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6000 Arbeitsplätze in Gefahr Offiziell: Galeria Karstadt Kaufhof schließt 62 Filialen – Sorgen vor Verödung der Innenstädte

Sehen Sie im Video: 62 Filialen von Karstadt-Kaufhof sollen schließen. Bei Deutschlands letztem großen Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof schließt fast jede Dritte Filiale. Für zunächst 62 der insgesamt 172 Warenhäuser sei das Aus besiegelt, teilte Galeria Karstadt Kaufhof am Freitag mit. Symbolisch wurden 62 Kerzen angezündet für die Kollegen der 62 Kaufhäuser, die dichtmachen werden. Marion Keil, Betriebsratmitglied Galeria Kaufhof am Freitag in Darmstadt: "Also, die Gefühle, die sind wirklich am Boden. Wir verlieren unsere Familie. Und Gefühle... Das ist eine Katastrophe. Es ist echt eine Katastrophe, weil da hängt so viel dran. Manche die haben hier, die sind schon seit 40 Jahren dabei. Oder an die 40 Jahre. Und das kriegen wir nun alles genommen. Nur wegen ein bisschen Finanz... Also, ich weiß es nicht. Wir sind nicht schuld, und wir müssen es ausbaden. Und das finde ich natürlich, das ist zum Kotzen. Ganz ehrlich. Und ich will hoffen, dass es gut für uns ausgeht heute." Die Schließungen sind Teil eines Sanierungsplans der in der Corona-Krise um ihr Überleben kämpfenden Kette. Zudem stehen Insidern zufolge auch noch 20 Filialen des Tochterunternehmens Karstadt Sports auf der Kippe. Dem Konzern sind in der Corona-Krise die Umsätze weggebrochen. Der Warenhaus-Riese hatte Anfang April ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Dieses gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren.
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Bei Deutschlands letzter großer Warenhauskette sollen 62 der 172 Filialen und zwei Schnäppchencenter dicht gemacht werden. Rund 6000 Mitarbeiter dürften ihre Stelle verlieren.

Bei der Sanierung von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) wird es ernst: Insgesamt 62 der 172 Filialen und zwei Schnäppchencenter sollen geschlossen werden. Rund 6000 der insgesamt 28.000 Mitarbeiter dürften dadurch ihre Arbeitsplätze verlieren. "Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden", sagte der GKK-Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz am Freitag. Letztlich gehe es darum, Galeria Karstadt Kaufhof und damit viele tausend Arbeitsplätze zu sichern. 

Für die Schließungsfilialen bestehe angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive mehr, betonte Gleiwitz. Welche Filialen genau betroffen sind, darüber sollen die Mitarbeiter nach dpa-Informationen am (heutigen) Freitag um 14.00 Uhr informiert werden. 

Verdi will um Filialen kämpfen

Die Zahl der Filialschließungen fällt damit etwas geringer aus als zunächst befürchtet. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar signalisiert, dass im Zuge der Sanierung des ums Überleben kämpfenden Unternehmens bis zu 80 Filialen geschlossen werden könnten.

Die Gewerkschaft Verdi hofft jedoch, die Zahl der Schließungen noch weiter senken zu können. "Wir werden mit aller Kraft für den Erhalt der Standorte und die Zukunft der Beschäftigten kämpfen. Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagte das Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Hier sei auch die Politik gefordert. 

Galeria Karstadt Kaufhof
Bald dauerhaft geschlossen? Eingang einer Karstadt-Filiale in Düsseldorf
© Martin Gerten / Picture Alliance

Noch offen ist weiterhin das Schicksal der Karstadt-Sport-Häuser. Hier gelten mehr als zwei Drittel der rund 30 Filialen als gefährdet. Und auch bei den Galeria Reisebüros werden drastische Einschnitte erwartet.

Erst am Donnerstagabend hatten sich das Unternehmen, der Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft Verdi auf einen Sozialplan und einen Interessenausgleich für Galeria Karstadt Kaufhof verständigt. Er sieht unter anderem vor, dass die gekündigten Mitarbeiter für mindestens sechs Monate in eine Transfergesellschaft wechseln können. Als Erfolg wertete die Gewerkschaft, dass der vom Unternehmen ursprünglich geplante Abbau von zehn Prozent der Stellen in den verbleibenden Filialen vom Tisch sei. Außerdem bleibe der im Dezember 2019 vereinbarte Integrationstarifvertrag in Kraft.  

Galeria Karstadt Kaufhof geriet durch Corona-Pandemie in Krise

Der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus begrüßte die Einigung mit den Arbeitnehmern. Jetzt müsse aber auch noch "zeitnah" eine befriedigende Lösung mit den Vermietern gefunden werden. 

Sehen Sie im Video: Verbraucherschützer warnen vor dubiosen Streaminganbietern. Gerade in der Corona-Zeit sollten Verbraucher Vorsicht bei vermeintlich kostenlosen Streaming-Angeboten walten lassen. Mehr als 1000 Menschen hat die Verbraucherzentrale Bremen nach eigenen Angaben in letzter Zeit beraten. Diese hätten beispielsweise Anwaltsschreiben wegen angeblicher illegaler Verbreitung von Filmen erhalten. Die Verbraucherzentrale rät deshalb: Wer an einem kostenlosen Film-Abend interessiert sei, sollte solche Filesharing-Netzwerke tunlichst meiden und vorher die Seriosität des Anbieters genau prüfen. Häufige File-Sharing-Anbieter seien zum Beispiel PopcornTime, Time4Popcorn oder Isoplex. Derartige Streaming-Anbieter locken Nutzer zudem geschickt in eine Abofalle. Anbieter wie Geraflix, Gigaflix oder Kinoflexx locken beispielsweise damit, einen Film "auf Probe" zu schauen. Versteckt in den AGBs heißt es dann, der Nutzer müsse in der Probezeit kündigen, anderenfalls drohte direkt ein Jahresvertrag. Die versteckte und überraschende Kündigungsregelung sieht die Verbraucherzentrale als klaren Verstoß gegen das AGB-Recht. Betroffene sollten deshalb die Rechnungen solcher Streaming-Anbieter unbedingt juristisch prüfen lassen.
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Galeria Karstadt Kaufhof war durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Galeria Karstadt Kaufhof rechnet durch die Pandemie und den durch sie ausgelösten Konjunkturabschwung bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro.

Auch in vielen Kommunen dürfte die Bekanntgabe der Schließungsfilialen mit großer Unruhe erwartet werden. Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund warnte schon bei Bekanntwerden der ersten Schließungspläne im Mai vor der Gefahr einer Verödung vieler Innenstädte. "Galeria Karstadt Kaufhof ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Gerade für viele strukturschwächere Innenstädte sei ein Verlust der Warenhäuser nach seiner Einschätzung kaum auszugleichen.

Die Gewerkschaft Verdi warnte damals, eine Schließungswelle bei Galeria Karstadt Kaufhof werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht.

rös DPA

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