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Warnstreiks im öffentlichen Dienst: Tausende Pendler mussten warten

Am letzten Warnstreiktag vor der nächsten Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst wurde von Gewerkschaftsseite nochmal geklotzt. Diesmal traf es besonders die Pendler. In vielen Städten bleiben Busse und Bahnen in den Depots.

Wegen bundesweiter Warnstreiks im öffentlichen Dienst waren am Morgen viele Pendler von Verspätungen im Nahverkehr betroffen. Allein in Nordrhein-Westfalen rief die Gewerkschaft Verdi mehr als 21.000 Mitglieder zum Ausstand auf, darunter 10.000 Beschäftigte von Nahverkehrsunternehmen. Auch zahlreiche Kindertagesstätten, Verwaltungen, Entsorgungsbetriebe und andere öffentliche Einrichtungen waren betroffen.

Aktionen quer durch die Republik

In Hessen warteten am Morgen in Frankfurt am Main zahlreiche Pendler teils stundenlang auf U-Bahnen. In Kassel rief Verdi im Nahverkehr zu ganztägigen Streiks auf. Die Beschäftigten von kommunalen Kindertagesstätten, Verwaltungen, Entsorgungsbetrieben und Sparkassen sollten vorübergehend die Arbeit niederlegen. In Wiesbaden blockierten Busfahrer mit mehreren Fahrzeugen die Ausfahrt der zentralen Depots. Insgesamt beteiligten sich in Hessen laut Verdi mindestens 1.400 Mitarbeiter an Warnstreiks.

In Rheinland-Pfalz streikten mehr als 2.500 Beschäftigte. In Bayern waren nach Gewerkschaftsangaben landesweit in rund 30 Versorgungsbetrieben die Mitarbeiter zu Warnstreiks aufgerufen. Bereits am Morgen spürten die Bürger in Würzburg die Folgen: Dort war der Nahverkehr betroffen, der Busverkehr ruhte. In zahlreichen Städten, darunter Augsburg, Ingolstadt, Kempten, Passau, Würzburg, Schweinfurt und in der Landeshauptstadt München, wurden die Stadtwerke bestreikt. Betroffen waren auch die Wasser- und Schifffahrtsämter.

Auch in Baden-Württemberg bekamen Pendler die Warnstreiks zu spüren: In Stuttgart wurden Busse und Bahnen bestreikt. Davon waren rund 350.000 Fahrgäste betroffen. Außerdem waren von 180 Kindertagesstätten nur 30 geöffnet - eine Notdienstvereinbarung hatte Verdi abgelehnt. Auch Kliniken waren zum Ausstand aufgerufen, zudem legten zahlreiche Müllmänner die Arbeit nieder. Insgesamt waren in Baden-Württemberg rund 10.000 Beschäftigte zum Warnstreik aufgerufen.

Ganztägige Aktionen waren auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und dem Saarland geplant. In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel blieben am Morgen die Busse der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) im Depot. Sie sollten erst am Mittag wieder fahren. Viele Bürger stiegen auf das Auto um, um zur Arbeit zu kommen oder fuhren mit dem Rad. In Kiel traten auch Beschäftigte der Stadtwerke in den Warnstreik, nach Verdi-Angaben sollte am Mittag auch die Müllverbrennungsanlage betroffen sein.

Zu mehrstündigen Ausständen rief die Gewerkschaft zudem in Berlin, Brandenburg, Hamburg und Bremen auf. Rund tausend Beschäftigte des öffentlichen Dienstes traten am Morgen in Hamburg in einen zweistündigen Warnstreik. Vor allem Mitarbeiter der Stadtreinigung legten zwischen 8.00 und 10.00 Uhr die Arbeit nieder, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi in Hamburg. Auch Beschäftigte der Bücherhallen, der Wasser- und Schifffahrtsämter sowie des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie hätten sich beteiligt. Die Streikenden vom Bundesamt fuhren dem Sprecher zufolge nach Brunsbüttel, um sich dort ihren Kollegen anzuschließen.

In Sachsen-Anhalt legten mehr als 1.000 Beschäftigte städtischer Betriebe und Verwaltungen vorübergehend die Arbeit nieder. In Mecklenburg-Vorpommern traten etwa 230 Mitarbeiter der Rostocker Straßenbahn und der Stadtwerke in den Ausstand.

Arbeitnehmervertreter warnen vor Eskalation

Der Verhandlungsführer der dbb Tarifunion, Frank Stöhr, forderte die Arbeitgeber auf, bei der nächsten Verhandlungsrunde am Montag in Potsdam ein neues Angebot vorzulegen. "Sonst treiben die Arbeitgeber von Bund und Kommunen die Beschäftigten in eine weitere Eskalation."

"Ein mehrmonatiger Streik ist problemlos durchzuhalten", warnte der Spitzenvertreter im Verdi-Bezirk Nord, Wolfgang Rose, im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung. "Dass es geht, hat der 14 Wochen dauernde Ausstand vor zwei Jahren gezeigt."

Verdi fordert für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes eine rückwirkende Einkommenssteigerung von acht Prozent ab 1. Januar 2008, mindestens jedoch 200 Euro mehr. Die Arbeitgeber bieten fünf Prozent - allerdings verteilt auf zwei Jahre und bei Aufstockung der Arbeitszeit im Westen auf 40 Wochenstunden.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters