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Interview mit "Höhle der Löwen"-Juror Herr Öger und die dritte Staffel


Vural Öger nimmt die "Höhle der Löwen"-Kandidaten ordentlich in die Mangel. Im Interview verrät er, warum er bei einem verschuldeten Gründer trotzdem weich geworden ist - und ob es eine dritte Staffel mit ihm geben wird.
Von Alica Müller

Vor Vural Öger sollten sich die "Höhle der Löwen"-Kandidaten in Acht nehmen. Der 73-Jährige Reiseunternehmer kam mit 18 Jahren aus der Türkei nach Deutschland und ist hier mit seinem Unternehmen mittlerweile zum Marktführer für Türkeireisen geworden. Inzwischen leitet seine Tochter das Reiseunternehmen - und Vural Öger hat Zeit, um die Gründer in der Start-up-Show auf Vox ordentlich auszuquetschen.

In der letzten Sendung haben die Zuschauer den sonst so grimmigen Öger von einer neuen Seite kennengelernt. Der Gründer Murat Akbulut forscht schon seit Jahrzehnten an der perfekten Art, Popcorn wie im Kino zu Hause zu machen. Mittlerweile hat er sie gefunden und ist mit seinem "Pocornloop" in die Produktion eingesteigen. Was Umsätze und Gewinne angeht, sieht es jedoch schwarz aus. Akbulut ist verschuldet, das Unternehmen zum Drehtag nicht mal gegründet. Vural Öger ließ sich trotzdem begeistern - und stieg ein.

Herr Öger, wieso haben Sie in der Sendung am Dienstag in Popcornloop investiert?

Ich glaube vor allem an die Menschen hinter einem Start-up. Das Auftreten des Gründers und seines Teams hat mich überzeugt: Sie hatten weiße Hemden mit roten Fliegen an, haben sehr nett gesprochen – das hat kompetent gewirkt und irgendwie habe ich da Sympathie empfunden. Sie standen sehr hinter ihrem Produkt. Popcorn isst jeder, der ins Kino geht und mit dem Verfahren kann man es auch zu Hause zubereiten. Das Resultat hat sehr gut geschmeckt – also warum nicht?

Normalerweise sind Sie derjenige, der kritisch nach Gewinn und Umsatz fragt. Nun war der Popcornloop-Gründer hoch verschuldet und das Unternehmen nicht mal offiziell gegründet. Wieso haben Sie trotzdem zugeschlagen?

Ich habe ein bisschen Menschenkenntnis. Ich hatte den Eindruck, der Gründer ist ein guter Mensch, der geschäftlich sehr unerfahren ist, aber sein Produkt ist gut und gemeinsam schaffen wir das. Die Chance, mit diesem Produkt Geld zu verdienen, erschien größer als mögliche Verluste. Das waren bisher ganz normale Anfangsverluste. Bei vielen anderen war das anders: Die kamen mit enormen Vorstellungen rein. Die hatten noch gar keine Umsätze gemacht, aber eine Millionenbewertung. Popcornloop war überschaubar und hat sich realistisch bewertet.

Wie ging es dann nach dem Dreh weiter?

Wir haben Gespräche geführt und ich habe gemerkt, dass der Gründer kaufmännisch gesehen sehr, sehr schwach ist. Er brauchte dringend Unterstützung. Deshalb ist meine Projektleiterin Meike Neitz als zweite Geschäftsführerin eingestiegen, um das Kaufmännische zu übernehmen. Der Gründer hatte zwar gute Ideen, war aber zum Beispiel nicht im Stande, Gespräche mit Anwälten zu führen. Deshalb haben wir das übernommen und es läuft ganz gut. Die Firma ist jetzt auch gegründet worden.

Was ist der größte Fehler, den Gründer in Verhandlungen mit Investoren machen können?

Sich zu überschätzen und die Investoren zu unterschätzen. Wenn man sich vorstellt, muss man auf jedes Wort aufpassen. Und man sollte auf keinen Fall überzogene Vorstellungen haben, die jenseits von Gut und Böse sind. Ich hatte mal einen Fall, da kam ein Mann mit Kautabletten an, die Zahnpasta ersetzen sollen. Er hatte seine Firma auf vier Millionen Euro bewertet – ohne jemals Umsatz gemacht zu haben.

Haben Sie schon mal eine Entscheidung aus der Sendung bereut?

Wissen Sie, man macht eine Zusage, aber eine Verpflichtung ist es nicht. Hinterher kann man sich immer noch zurückziehen, wenn es Unstimmigkeiten gibt. Ich hatte immer ausreichend Zeit, die wirtschaftlichen Verhältnisse zu prüfen. Eine Zusage hat also keine Konsequenzen, die ich bereuen könnte.

Ist es schon oft vorgekommen, dass Deals geplatzt sind?
Leider mehrere Male. Da gab es dann schon zerstrittene Investoren, die Geschäftsführer sind hoch verschuldet oder hatten eine begrenzte Lizenz und damit kaum Aussichten auf langfristigen Erfolg. Man kann innerhalb von ein paar Minuten den Menschen nicht genau einschätzen. Bei der Due Diligence kommen noch viele Dinge raus.

Sie haben vor 46 Jahren, da waren Sie 27, Ihr erstes Reisebüro gegründet. Welchen Ratschlag hätten Sie sich am Anfang ihrer Karriere gewünscht?

Ich wünschte, man hätte mir gesagt: Vertraue dir und bringe Fleiß mit. Der beste Wind hilft einem Segelboot nicht, wenn es nicht weiß, in welchen Hafen es will. Man muss sich Ziele setzen und Leidenschaft für das haben, was man macht. Man kann niemanden, der nicht malen kann oder will, zwingen, in die Malschule zu gehen.

Gab es Rückschläge in Ihrer Karriere, wegen denen Sie auch mal an sich gezweifelt haben?

Natürlich, klar. Aber Zweifel an mir hatte ich nicht. Ich weiß aus meiner langen Erfahrung, dass Erfolg und Misserfolg sehr dicht beieinander liegen. Ich glaube, es gibt keinen Unternehmer, der keine Fehler gemacht hat. Nur diejenigen, die daraus lernen, haben Erfolg. 

Welche Fehler haben Sie denn in Ihrem Leben gemacht?

Unser Ausflug nach Frankreich 1997 zum Beispiel. Damals habe ich dort einen Reiseveranstalter gegründet. Das war ein Flopp, ich habe viel Geld verloren. Franzosen fliegen nicht unbedingt an die türkische Südküste und sie wollen auch nicht unbedingt mit den Deutschen Urlaub machen. Die haben selbst schöne Küsten und machen eher Kulturreisen als Pauschalurlaub.

Wieso haben Sie sich entschieden, bei der "Höhle der Löwen" mitzumachen?

Die Produktionsfirma ist an mich herangetreten und ich fand das Konzept interessant. Ich glaube, wir "Löwen" haben auch dazu beigetragen, dass die Start-up-Kultur sich in den letzten zwei Jahren positiv entwickelt hat. Junge Menschen, die sonst keinen Kredit bekommen, haben bei uns die Möglichkeit, ihr Geschäft aufzubauen. Es macht mir Spaß, denen zu helfen. Ich finde die Sendung auch sehr lehrreich und unterhaltsam. Die Aufnahmen haben Spaß gemacht.

Sind Sie bei der dritten Staffel auch dabei?

Wahrscheinlich ja.


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