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Handball-EM: Deutschland kassiert Pleite gegen Frankreich

Die deutschen Handballer haben im ersten EM-Hauptrundenspiel gegen Frankreich eine Niederlage kassiert. Zunächst hielt das Team von Bundestrainer Heiner Brand mit dem Weltmeister mit, brach aber nach der Halbzeitpause ein. Die Aufholjagd am Ende kam zu spät.

Kein neues Wunder: Nach einer emotionalen Achterbahn-Fahrt haben die deutschen Handballer bei der EM den Hauptrundenauftakt verloren und die Minimalchance auf das Halbfinale verspielt. Trotz furioser Aufholjagd unterlag der WM-Fünfte am Sonntagabend in Innsbruck dem Olympiasieger und Weltmeister Frankreich mit 22:24 (10:12). Einen Tag nach dem Tod des ehemaligen Team-Kollegen Oleg Velyky spielte der EM-Vierte wieder einmal mit Leidenschaft und Herzblut, aber erfolglos. Bester deutscher Werfer war Torsten Jansen (5/2). Das zweiten Hauptrundenspiel bestreitet die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) am Dienstag (18.15 Uhr im Liveticker von stern.de) gegen Spanien.

"Gegen einen vermeintlich übermächtigen Gegner wie Frankreich haben wir nie aufgegeben und sind fast noch rangekommen. Ich kann den Spielern keinen Vorwurf machen, es fehlt eben noch die internationale Erfahrung", sagte Bundestrainer Heiner Brand unmittelbar nach dem Handball-Krimi. "Wenn man zu viele Fehler macht, ist es schwer zu gewinnen. Vier schnelle Gegentore direkt nach der Halbzeit - das war der Knackpunkt", resümierte Brand, der zu seinem Perspektiv-Team volles Vertrauen hat: "Mit zwei Siegen könnten wir noch sehr gut in der Tabelle aussehen."

Schweigeminute vor Beginn


Mit einer Schweigeminute vor Spielbeginn hatten die Teams und die 8200 Zuschauer in der ausverkauften Olympiahalle des am Vortag verstorbenen Oleg Velyky gedacht. Die deutschen Spieler hatten zudem wie angekündigt am linken Arm einen Trauerflor angelegt, um so an ihren ehemaligen Mitspieler zu erinnern. Der gebürtige Ukrainer, der in der Bundesliga zuletzt für den HSV Hamburg gespielt hatte, war am Samstag in Kiew im Alter von nur 32 Jahren an Krebs gestorben. "Er war unser Freund. Wir werden versuchen, den Kopf frei zu bekommen und auch für ihn zu spielen", hatte Kapitän Michael Kraus versprochen.

Die kurze Trauerzeit schien die deutsche Mannschaft noch enger zusammengeschweißt zu haben. Mit großem Engagement und Einsatz stürzte sich der WM-Fünfte in das 67. Duell mit dem Olympiasieger und Weltmeister. Vor allem in der Defensive bot die DHB-Auswahl eine Glanzleistung. So eroberte sie Bälle und wandelte unter anderem durch zwei Kontertore einen 2:4-Rückstand (10.) in eine 6:4-Führung (14.) um.

Fortan entwickelte sich eine packende Partie zweier gleichwertiger Teams. Frankreich kam mit 7:6 (18.) zurück, die deutsche Mannschaft glich beim 9:9 (24.) wieder aus. Dann aber häuften sich wie schon so oft in diesem Turnier die Fehler im Angriffsspiel des EM- Vierten, der sich dadurch um den Lohn seiner intensiven Abwehrarbeit brachte. Bis zur Pause geriet die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand mit 10:12 ins Hintertreffen.

Nach Wiederanpfiff völlig von der Rolle


Nach Wiederanpfiff geriet der WM-Fünfte völlig von der Rolle. Ohne Ideen und Durchschlagskraft gingen im Angriff reihenweise Bälle verloren. Fünf torlose Minuten nutzten die Franzosen gnadenlos aus und zogen mit fünf Treffern hintereinander auf 17:10 (35.) davon. Danach brachte Brand den erst am Vortag nachnominierten Martin Strobel, der mehr System und Ordnung in die Offensive bringen sollte.

