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Handball: Olympia und Halbfinale - So kommt Deutschland weiter

Den ersten Matchball hat die DHB-Auswahl gegen Dänemark vergeben, gegen Polen gibt es eine zweite Chance, sich für das EM-Halbfinale zu qualifizieren und den Traum von Olympia am Leben zu erhalten. Ein Sieg würde alle Probleme lösen, andernfalls drohen komplizierte Rechenspiele.

Deutschland hat bei der EM in Serbien schon in der Hauptrunde ein erstes Endspiel gegen Polen. Nach der ausgelassenen Chance gegen Dänemark geht es für die DHB-Auswahl nicht nur um den Sprung ins Halbfinale, sondern auch um eines der begehrten Tickets für eines der drei Qualifikationsturniere für die Olympischen Spiele in London.

Die Rechnung für die Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger kann denkbar einfach sein. Mit einem Sieg gegen Polen steht Deutschland auf jeden Fall in der Runde der letzten Vier und bliebe auch im Rennen um ein Olympia-Ticket. Womöglich wäre auch da schon eine Entscheidung gefallen, aber das hängt noch von weiteren Faktoren ab.

Dänemark könnte profitieren

Serbien hat bereits das Semifinale erreicht, es wird also nur noch ein Platz in der Hauptrundengruppe 2 vergeben. Kompliziert wird es eigentlich nur, wenn die DHB-Auswahl gegen Polen nicht gewinnt. Im Falle eines Unentschieden hätte Deutschland 6:4 Punkte auf dem Konto und müsste auf Schützenhilfe der Schweden hoffen, für die es allerdings um nichts mehr geht.

Die treffen in ihrem letzten Hauptrundenspiel auf Dänemark. Gewinnen die Dänen diese Partie, dann hätten sie ebenfalls 6:4 Punkte, wären wegen des gewonnen direkten Vergleichs allerdings vor Deutschland, ein Remis würde Dänemark in diesem Fall nicht reichen. 

Deutschland darf nicht verlieren

Verliert die DHB-Auswahl gegen Polen, dann ist auch die Halbfinalteilnahme futsch, egal wie die anderen Spiele ausgehen. Polen und Deutschland hätten jeweils 5:5 Punkte und dann muss der direkte Vergleich herangezogen werden. Interessant wäre in diesem Fall noch die Frage was passiert, wenn Dänemark remis gegen Schweden spielt und Mazedonien gegen Serbien gewinnt.

Dann hätten nämlich Polen, Deutschland, Dänemark und Mazedonien allesamt 5:5 Zähler. In diesem Fall würden die in den Spielen untereinander gewonnen Punkte verglichen und dabei schneidet die DHB-Auswahl schlecht ab, denn es würde nur der 24:23-Sieg gegen Mazedonien zählen.

Dänemark hätte Erfolge gegen Deutschland und Mazedonien vorzuweisen, Polen Siege gegen Dänemark und Deutschland. Mazedonien wäre mit einem Erfolg über Polen ebenfalls im Hintertreffen. Auch ohne die Dänen, die im Falle einer Niederlage gegen Schweden bei vier Zählern stehen bleiben würden, zöge Deutschland bei einem Quervergleich mit womöglich punktgleichen Polen und Mazedoniern den Kürzeren – wenngleich auch erst beim Torverhältnis.

Alle drei Teams hätten einen Sieg gegen einen direkten Konkurrenten, weshalb die Tordifferenz in diesen Duellen entscheiden müsste. Da Mazedonien nur mit einem Tor Unterschied gegen Deutschland verloren hat, gleichzeitig aber mit zwei Toren Differenz Polen besiegte, wären die Mannen von Heuberger auf jeden Fall raus, auch wenn man nur mit einem Tor gegen Polen verliert.

Olympia-Ticket ein kompliziertes Unterfangen

Zwei Tickets für die Olympia-Qualifikationsturniere werden noch vergeben. Der Europameister darf sich sogar über die direkte Teilnahme in London freuen. Endgültig Klarheit gibt es womöglich erst nach dem EM-Finale.

Weltmeister Frankreich, Gastgeber Großbritannien, Amerikameister Argentinien und Asienmeister Südkorea sind bereits für Olympia qualifiziert. Der Europameister ist ebenso direkt dabei wie der Afrikameister.

Die Zwei- bis Viertplazierten der letzten WM, Dänemark, Spanien und Schweden dürfen jeweils ein Qualifikationsturnier ausrichten. Kroatien, Island und Ungarn (WM-Ränge fünf bis sieben) sind ebenfalls schon für diese Ausscheidung gesetzt. Holt eine dieser Mannschaften den EM-Titel und damit das direkte Ticket für London, dann rückt Polen als WM-Achter in eines der Quali-Turniere nach. Ausnahme: Weltmeister Frankreich verteidigt den Titel, dann ist der EM-Zweite direkt für London qualifiziert und die anderen beiden Halbfinalisten für ein Turnier.

Ausnahmen bestätigen die Regel 

Bei der EM in Serbien sind noch fünf Teams ohne Ticket für eines der drei Quali-Turniere im Rennen. In der deutschen Gruppe sind das die DHB-Auswahl, Serbien, Polen und Mazedonien, in der anderen Gruppe ist es Slowenien.

Was heißt das für Deutschland? Im Prinzip darf nur eine dieser fünf Mannschaften am Ende vor der DHB-Auswahl landen. Erste Ausnahme: Ein Team ohne Ticket wird Europameister oder verliert das Finale gegen Frankreich und fährt direkt nach London. Zweite Ausnahme: Eine Mannschaft, die bereits einen Platz beim Quali-Turnier sicher hat (Dänemark, Spanien, Schweden, Kroatien, Island oder Ungarn) wird Europameister oder Zweiter hinter Frankreich. Dann würde Polen als WM-Achter zu einem Quali-Turnier nachrücken und dürfte somit bei der EM ebenfalls noch vor Deutschland landen.

Olympiaticket auch ohne Halbfinalteilnahme möglich 

Erreicht Deutschland also das Halbfinale, nimmt das Team definitiv an der Olympia-Ausscheidung teil, wenn aus der Parallelgruppe Slowenien nicht das Halbfinale erreicht. Kommt auch Slowenien ins Halbfinale bleiben die weiteren Ergebnisse abzuwarten.

Wenn Deutschland das Halbfinale verpasst, ist das noch nicht gleichbedeutend mit einem Olympia-Aus. Jedoch ergeben sich je nach weiterem Turnierverlauf zahlreiche Konstellationen. Bei der EM gibt es neben dem Finale noch Spiele um den dritten und fünften Platz. Die weiteren Platzierungen ergeben sich an Hand der Positionen in der Hauptrunde.

sportal.de / sportal

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