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Bahnstreik beendet: Auch Sonntag fährt nur etwa jeder zweite Zug

Der Streik bei der Deutschen Bahn ist beendet. Die Züge werden jedoch erst am Montag wieder normal fahren. GDL-Chef Weselsky hat indes angekündigt, jetzt auf Verhandlungen statt Streik zu setzen.

Der Streik endete Samstag um 18 Uhr. Zuvor standen die Züge still, so wie dieser Güterzug in München.

Der Streik endete Samstag um 18 Uhr. Zuvor standen die Züge still, so wie dieser Güterzug in München.

+++ 18.08 Uhr: Lokführer beenden Streik bei der Deutschen Bahn +++

Der Streik bei der Deutschen Bahn ist beendet. Die Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) gehen um 18 Uhr wieder an die Arbeit, wie eine Gewerkschaftssprecherin sagt. Beim sechsten Ausstand in der laufenden Tarifrunde hat die GDL im Personenverkehr 64 Stunden gestreikt, im Güterverkehr 75 Stunden. Die Bahn reagierte mit Ersatzfahrplänen, damit noch ein Teil der Züge fährt. Das Angebot ist auch am Sonntag noch eingeschränkt. Eigentlich wollten die Lokführer noch bis Montagfrüh streiken, entschlossen sich dann aber zum vorzeitigen Ende des Arbeitskampfes.

+++ 16.29 Uhr: GDL-Chef Weselsky will verhandeln +++

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) setzt in dem Tarifkonflikt bei der Bahn auf eine Verhandlungslösung. "Wir diskutieren jetzt erstmal nicht über Streiks. Wir warten auf Verhandlungen", sagt GDL-Chef Claus Weselsky in Leipzig. Man erwarte eine Einladung durch die Bahn. Weselsky sagt, er sei bereit zu parallelen Verhandlungen der Bahn mit der GDL und der rivalisierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zur gleichen Zeit und am gleichen Ort. Nach Angaben von Bahn und Gewerkschaft gibt es bisher noch keine Verhandlungstermine.

+++ 15.17 Uhr: Auch am Sonntag fährt nur jeder zweite Fernzug +++

Auch nach dem Streik-Ende wird am Sonntag nur gut jeder zweite Zug im Fernverkehr wieder rollen, teilt die Bahn mit. Auf den bundesweiten Hauptstrecken könnten Fahrgäste rund 60 Prozent des regulären Angebots nutzen. Erst am Montag könne die Rückkehr zum Normalfahrplan erreicht werden, denn die Züge und das dafür benötigte Personal müssten erst wieder an ihre Einsatzorte gelangen. Im Güterverkehr werden die Auswirkungen des Streiks wahrscheinlich noch einige Tage zu spüren sein.

+++ 15.02 Uhr: Bahnchef Grube will keine fahrerlosen Züge +++

Die Bahn geht davon aus, dass der Lokführerstreik ihr einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe verursacht. "Der Schaden beträgt bislang mehr als 100 Millionen Euro und wird sich auch in dieser Größenordnung in unserer Jahresbilanz niederschlagen", sagt Bahnchef Rüdiger Grube der "Bild am Sonntag". "Vom Imageschaden und Vertrauensverlust der DB ganz zu schweigen."

Überlegungen, angesichts der technischen Möglichkeiten auf fahrerlose Züge zu setzen, gebe es jedoch nicht - auch wenn dies technisch möglich sei. "Uns geht es aber darum, dass sich unsere Kunden wohlfühlen und ein optimales Sicherheitsgefühl haben. Darum sind Züge ohne Lokführer für uns derzeit kein Thema", so Grube. "Wir sollten dies nicht unter dem Druck eines Streiks diskutieren und schon gar nicht damit drohen", fügte er hinzu.

+++ 13.10 Uhr: GDL schätzt Streikkosten auf rund 200 Millionen Euro +++

Die Streiks kommen die Bahn aus Sicht der Lokführergewerkschaft GDL inzwischen teurer zu stehen als ihre Tarifforderung. Die bisherigen Ausstände hätten das Unternehmen rund 200 Millionen Euro gekostet, heißt es in Mitteilung der Gewerkschaft. Die Bahn hatte allein für den laufenden sechsten Streik dieser Tarifrunde Summen zwischen 50 und 100 Millionen Euro genannt. Zu den Kosten der von ihr geforderten Tarifordnung mach die GDL keine Angaben. Experten gehen von Kosten in Höhe von 35 Millionen Euro pro Jahr aus.

