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Tennis Der Rückblick auf das Damen-Jahr 2011


Auch wenn die ganz großen Erfolge noch ausblieben, aus deutscher Sicht hätte das Tennis-Jahr der Damen kaum erfreulicher ablaufen können. Wir erinnern im Rückblick aber auch an das unglaubliche Jahr der Petra Kvitova, das Comeback von Serena Williams und den Rücktritt von Justine Henin.

Das Damen-Tennisjahr 2011 war vor allem aus deutscher Sicht ein höchst erfreuliches – gleich vier Spielerinnen drängen in die Weltspitze und wollen im kommenden Jahr nachlegen. Wir erinnern im Rückblick aber nicht nur an die Leistungen von Andrea Petkovic und Co., es geht auch um ein ganz starkes Comeback, ein episches Match und wir verraten, welche Spielerin in einem Musical verewigt wird.

Hurra, hurra, die Deutschen sind wieder da

Zum deutschen Damen-Team wäre sogar ein eigener Jahresrückblick möglich, denn der DTB konnte sich über das erfolgreichste Jahr seit den Zeiten einer Steffi Graf erfreuen. Auch WTA-Chefin Stacey Allaster nimmt den Aufschwung in einem der größten Märkte mit Zufriedenheit zu Kenntnis. "Das deutsche Tennis ist wieder da. Das ist eine ganz wichtige Feststellung für uns", sagte die gerade bis 2017 im Amt bestätigte Allaster am Rande des Saisonfinals in Istanbul. Doch der Reihe nach:

Angeführt von "Chefin" Andrea Petkovic stand bei allen vier Grand Slam-Turnieren mindestens eine deutsche Spielerin im Viertelfinale, Sabine Lisicki (Wimbledon) und Angelique Kerber (US Open) schafften es sogar ins Halbfinale. Kein Grund zu überbordender Freude? Bis jetzt hat noch keine wirklich große Taten vollbracht?

Solche Gedanken kann nur haben, wer noch immer auf eine zweite Steffi wartet – das werden wir aber womöglich alle nicht mehr erleben. Bereits im September analysierten wir die Chancen der deutschen Damen, 2012 könnte jedenfalls ein noch größeres Jahr werden.

Ausruhen kommt nicht infrage. Julia Görges sagte dem luxemburgischen Volksfreund, dass es in ihrer Saison zwischendurch "noch zu viel Leerlauf" gab und Lisicki gab am Rande des Tournament of Champions in Bali gegenüber Eurosport ihre weiteren Ziele bekannt, sie wolle "ein Grand-Slam-Turnier gewinnen und die Nummer eins der Welt werden". Derzeit stehen mit Petkovic (10), Lisicki (15), Görges (21) und Kerber (32) vier Damen unter den besten 35 der Welt.

Etwas unter ging in der ganzen Euphorie der Einzel-Rücktritt von Anna-Lena Grönefeld. "Das Wichtigste für mich ist, dass ich weiter Spaß habe im Tennis. Den hatte ich die letzten Monate im Einzel nicht mehr", begründete Grönefeld ihre Entscheidung in einem Interview mit dem kicker. Im Doppel wird Grönefeld weiterhin antreten, ob dies dann für eine Nominierung zum Fed Cup reichen wird, ist derzeit noch offen. Chefin Barbara Rittner hat nach diesem Jahr ohnehin die Qual der Wahl.

Junger Freund, große Perspektive

Die Chancen auf große deutsche Erfolge stehen auch deshalb so gut, weil die Weltspitze sehr eng zusammengerückt ist. Oder anders gesagt: Jede kann jede schlagen. Die Zeiten von einer alles überragenden Spielerin sind vorbei. Erstmals seit 2008 triumphierten vier verschiedene Spielerinnen bei den Grand Slam-Turnieren – der Unterschied ist allerdings, dass mit Li Na, Petra Kvitova und Samantha Stosur drei absolute Überraschungen dabei waren.

Alle drei kämpften danach mit Problemen, vor allem die Chinesin spielte ein grauenhaftes zweites Halbjahr. Rechtzeitig die Kurve bekam dagegen Kvitova. Nach ihrem Wimbledon-Sieg kämpfte die 21-jährige Tschechin zunächst gegen ein Formtief an, doch bei den WTA-Championships und auch im Fed Cup-Finale zeigte Kvitova wieder ihr druckvolles Spiel von der Grundlinie, das ihr beide Titel einbrachte und wie ein Versprechen an die Konkurrenz wirkte: Ich werde mich oben festbeißen. Das hofft auch ihr erst 17-jähriger Freund, der in Tschechien ebenfalls als großes Tennis-Talent gilt und sie gerne auf Turniere begleitet.

Und schon sind wir bei Caroline Wozniacki. Die Dänin machte auch immer wieder Schlagzeilen mit ihrer Liaison mit Golfstar Rory McIlroy und wehrte sich am Ende einer kraftraubenden Saison gegen die Vorwürfe, nur eine Nummer eins zweiter Klasse zu sein. Auf ihren fehlenden Grand Slam-Titel angesprochen, sagte Wozniacki während des letzten Turniers in Istanbul: "Ich denke, die Leute wissen schon, wie bedeutend das ist. Jedes kleine Mädchen und jeder kleine Junge weiß, was es heißt, die Nummer eins zu sein."

