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Rennsport-Wunder: Die Rückkehr des Alex Zanardi

Nach seinem schweren Unfall auf dem Lausitzring verlor Alessandro Zanardi beide Beine. Mit dem Sieg beim Tourenwagen-WM-Lauf in Oschersleben ist der behinderte Pilot nun zurück in der Spitze des Rennsports.

Der beinamputierte Alessandro Zanardi hat bei der Tourenwagen-Weltmeisterschaft einen Coup gelandet: Beim 7. WM- Lauf am Sonntag in Oschersleben gewann der Italiener sein erstes Rennen seit dem schweren Unfall am 15. September 2001 auf dem Lausitzring, bei dem er beide Beine verloren hatte. Zanardi wehrte im 14. Wertungslauf vor 41.000 Zuschauern in der Endphase heftige Angriffe von Jörg Müller und Andy Priaulx ab und siegte vor seinen BMW-Markenkollegen. "Das ist antürlich ein magischer Moment für mich. Jahrelang habe ich auf dieses Ziel hingearbeitet", sagte Zanardi glücklich.

Im ersten Lauf hatte sich Europameister Andy Priaulx mit einem Sieg vor dem Seat-Piloten Rickard Rydell und den Schnitzer-BMW- Piloten Jörg und Dirk Müller zurück ins Meisterschaftsrennen gebracht. Alfa-Fahrer Fabrizio Giovanardi rutschte schon früh ins Aus und musste mit Aufhängungs- und Antriebswellenschaden aufgeben. Auch im zweiten Lauf hatte der WM-Dritte Pech. Er kollidierte schon in der zweiten Runde mit dem BMW von Antonio Garcia und rammte frontal in einen Reifenstapel. In der Meisterschaft führt Dirk Müller nun nur noch mit einem Punkt Vorsprung vor Priaulx. Giovanardi fiel auf die dritte Stelle zurück.

Ein Wunder des Rennsports

Der schreckliche Unfall des Alex Zanardi 2001 auf dem Lausitzring hatte das das Leben des stets lockeren Rennfahrers einschneidend veränderte. Die Bilder vom Eurospeedway gingen damals um die Welt und es erscheint wie ein Wunder, dass der ehemalige Formel-1- Teamkollege von Ralf Schumacher bei Williams-BMW seit Oktober 2004 wieder in einem Cockpit sitzen kann.

An jenem 15. September 2001 führte Zanardi das German 500-Rennen der ChampCars auf dem EuroSpeedway an. 13 Runden vor Schluss steuerte er für einen letzten Stopp in die Box. In der Boxenausfahrt schoss sein 1000 PS starker Bolide geradeaus auf die Rennstrecke. Der mit über 300 Stundenkilometern heranbrausende Kanadier Alex Tagliani konnte nicht mehr ausweichen und knallte mit voller Wucht seitlich in Zanardis Auto. Der Reynard zersplitterte förmlich in der Frontpartie. Zanardi wurde in höchster Lebensgefahr in eine Klinik nach Berlin geflogen. Er verlor bei dem Unfall viel Blut und überlebte nur knapp. Nun bekennt er: "Ich fühle mich Deutschland stark verbunden. Man könnte sogar fast sagen, dass ich nach all den Transfusionen nach meinem Unfall mehr deutsches als italienisches Blut in mir habe."

Zanardis Rückkehr ermöglichte das BMW-Team von Roberto Ravaglia. Die Italiener bauten einen BMW 320i, der speziell auf seine Behinderungen ausgerichtet war. Zanardi gibt am Lenkrad Gas und kuppelt über einen Schalthebel. "Es begann mit einem Spaß, jetzt ist es Wirklichkeit", sagte Zanardi dazu. Auf das Bremspedal muss er mit den Prothesen 85 Kilogramm Druck ausüben. "Es ist verrückt, ich spüre sogar meine Füße. Kein Scherz", schilderte Zanardi. "Ein Professor hat mir erklärt, dass das Hirn so reagiert und dass dies keine Seltenheit ist."

ni mit Material von DPA

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