Der 23-jährige Lemgoer, für den dessen Club-Kollege Carsten Lichtlein als dritter Torhüter die EM verließ, mühte sich redlich, aber erfolglos. Denn weiterhin trafen er und seine Teamkollegen das von Welthandballer Thierry Omeyer (Kiel) gehütete Tor der Franzosen trotz klarer Chancen nicht. Nach dem 15:22 (49.) setzte die deutsche Mannschaft einmal mehr zu einer ihrer mitreißenden Aufholjagden an. Mit der in den Spielen zuvor gezeigten Leidenschaft kam sie Tor um Tor bis auf 20:22 (54.) heran. Doch zu einem Wunder reichte es nicht mehr.

Die Partie gegen Frankreich zum Nachlesen im Liveticker gibt es auf der nächsten Seite.

Minute 60: Schade, das war's. Am Ende hat es nicht mehr gereicht. Das Spiel endet 22:24.

Minute 58:

Die Franzosen haben immer noch einen Zwei-Tore-Vorsprung. Die Sekunden laufen.

Minute 56:

Toto Jansen vergibt einen Siebenmeter. Aber im Gegenzug hält auch Silvio Heinevetter einen. Es bleibt nervenaufreibend. Die Franzosen lassen sich viel Zeit.

Minute 54:

Was ist denn hier los? Das ist der Wahnsinn. Die Deutschen kämpfen sich noch einmal ran. Es steht 20:22. Wieder einmal ein echter Handball-Thriller in Innsbruck.

Minute 52:

Frankreich leistet sich jetzt wieder mehr Fehlwürfe. Es gibt Siebenmeter. Der Vorsprung schmilzt auf vier Tore.

Minute 47:

Die Franzosen um Superstar Karabatic halten den Vorsprung konstant hoch. Im Moment sind es 13 Minuten vor Schluss sechs Tore. Eines scheint klar: Der Weltmeister ist eine Klasse besser als das Team von Heiner Brand. Vor allem im Abschluss hapert es.

Minute 45:

Das Spiel ist für die Deutschen kaum noch zu gewinnen. Es steht 14:20.

Minute 42:

Jetzt kochen die Emotionen hoch. Heinevetter hält den ersten Siebenmeter. Aber Roggisch und Joli bekommen eine Zeitstrafe, weil sie danach aneinander geraten. Roggisch protestiert heftig.

Minute 42:

Der Vorsprung beträgt immer noch sechs Tore.

Minute 36:

Die Deutschen haben den Beginn der zweiten Halbzeit komplett verpennt. Die Franzosen ziehen auf 11:17 davon. War es das schon?

Minute 32:

Vorsicht. Jetzt steht es schon 10:15. Verdammt. Die Deutschen Treffer nicht mehr, die Franzosen sind dagegen zielsicher.

Minute 31:

Es geht weiter. Mimi Kraus ist wieder dabei. Trotz eines Schlags auf die Nase.

Minute 30: Schade. Ein Konter der Deutschen führt nicht zum Ausgleich. Noch ist alles drin für uns. Die Franzosen spielen keineswegs überragend. Die Frage bleibt, ob Kapitän Mimi Kraus in der zweiten Halbzeit noch einmal reinkommt. Es steht 10:12.

Minute 26:

Der dritte Siebenmeter für Frankreich. Joli verwandelt zum 9:11

Minute 24:

Bundestrainer Heiner Brand nimmt eine Auszeit.

Minute 24:

Glandorf schafft den Ausgleich: 9:9.

Minute 20:

Jetzt drehen die Franzosen langsam auf. Es steht 7:9. Trotzdem: Die Deutschen bleiben dran. Die Fans machen Stimmung.

Minute 16:

Zwei-Minuten-Strafe für die Deutschen. Unser Keeper Bitter pariert einen Wurf von Superstar Karabatic. Aber am Ende nutzen die Franzosen die Unterzahl um auszugleichen. 6:6

Minute 14:

Führung für Deutschland. Es steht 6:4. Kaufmann und Springer treffen. Die Franzosen nehmen sehr früh die erste Auszeit.

