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Die Höhle der Löwen: Backe, backe, Kuchen - die Löwen ha'm gerufen

In der neunten Folge zeigen sich die Löwen nicht gerade spendabel - nur zwei Gründer können einen Deal machen. Allerdings gibt es eine Premiere in der Sendung - und das bei einem kuriosen Produkt.

Die Höhle der Löwen: Kinderleichte Becherküche und eBall

Die Höhle der Löwen: Kann die "Kinderleichte Becherküche" die Löwen überzeugen?

Es fühlt sich zwar an wie eine Ewigkeit. Dabei ist es gerade einmal zwei Wochen her, dass Ralf Dümmel sein Scheckbuch zückte und in sechs Start-ups in einer Sendung investierte. Damals dümmelte es in der Löwenhöhle. Doch die Zeiten sind vorbei, die Löwen werden knickeriger. Um ihnen Geld aus der Tasche zu leiern, müssen die Ideen überzeugen - doch das schafften in der neunten Folge von "Die Höhle der Löwen" gerade einmal zwei Gründer.

Bartöl von GØLD's bekommt kein Geld 

Dabei gab es gute Ideen. So das Bartöl von GØLD's, das voll auf die Gesichtsbehaarung der urbanen Großstadthipster abzielt. Das ist ja wohl ein Markt, oder was? Nicht unbedingt für Judith Williams, immerhin Beautyexpertin des Löwenrudels. Dass sich Millionen Euro mit Pflegeöl, Birkenholzkämmen und Wildschweinborstenbürsten speziell für Bärte umsetzen lassen, glaubt sie nicht. Dabei wuschelte sie anfangs noch ganz verzückt durch den öl-gepflegten Vorführbart des Models. Viel weicher, urteilt Judith Williams. Und auch der Geruch gefällt ihr. Jochen Schweizer - einziger Bartträger der Jury - wischt sich auch gleich ein paar Tropfen des Öls ins Gesicht. Und auch zur Bürste greift er und striegelt seinen Bart.

Frank Thelen, glatt rasiert, lässt den Spielverderber raushängen: "Wie sind eure Zahlen?", will er wissen. Und die sind gar nicht so schlecht: Rund 29 Euro kostet das Ölfläschchen im Handel, hergestellt wird es für sechs Euro - und die Produktionskosten könnten noch um 49 Prozent gesenkt werden. Doch dafür müssten die drei Gründer mehr verkaufen. Bislang tingeln sie zu dritt über Messen und zu Shops - so kann man natürlich nicht die großen Mengen verkaufen.

"Ich gebe euch recht: Die Bärte explodieren", so Frank Thelen. "Immer mehr Bärte, immer längere Bärte" - das klingt ja fast nach einer Bart-Invasion. "Mich macht das wahnsinnig, wenn die Leute daran rumkraueln", so Thelen weiter. Schnell wird klar: Er mag Bärte eher nicht so gerne - und ist raus. Auch der Ex-Schnauzer-Träger Carsten Maschmeyer, inzwischen bekennender Rasierer, ist nicht interessiert. Doch eine Frage von Ralf Dümmel wird zum Killer - nämlich was die Gründer mit dem Investment von 75.000 Euro anstellen wollen. Statt das Unternehmen voranzutreiben und die Verkäufe zu pushen, wollen sie ihre Produktpalette erweitern. Ein zu zerfasertes Geschäftsmodell, zu wenig Fokus auf das Kernprodukt - das gefällt den Löwen gar nicht. Keiner steigt bei GØLD´s ein.

Geschenke verschicken mit Joidy

Vielleicht haben die Jungs von Joidy mehr Erfolg in der Löwenhöhle. Sie wollen das Verschicken von Geschenken revolutionieren. Zehn Prozent für 200.000 Euro - kein wirkliches Schnäppchen, aber wenn die Geschäftsidee überzeugt - warum nicht? Die Idee der Gründer: Will man jemandem zum Geburtstag oder zur Hochzeit ein Geschenk schicken, gibt es gleich mehrere Probleme: Wie war noch mal die genaue Adresse? Wann muss ich das Paket losschicken, damit es auch pünktlich ankommt? Und: Was soll ich überhaupt verschenken? Auch im 21. Jahrhundert fühlt sich Geschenke machen an wie in den tiefen 1980er Jahren. Oldschool in uncool.

Joidy soll das ändern: Man sucht in der App ein Geschenk aus, spricht eine total lustige Botschaft ein, malt noch auf dem Display eine viel lustigere Karte dazu und schickt das Ganze ab. Der Beschenkte kann sich dann selbst aussuchen, wann und wohin das Präsent geschickt werden soll. "Ihr verdient euch dumm und dämlich damit", meint Frank Thelen. Der muss es ja wissen, ist schließlich der Technik-Guru der Sendung. Doch die Zahlen schocken: Bislang hat die App 1000 Nutzer, der Umsatz liegt bei 1600 Euro. Das ist mager. Und macht Frank Thelen sauer, mal wieder - denn es geht um die Bewertung des Unternehmens. Zwei Millionen Euro soll die Bude mit den 1000 Kunden wert sein - das sieht Thelen anders. Und Ralf Dümmel. Und Carsten Maschmeyer auch. "Ich könnte Ihre Lösung sein", sagt Jochen Schweizer. Er macht in (verschenkbare) Erlebnisse, das könnte doch passen. "Gemeinsam können wir das durch die Decke schießen." Er bietet die geforderten 200.000 Euro, allerdings für 25,1 Prozent - die Hälfte davon als Wandeldarlehen. Das bedeutet, dass Schweizer später das Investment von 100.000 Euro zurückbekommen kann oder in Firmenanteilen ausgezahlt wird. Doch die Gründer lehnen ab, die Bewertung ist ihnen zu schmal.

Für die Löwen gilt: Zzysh und weg

Wenn Frank Thelen die Bewertung von Joidy zu hoch war, stockt ihm bei Zzysh bestimmt der Atem, denn der Gründer Manfred Jüni aus der Schweiz fordert eine saftige Million Euro für zehn Prozent an seiner Idee. Mit Zzysh werden angebrochene Wein- oder Champagnerflaschen mit einer Schutzatmosphäre wieder verschlossen. So soll der Geschmack und die Kohlensäure erhalten bleiben. Produziert wird der Verschluss, den es auch für Lebensmittel (ein bisschen wie Tupperdosen in Hightech) gibt, für rund zehn Euro in Thailand. Der Wein- und Champagnerpfropfen wird für 79 Euro verkauft. Das Design spricht die Löwen an - doch sie finden es teuer. Denn man braucht Kartuschen für den Verschluss und diese halten nur fünf bis sechs Mal - dann muss nachgelegt werden. Fünf neue Kartuschen kosten rund 24 Euro. "Ernsthaft, das ist doch richtiger Blödsinn", urteilt Frank Thelen, dem das ständige Kartuschengewechsel auf den Zeiger geht. 

Doch wirklich problematisch sind die Zahlen: Nur wenige Tausend Stück hat der Gründer zwischen 2013 und 2015 verkauft, in diesem Jahr will er einen Umsatz von 2,5 Million Euro schaffen. Als die Sendung aufgezeichnet wurde, also im Frühjahr, hatte er gerade einmal 40.000 Euro umgesetzt. Und die ganze Bude soll neun Millionen Euro wert sein? Das passt doch alles irgendwie nicht, oder? Der Gründer hält dagegen: Sechs Millionen Euro seien schon investiert worden. Von wem denn? Da zählt er auf: Business Angle, Finanzinvestoren und eine Produktionsfirma halten rund 80 Prozent der Firma, er selbst besitzt gerade noch 20 Prozent. "Gefährlich", urteilen die Löwen - und lassen lieber die Finger von dem Investment.

Gesunde Ernährung - für den Hund

Wenn man eine Geschäftsidee sucht und etwas ganz neues auf den Markt bringen will, muss man heutzutage echt kreativ werden - gibt ja schon alles. Thomas Löbke aus Berlin kann man zumindest nicht Originalität vorwerfen, denn er bietet mit Nutriday ein Nahrungsergänzungsmittel. Für den Hund. Ja, schon klar, das klingt jetzt etwas durchgeknallt. Aber der Gründer will eben den besten Freund des Menschen nicht mit künstlichen Zusätzen vollpumpen, sondern für Fiffy nur das Beste in den Napf füllen. 26 Nährstoffe in Pulverform - das ist seine Idee. 90.000 Euro braucht er und würde sich von 20 Prozent der Firmenanteile trennen. Doch keiner der Löwen beißt an - doch den mitgebrachten Studiohund finden alle klasse. Ist ja auch was.

Familie Wenz kann da schon eher Punkten. Die Erzieherin und Mutter von zwei Kindern hat sich die "Kinderleichte Becherküche" einfallen lassen. Mit diesem Bechersystem und dem dazugehörigen Back- und Kochbuch können auch kleine Kinder schon Teige zusammenrühren - auch wenn sie noch nicht lesen können. Das soll zum einen ihre mathematisches Verständnis von Proportionen schulen, aber natürlich auch zum Umgang mit Lebensmitteln animieren.  Noch sind die Produktionskosten zu hoch - die Marge ist zu gering. Günstiger produzieren, besser verkaufen - das kann vor allem "Mr Regal" Ralf Dümmel. Doch er will mehr für die geforderten 100.000 Euro haben, als Familie Wenz abgeben will. 20 Prozent hatten sie geboten, 30 Prozent fordert Dümmel. Familie Wenz schlägt ein - Deal!

Warum der eBall zur Weltpremiere in "Die Höhle der Löwen" wurde

Die größte Überraschung des Abends bot aber der Programmierer Uli Sambeth, der einen Segway auf eine Kugel gestellt und den eBall erfunden hat. Vorteil dieses neuen Gefährts: Er kann nicht nur vor- und zurückrollen, sondern auch zur Seite. Die aktuelle Version fährt rund zehn Kilometer pro Stunde (km/h) schnell (frühere Roller schafften sogar 20 km/h, doch das war zu schnell). Zweieinhalb Jahre tüftelte Sambeth daran herum - nun präsentiert er im Look eines verrückten Professors. Mit wilden Haaren, weißem Kittel und Pilotenbrille rollt er durchs Studio der Löwen. 500.000 Euro fordert er für 12,5 Prozent. Ganz klarer Fall: Entweder die Jury lacht sich schlapp, alle halten das für eine Schnapsidee und keiner steigt ein - oder die Löwen sind begeistert.

Zunächst erklimmt Frank Thele, immerhin Skater, das Mobil. Und kommt nicht vorwärts. Das lag wohl auch an den Einstellungen des Geräts, räumt der Gründer ein. Als Jochen Schweizer, immerhin Ex-Stuntmen, sich auf den eBall stellt, funktioniert es. Fast geschmeidig bewegt sich der Löwe um Hindernisse und gibt am Ende auch noch mal Vollgas. Test abgeschlossen, Löwe überzeugt?

Nicht wirklich, zuerst steigt Jochen Schweizer aus (die Bewertung ist ihm zu hoch), dann Ralf Dümmel (die Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen). Carsten Maschmeyer ist raus (er fürchtet sich vor den Genehmigungen, die man für das Gefährt braucht) und auch Frank Thelen (zu unsicheres Business). Und Judith Williams? Die ist enttäuscht von ihren Mitlöwen. Sie selber könne kaum an der Entwicklung mitwirken, das sei aber die Kompetenz der Herren nehmen ihr. "Die vier Jungs brauchen sie", sagt sie zum Gründer. Jochen Schweizer macht einen Vorschlag - denn offenbar ist die Investitionssumme von 500.000 Euro für einen Löwen allein zu viel Risiko. Aber jeder von ihnen könnte 100.000 Euro "in den Ring schmeißen", wie Schweizer sagt. Dann bildet das Löwenrudel einen Kreis - es wird diskutiert. Und ein Angebot unterbreitet: Fünf Löwen bieten zusammen 500.000 Euro für 50 Prozent. Und was sagt Uli Sambeth? "Das ist inhaltlich genau, was ich wollte. Ich hatte mit vier Löwen gerechnet nicht mit fünf." Selbstbewusst ist er, der "Revolutinär", wie Maschmeyer ihn nennt. Denn er schafft eine Premiere: Noch nie haben sich alle Löwen mit einem Gründer zusammengetan.

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