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Basketball-EM 2005: Deutsche angeschlagen, aber hoch motiviert

Eigentlich sollte das deutsche Basketballteam nach der gelungenen Generalprobe mit Selbstvertrauen in die EM gehen. Doch kurz vor dem Eröffnungsspiel kämpft man mit Verletzungssorgen.

Nach dem Ausscheiden in der Vorrunde bei der Europameisterschaft in Schweden 2003, bei der die deutsche Mannschaft anstelle eines erhofften Höhenflugs eine glatte Bauchlandung hinlegte, soll diesmal alles besser werden. Zwei Jahre nach dem peinlichen "Betriebsunfall" will sich die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes mit Bundestrainer Dirk Bauermann bei den 34. kontinentalen Titelkämpfen vom 16. bis 25. September in Serbien-Montenegro rehabilitieren.

Qualifikation geglückt

Und bislang lief es eigentlich auch ganz gut für die deutschen Riesen. Den letzten Härtetest vor der EM bestanden sie: Vor der eindrucksvollen Kulisse von 10.344 Zuschauern in der Hamburger Color Line Arena gewann das Team von Coach Dirk Bauermann die Partie gegen das stark einzuschätzende Bosnien-Herzegowina mit 74:63. "Phasenweise haben wir gutes Basketball gespielt" sagte NBA-Profi Dirk Nowitzki nach dem Spiel. Auch der Bundestrainer war hoch erfreut über den psychologisch wichtigen Sieg: "Mit einem Erfolg in ein EM-Tunier zu gehen, ist immer positiv".

Nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Steffen Hamann und Stefano Garris erreichte den Coach drei Tage vor dem EM-Auftaktspiel gegen Italien jedoch eine Hiobsbotschaft. Das deutsche Team muss bei der Europameisterschaft ohne Ademola Okulaja auskommen, mit 139 Länderspielen einer der erfahrensten Akteure des Kaders. Er fällt wegen einer Infektion im Knie aus. Das Risiko, den Routinier trotz der langwierigen Verletzung spielen zu lassen war einfach zu groß. "Die Ausfälle sind schon bitter. Aber jammern hilft nicht", kommentierte Dirk Nowitzki das Fehlen Okulajas.

Verantwortung auf Nowitzkis Schultern

"Adi wird uns vor allem beim Rebound fehlen" sagte der 2,13 Meter große NBA-Star, auf dessen Schultern nach dem Ausfall von Okulaja nun noch mehr Verantwortung liegt. Einem weiteren Schlüsselspieler, Marco Pesic dafür, der nach einem Jahr Auszeit wieder mit von der Partie sein wird, kribbelt es schon in den Fingern. Angesprochen auf das Verletzungspech seiner Mannschaft äußerte sich der Sohn des "Europameister-Machers" von 1993 Svetislav Pesic gegenüber stern.de kämpferisch: "Verletzungen gehören einfach dazu - auch während einer EM. Damit müssen wir klar kommen. Wir alle werden versuchen, die Ausfälle zu kompensieren und das Spiel zu gewinnen."

Okulaja fällt für die EM also aus, dafür wird Mithat Demirel am 16. September gegen Angstgegner Italien mit von der Partie sein. Da Pascal Roller auf der Position des Spielmachers jede Entlastung gebrauchen kann, wird der Ex-Berliner, der künftig für Besiktas Istanbul spielen wird, auch dringend gebraucht. Alle hoffen, dass sein operiertes Knie der Belastung standhält.

Sieg gegen die Ukraine ist Pflicht

In der Vorrunde trifft Deutschland auf die Mannschaften aus Italien (16.09.05, 18.00 Uhr), der Ukraine (17.09.05, 21.00 Uhr) und Russland (18.09.05, 21.00 Uhr). Will man nicht als Gruppen-Vierter vorzeitig die Koffer packen musss wenigstens ein Sieg her. Und der ist gegen die Urkaine am wahrscheinlichsten. Die Russen sind da schon stärker einzuschätzen: Nach dem sensationellen deutschen EM-Triumph 1993 sind sie darüber hinaus ganz heiß auf eine späte Final-Revanche. Mit den Italienern wartet auf das DBB-Team gleich zum Auftakt wohl der dickste Brocken. Bis jetzt haben die deutschen Riesen alle EM-Spiele gegen den Olympia-Zweiten verloren. Auch Marko Pesic glaubt, dass es gegen Italien schwierig wird: "Sie sind ein eingespieltes Team, das schon lange zusammenspielt. Dazu kommt, dass sie einen sehr guten Wurf von der Drei-Punkte-Linie haben, genau den müssen wir stoppen."

Auch Nowitzki, Leitwolf der deutschen Aufgebots, misst der Begegnung mit Italien große Bedeutung zu: "Das Auftaktspiel gegen Italien ist entscheidend. Wenn es da läuft, ist alles möglich. Wenn es mehr so dahinplätschert, wird es verdammt schwer." Für Coach Dirk Bauermann ist das Ziel der EM klar. "Wir wollen nicht darüber reden, wer alles nicht hier ist. Auch die Spieler, die hier sind, haben große Qualitäten, um auf so hohem Niveau zu bestehen und allemal gut genug, um eine gute EM zu spielen", so Bauermann, der mit seiner Mannschaft in dem fünf Gehminuten vom Spielort entfernten Mannschafts-Hotel "Serbia" wohnt. Trotz des Verletzungs-Handicaps will er die Schlappe in Schweden jetzt ausbügeln: "Wir wollen die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2006 in Japan schaffen."

Das Aufgebot des Deutschen Basketball Bundes (DBB) für die 34. Basketball-Europameisterschaft der Herren in Serbien-Montenegro:

Stephen Arigbabu (ALBA Berlin/33 Jahre/2,06m/150 Länderspiele/Center), Mithat Demirel (Besiktas Istanbul/27/1,82/60/Aufbau), Patrick Femerling (Panathinaikos Athen/30/2,13/152/Center), Robert Garrett (Navigo Terrano/Italien/28/1,93/61/Aufbau), Demond Greene (ALBA Berlin/26/1,85/27/Aufbau), Robert Maras (CSF Sevilla/Spanien/26/2,15/55/Center), Misan Nikagbatse (Vision Cantu/Italien/23/1,95/58/Aufbau), Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks/NBA/27/2,13/71/Flügel), Marko Pesic (RheinEnergie Köln/28/1,98/90/Aufbau/Flügel), Pascal Roller (Skyliners Frankfurt/28/1,80/64/Aufbau), Sven Schultze (Armani Mailand/Italien/27/2,06/36/Flügel), Denis Wucherer (Telindus Ostende/32/1,95/116/Aufbau/Flügel)

Stefanie Mülheims mit Material von DPA

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