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Olympia 2012: Winokurow gewinnt Gold im Straßenrennen

Großer Erfolg für einen Veteranen des Radsports: Alexander Winokurow, der einst Jan Ullrich zur olympischen Goldmedaille verhalf, hat jetzt selber triumphiert. André Greipel war chancenlos.

Ausgerechnet der frühere Dopingsünder Alexander Winokurow hat den britischen Radprofis die fest eingeplante Siegerparty vor dem Buckingham Palace verdorben. Der 38 Jahre alte Kasache, Mitglied einer 32-köpfigen Spitzengruppe, stahl den Gastgebern mit dem Tour-Helden Bradley Wiggins und Weltmeister Mark Cavendish an der Spitze die Show und holte Gold im olympischen Straßenrennen. Nach 250 Kilometern verwies er den Kolumbianer Rigoberto Uran und den Norweger Alexander Kristoff auf die Medaillenränge. Den Briten blieb der Jubel im Halse stecken.

Auch die deutschen Radprofis um den Mitfavoriten André Greipel (Hürth) - er wurde ein der Endabrechnung 27. - hatten sich auf der Verfolgung der prominent besetzten Ausreißer-Formation verrechnet. Trotz vereinter Bemühungen schafften sie es auf den letzten flachen 40 Kilometern nicht, die Ausreißer zu stellen.

Comeback des Dopingsünders

Winokurow, der vor zwölf Jahren in Sydney hinter Jan Ullrich Silber geholt hatte und diesen olympischen Triumph jetzt toppte, als er sich sieben Kilometer vor dem Ziel von den Ausreißern zusammen mit Uran absetzte, hatte zuletzt eine zweijährige Dopingstrafe abgesessen. Außerdem war er beschuldigt worden, seinen Sieg bei Lüttich-Bastogne-Lüttich 2010 "gekauft" zu haben. Der damals Zweitplatzierte Alexander Kolobnew (Russland) bestätigte dies.

Trotz des umstrittenen Siegers war das olympische Rennen - beim Start assistierte vor der Haustür der Queen Prinz Charles - bis zur Entscheidung ein Radsportfest. Niemals zuvor gab es bei einer olympischen Straßenentscheidung eine ähnliche Kulisse. Die Veranstalter sprachen von rund einer Million Zuschauern an der Strecke, die die große Machtdemonstration der britischen Favoriten erleben wollten. Am Ende waren sie ebenso enttäuscht wie die deutschen Anhänger.

Tony Martin muss aufgeben

Der Box-Hill-Anstieg, der neunmal gemeistert werden musste, war der neuralgische Punkt des Rennens. Auf den ersten Runden war meist Tony Martin an der Spitze des Feldes zu sehen. Seine lädierte linke Hand war vier Wochen nach seinem Tour-Sturz, bei dem er sich das Kahnbein gebrochen hatte, leicht bandagiert. Vor dem letzten Anstieg stieg der Zeitfahr-Weltmeister aus, um sich für Mittwoch zu schonen.

Trotz seines Handicaps will er in seiner Spezialdisziplin in den Kampf um die Medaillen eingreifen. "Ich hatte leichte Schmerzen in der Hand, wahrscheinlich wegen der vielen Schlaglöcher. Es war im Hinblick auf Mittwoch besser, auszusteigen", sagte Martin und ließ die Journalisten wissen: "Ihr könnt schreiben: er hat seine Arbeit geleistet."

18 Kilometer vor dem Ziel verschätzte sich Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara bei hohem Tempo in einer Kurve und donnerte in die Absperrung. Der Schweizer verletzte sich an der Hand, was seine Chancen für Mittwoch erheblich mindern könnte.

Andreas Zellmer und Ulrike John/DPA / DPA

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