+++ 13.16 Uhr: Zusätzliche Probleme durch Brandanschläge +++

Zusätzlich zum Streik behindern die Folgen mehrerer Brandanschläge den Zugverkehr in Norddeutschland. Unbekannte hatten in der Nacht in Bremen, Niedersachsen und Brandenburg Feuer in mehreren Kabelschächten gelegt. Reisende müssen sich deshalb bis Sonntagabend auf Zugausfälle und Verspätungen in Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein einstellen, voraussichtlich fahren die Züge in den Regionen erst ab Sonntagabend wieder normal. Bis dahin gilt darum auch nach Streikende der Notfallfahrplan.

In einem Schreiben im Internet bekennen sich Atomkraftgegner zu den Anschlägen. Sie hätten damit auf die Rolle der Bahn bei Castortransporten hinweisen wollen.

+++ 12.50 Uhr: Gabriel fordert Schlichtung +++

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel ruft die Gewerkschaften im Tarifkonflikt der Bahn erneut zu einer Schlichtung auf. Er erwarte, dass eine Gewerkschaft, die mit einem Streik auch volkswirtschaftlichen Schaden verursache, vorher einen Schlichtungsversuch unternehme, so der SPD-Bundesvorsitzende beim Landesparteitag der hessischen SPD.

+++ 10.00 Uhr: GDL droht mit neuen Streiks +++

Sollte es sollte es bei den Verhandlungen mit der Deutschen Bahn keine inhaltlichen Fortschritte geben, werde erneut gestreikt, droht die GDL schon vor Ende des aktuellen Ausstands. "Bisher haben wir noch über nichts Inhaltliches geredet", sagt der GDL-Bezirksvorsitzende von Berlin-Sachsen-Brandenburg, Frank Nachtigall, im rbb. Die Bahn beharre auf der Position, "dass wir nicht für all unsere Mitglieder tarifieren dürfen". Sollte das Unternehmen nicht einlenken, "wird es tatsächlich wieder zu Ausständen kommen".

+++ 8.00 Uhr: Bahn kündigt Pressekonferenz um 14 Uhr an +++

Deutsche Bahn-Konzernsprecher Achim Stauß spricht heute um 14.00 Uhr in Berlin über das geplante Anlaufen des Bahn-Betriebes nach der Beendigung des Streiks. Auch nach dem Ende des Ausstandes müssen sich Reisende auf Verspätungen einstellen.

+++ 7.36 Uhr: Spartengewerkschaften wollen gegen Tarifeinheit klagen ++++

Mehrere Spartengewerkschaften wollen gegen das von der Bundesregierung geplante Gesetz zur Tarifeinheit klagen. Der Deutsche Beamtenbund (DBB), der Dachverband, zu dessen Mitgliedern die Lokführergewerkschaft GDL zählt, hat eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt, den Gang nach Karlsruhe vorzubereiten. Auch der Marburger Bund und die Pi Pilotenvereinigung Cockpit hätten unabhängig voneinander entsprechende Maßnahmen eingeleitet, berichtet die "Wirtschaftswoche". Das Gesetz, das am 3. Dezember im Kabinett beraten wird, legt fest, dass künftig nur der Tarifvertrag der mitgliederstärksten Gewerkschaft in einem Betrieb gilt. Spartengewerkschaften sehen sich dadurch in ihrer Existenz bedroht.

+++ 6.00 Uhr: Lokführer setzen Streik fort ++++

Die Lokführer setzen ihren Streik im Personen- und Güterverkehr auch am Samstag fort. Am Abend will die Gewerkschaft GDL ihren Ausstand aber um 18.00 Uhr vorzeitig beenden. Wie in den Vortagen sei auch am Samstag wieder mit massiven Beeinträchtigungen zu rechnen, so ein Sprecher der Bahn. Im Fernverkehr werde erneut nur ein Drittel der Züge fahren. "Bis 18 Uhr gilt der Ersatzfahrplan."

Der Streik war eigentlich bis Montagfrüh geplant, die GDL verkündete jedoch am Freitag überraschend das vorgezogene Ende als "Versöhnungsgeste" in dem festgefahrenen Tarifkonflikt.

DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters