich verstärken, wenn sich die erste Enttäuschung gelegt hat und die zurückliegenden Wochen und Monate nüchtern betrachtet werden.

mit DPA

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