HOME

Bezahlung im Job: Natürlich hat das Gehalt Einfluss auf die Motivation – aber anders, als Sie denken

Eine Gehaltserhöhung soll kaum Einfluss auf die Motivation am Arbeitsplatz haben, heißt es. Wertschätzung und mehr Verantwortung seien der Schlüssel. Doch so ganz stimmt das nicht – denn das Gehalt spielt sehr wohl eine Rolle bei der Mitarbeiterzufriedenheit.

Meeting vor einem transparenten Glasboard
Getty Images

Geld allein macht nicht glücklich - so lautet das Ergebnis unzähliger Job-Studien, die untersucht haben, wie sich die Höhe des Gehalts auf die Motivation von Mitarbeitern auswirkt. Mal sind Experten auf der Suche nach dem idealen Gehalt, das Menschen glücklich macht. Mal wird untersucht, wie sich Gehaltserhöhungen auf das Engagement der Mitarbeiter auswirken. Die Antworten, die diese Untersuchungen auf die Gehaltsfragen geben, fallen ähnlich aus: Gehaltserhöhungen haben nur einen minimalen Effekt, der zeitlich schnell verpufft. Wer Mitarbeiter motivieren oder im Unternehmen halten will, sollte als Chef zu anderen Mitteln greifen.

Das mag alles stimmen, doch es ist nicht die ganze Wahrheit. "Geld erzeugt nicht notwendigerweise Motivation, aber wenn die Bezahlung nicht stimmt, kann Demotivation entstehen", sagt Psychologieprofessorin Maika Rawolle von der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Berlin zur "Süddeutschen Zeitung". Dabei ist der unklare Ausdruck des "nicht stimmenden Gehalts" sehr richtig gewählt, denn es gibt einige Lohn-Konstellationen, die die Motivation senken. Alle eint: Es geht um Ungerechtigkeit, also um einen Vergleich. 

Gehalt im Vergleich

Wer weiß, dass der Kollege, der ständig zu spät kommt, der seine Projekte nie pünktlich abliefert und wenig Ambitionen zeigt, trotzdem mehr verdient, fühlt sich ungerecht bezahlt - selbst, wenn die Höhe seines Lohns eigentlich angemessen wäre. Vor allem hat diese Erkenntnis einen weiteren Effekt: Der enttäuschte Mitarbeiter zieht selbst die Bremse beim Engagement. Warum noch Überstunden machen, wenn Leistung sich offensichtlich nicht lohnt? Die Monash Business School fand in einer Studie heraus, dass Mitarbeiter, die sich abrackern und Überstunden schieben, aber wenig Aussichten auf ein Gehaltsplus haben, die Mehrarbeit einstellen. Oder sogar die Arbeitszeit reduzieren.

Diesen Effekt sollten Vorgesetzte nicht unterschätzen: Laut der jährlichen Gallup-Studie, die die Mitarbeiterzufriedenheit in Deutschland misst, hat rund jeder fünfte Arbeitnehmer innerlich gekündigt. Neben mangelnder Wertschätzung und fehlenden Aufstiegschancen war auch die ausbleibende Gehaltserhöhung ein Grund dafür. 

Politikergehälter: Wie viel verdienen eigentlich Merkel, Trump und Co.?

Aber nicht nur der Vergleich über den eigenen Schreibtisch hinweg kann unzufrieden machen. Gibt es einen Tarifvertrag, bei dem das eigene Unternehmen aber nicht mitmacht, ist dies auch kontraproduktiv. Denn der Mitarbeiter weiß: Da draußen machen andere meinen Job und verdienen dafür deutlich mehr - das ist doch unfair! 

Klar ist: Dies Diskussion über angemessene Bezahlung hat viel mit dem Bauchgefühl zu tun. So fand Christian Pfeifer, Ökonom an der Universität Lüneburg, heraus, dass es bei der Unzufriedenheit bei der Bezahlung nicht auf die Höhe des Stundenlohns ankommt. Das miese Gefühl hat andere Ursachen. Eine davon: extreme Nachverdichtung im Job. 

Im Laufe des Berufslebens steigt die Zahl der Aufgaben und Zuständigkeiten. Stress und Druck nehmen zu - das Gehalt im Gegensatz aber steigt nicht proportional mit der Belastung. Das macht unzufrieden. Aber auch hier geht es eben um die Relation: Wenn man immer mehr Aufgaben übernimmt, aber das Gehalt auf der Anfangsstufe verharrt, meldet sich das Ungerechtigkeitsempfinden.

Gehaltserhöhung als Lösung?

Allerdings: Einfach das Gehalt erhöhen, funktioniert auch nur mit einem kurzen, zeitlichen Motivationseffekt. Wer einen eher langweiligen und wenig fordernden Job hat, lässt sich vielleicht noch ködern. Doch laut einer Studie der kanadischen Universität von Alberta sind finanzielle Anreize bei Kreativberufen sogar kontraproduktiv. Forscher der International School of Management in Dortmund gingen sogar noch weiter. Ihre Untersuchungen ergaben, dass sich Menschen, die ihren Job mögen und dadurch allein schon Motivation ziehen, eher über eine Dankeskarte freuen als über eine Gehaltserhöhung. Wer auf eine Gehaltserhöhung hofft, mag das zwar nicht gerne hören, aber tatsächlich haben mehrere Studien herausgefunden, dass Anerkennung und Lob den Antrieb der Mitarbeitern stärker fördern als eine finanzielle Belohnung.

Firmenchefs mögen solche Ergebnisse begrüßen - sie können schließlich wissenschaftlich basiert argumentieren, warum eine Gehaltserhöhung keine gute Idee ist. Doch das wäre ein Riesenfehler, denn gerade die Deutschen fühlen sich im internationalen Vergleich besonders mies bezahlt, fand die Gay Group vor einigen Jahren heraus. "Wer sich unfair behandelt fühlt, ist meist weniger motiviert und denkt häufiger darüber nach, die Firma zu verlassen", sagt Mandy Rehmann, Direktor der Hay Group. Allerdings sind die Entwicklungen noch weitreichender: Die Zahl der Menschen in Deutschland, die glaubt, dass sich Leistung noch lohnt, sinkt. Eine Erkenntnis, die keinem Chef gefallen sollte.

kg