Minute 13:

Wieder Jansen. Ausgleich zum 4:4. Auch in der Abwehr stehen die DHB-Jungs bis jetzt sehr gut.

Minute 11:

Siebenmeter für Deutschland. Toto Jansen verwandelt sicher, aber Keeper Omeyer schimpft schon wieder, weil der Hamburger angeblich wieder auf den Kopf gezielt hat.

Minute 9:

Während Michael Kraus am Spielfeldrand behandelt wird, ziehen die Franzosen auf 4:2 davon.

Minute 6:

Geschafft. Mimi Kraus wirft den ersten Treffer für die Deutschen. 1:1.

Minute 4:

Oje. Toto Jansen springt in den Kreis und zieht voll ab. Frankreichs Keeper Omeyer bekommt den Ball frontal auf die Nase. Der Franzose ist sauer. Zu Recht!

Minute 3:

Der erste Angriff der Franzosen führt gleich zum Erfolg. Bosquet trifft zum 1:0.

Minute 1:

Der erste Torwurf von Holger Glandorf klatscht leider nur an den Pfosten. Schade.

Minute 1:

Das Schiedsrichter-Gespann pfeift die Partie an.

Vor dem Spiel


Vor der Partie in Innsbruck findet eine Gedenkminute für den an Krebs verstorbenen Handballer Oleg Velyky statt. Danach werden die Nationalhymnen gespielt.

Vorbericht


Bundestrainer Heiner Brand hat für die Hauptrunde bei der Handball-EM in Österreich Martin Strobel vom TBV Lemgo nachnominiert. Damit reagierte er einen Tag vor dem Hauptrunden-Auftakt an diesem Sonntag gegen Olympiasieger Frankreich auf eine Blessur von Spielmacher Michael Kraus. "Er hat eine Verletzung am Oberschenkel und es hat die Gefahr bestanden, dass er ausfallen könnte. Deswegen mussten wir in diesem Bereich reagieren", sagte Brand am Samstag im Mannschafts-Hotel Grauer Bär in Innsbruck.

Kraus hatte sich beim 30:29-Vorrundenerfolg gegen Schweden eine Verhärtung im rechten Oberschenkel zugezogen, gab aber Entwarnung. "Ich bin sehr optimitisch, dass ich spielen kann", sagte der Kapitän. Auch Brand baut auf den Lemgoer. "Ich gehe davon aus, dass er spielen kann. Aber wir mussten uns absichern. Das Risiko war zu groß", erklärte er. Strobel vom Kraus-Club Lemgo war wegen nicht ausreichender Form ursprünglich nicht für den EM-Kader berücksichtigt worden.

Wegen der Nachnominierung des 23-Jährigen wird Torhüter Carsten Lichtlein auch in der Hauptrunde nicht zum Einsatz kommen, da Strobel als 16. Spieler für das Turnier gemeldet worden ist. "Für ihn tut es mir leid. Ich wollte ihn eigentlich nachnominieren", sagte der Bundestrainer. Lichtlein sei in der Vorbereitung ebenso gut gewesen wie die beiden anderen Schlussleute Johannes Bitter (Hamburg) und Silvio Heinevetter (Berlin). "Deswegen wollte ich ihm eine Chance geben. Nun kann ich das wieder nicht tun", sagte Brand.

Trotz der Trauer um den in der Nacht von Freitag zu Samstag verstorbenen Nationalspieler Oleg Velyky will der Bundestrainer seine Spieler weitgehend normal auf den Hauptrunden-Auftakt vorbereiten. "Wir werden ein Training machen und Videos ansehen", erklärte er. Gegen den Olympiasieger und Weltmeister sieht er seine Mannschaft nur in der Außenseiter. "Wir sind nicht der Top-Favorit in der Gruppe", sagte der Bundestrainer. Im bislang letzten von 66 Länderspielen hatte die deutsche Mannschaft im "kleinen Finale" der EM 2008 gegen die Franzosen ein 26:36-Debakel erlitten.

Martin Kloth/DPA / DPA

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