Wozniacki schaffte es übrigens erstmals seit Justine Henin, zum zweiten Mal in Folge ein Jahr als Weltranglistenerste abzuschließen. Verdient hat sich die 21-Jährige das mit sechs Turniersiegen (Dubai, Indian Wells, Charleston, Brüssel, Copenhagen und New Haven) und einer Statistik von 63:17-Siegen. Kvitova hat aber nur noch einen Rückstand von 115 Punkten – schon Anfang 2012 "droht" die Ablösung.

Ein Match für die Geschichtsbücher

Grand Slam-Geschichte der etwas anderen Art schrieben bei den Australian Open die beiden Routiniers Francesca Schiavone und Svetlana Kuznetsova. Ähnlich wie Nicolas Mahut und John Isner in Wimbledon 2010 fanden die Italienerin und ihre russische Kontrahentin einfach kein Ende und spielten ein episches Tennis-Match.

Nach unglaublichen 4:44 Stunden Spielzeit und einem 6:4, 1:6, 16:14-Erfolg für Schiavone stand es fest – noch nie standen sich zwei Spielerinnen bei einem Grand Slam-Turnier länger gegenüber. "Das ist einer der emotionalsten Momente meines Lebens", sagte die Italienerin nach dem Match.

Das Comeback des Jahres

Zu Beginn des Jahres konnte niemand sagen, ob Serena Williams jemals wieder auf den Tennis-Court zurückfinden würde, geschweige denn an die alte Leistungsstärke würde anknüpfen können. Wenn die Amerikanerin in den Schlagzeilen stand, dann eher mit modischen Themen abseits des Platzes.

Doch Williams, in der Weltrangliste weit zurückgefallen, kämpfte sich zurück und schloss das Jahr auf Position zwölf ab – eine eindrucksvolle Leistung, vor allem wenn man bedenkt, dass wegen einer Lungenembolie zwischenzeitlich sogar Lebensgefahr bestand. Zunächst waren dann auch noch konditionelle Mängel zu erkennen, doch mit den Siegen in Stanford und Toronto sowie dem Finaleinzug bei den US Open gab Williams ein beeindruckendes Lebenszeichen von sich. Zumal ihre Leistungen zeitweise an ihre besten Tage erinnerten – da kann man auch über ihren Ausraster gegen die Schiedsrichterin im Finale von Flushing Meadows hinwegsehen.

So ganz ohne Tennis-ferne Nachrichten geht es bei dem Glamourgirl aber dann doch nicht. Vor wenigen Tagen ging eine Nachricht von TMZ um die Welt, in der berichtet wurde, dass Williams einen Dopingkontrolleur auf ihrer Überwachungskamera für einen Einbrecher hielt, deshalb die Polizei rief und sich schnell in ihren Panic Room verkroch. Die Williams wird aber auch nicht jünger – für Panik sollte bei den Konkurrentinnen vor der nächsten Saison kein Platz sein.

Vom Tenniscourt ins Musical

Sollte Williams, wie übrigens auch ihre Schwester Venus, tatsächlich endgültig den Weg zurück in die Weltspitze finden, könnte es – eben nicht nur aus deutscher Sicht – ein richtig interessantes Jahr werden. Denn mit Kim Clijsters schickt sich eine weitere Grand Slam-Siegerin und Weltranglistenerste an, auf die Tour zurückzukehren. Wie Williams plant Clijsters die Rückkehr in Brisbane, einem Vorbereitungsturnier auf die Australian Open.

Ihr letztes Match bestritt Clijsters im August in Toronto, als sie wegen einer Bauchmuskelverletzung gegen die Chinesin Zheng Jie aufgeben musste und kein Comeback schaffte. Zuvor war sie bereits wegen einer bei der Hochzeit ihres Cousins Tim erlittenen Knöchelverletzung viele Wochen ausgefallen. Auf der Tour halten sich auch hartnäckige Gerüchte, Clijsters käme wegen der vielen Verletzungen und der familiären Verpflichtungen als Mutter gar nicht mehr zurück.

Dann würde 2011 als Jahr der Rücktritte der beiden größten belgischen Tennisspielerinnen aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Denn bekanntlich machte Justine Henin im Januar wegen nachhaltiger Schulterprobleme Schluss. "Die Verletzung ist so schwer, dass ich nicht mehr auf hohem Niveau spielen kann. Ich habe akzeptiert, dass meine Karriere hier und jetzt endgültig endet", ließ Henin damals auf ihrer Internetseite verbreiten.

Henin galt immer als eine der talentiertesten Spielerinnen auf der WTA-Tour, die eben nicht nur über die Dynamik kam sondern mit viel Ballgefühl und variantenreichem Spiel glänzen konnte. Welch eine Popularität Henin in Belgien genießt, zeigt die Meldung, dass das das Leben der 29-Jährigen in einem Musical nachgezeichnet wird.

Marcus Krämer

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