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VW-Affäre: "In privater Mission"

In der Affäre um Sex und Selbstbedienung bei Volkswagen stehen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft kurz vor dem Abschluss. Die Akten ergeben ein schillerndes Panorama vom Innenleben des Autokonzerns. Im Zentrum der Vorwürfe steht Klaus Volkert, früher der mächtigste Betriebsratschef Deutschlands.

Von Arne Daniels und Johannes Röhrig

Einmal hat sich Klaus Volkert sehr geärgert. Es muss irgendwann in den 90er Jahren gewesen sein. Genau konnte es der einstige Gesamt-, Konzern- und Weltbetriebsratschef von VW den Ermittlern nicht mehr sagen. In der Wolfsburger Konzernzentrale sorgte gerade der Fall des umstrittenen Einkaufsvorstands José Ignacio López für Wirbel. Der Spanier hatte ein paar Vertraute mitgebracht, die sich "Krieger" nannten; die Truppe versetzte mit ihren rüden Methoden Volkswagens Zulieferer in Angst und Schrecken. Doch nicht das empörte Volkert. Ihn machte wütend, dass Lopez' Krieger viel Geld verdienten - womöglich mehr als er selbst. Also beschwerte sich der Arbeiterführer beim damaligen Konzernchef Ferdinand Piëch, der schickte ihn zu Personalvorstand Peter Hartz, und der versprach dem Betriebsratschef eine jährliche Bonuszahlung. Schriftlich niedergelegt wurde nichts - es sollte wohl niemand etwas davon erfahren, schon gar nicht Volkerts Kollegen.

Davon und noch viel mehr erzählte Volkert am 14. Februar dieses Jahres zwei Braunschweiger Staatsanwälten und zwei Kriminalhauptkommissaren des Landeskriminalamtes Niedersachsen. Eines verschwieg der Gewerkschafter den Ermittlern: wie hoch der Bonus denn eigentlich war. Die Zahl ist eindrucksvoll: Nach stern-Informationen erhielt Volkert fortan jährlich mehrere hunderttausend Euro extra - zusätzlich zu dem für einen Betriebsrat märchenhaften Jahresgehalt von zuletzt geschätzten 360 000 Euro. Volkerts Nachfolger Bernd Osterloh bekommt 6500 Euro im Monat, und dafür darf er auch noch den Trümmerhaufen beiseite räumen, den ihm sein Vorgänger hinterlassen hat.

Wie groß der ist, ist in einer Reihe von akribisch durchnummerierten Leitzordnern dokumentiert, die Staatsanwälte und Polizisten nun zusammengetragen haben. Vernehmungsprotokolle, Schriftwechsel, Abrechnungen, Vermerke und vieles andere mehr. Seit wenigen Tagen sind die Ermittlungen weitgehend abgeschlossen. Alle paar hundert Seiten ist ein Bericht des Landeskriminalamts (LKA) zwischen die Akten geheftet - mal zu dubiosen Geldtransfers in Indien, mal zu zweifelhaften Aktivitäten in Angola, zu Lustreisen des Betriebsrats und zu Bordellbesuchen auf Firmenkosten. Es ist der Versuch, den Skandal um Sex und Selbstbedienung zu sortieren, der seit einem Jahr Europas größten Autokonzern vibrieren lässt. Und gegen den der neueste Schmiergeldfall, bei dem VW-Einkäufer von einem Zulieferer Geld, Möbel und Urlaubsreisen gegen bevorzugte Auftragsvergabe kassiert haben sollen, beinahe alltäglich erscheint.

Die Ermittler haben viel zähe Detailarbeit geleistet, aber sie dürften auch unterhaltsame Stunden gehabt haben. Die Vivien hat als erste der Frauen ausgepackt, dann die Nina und die Prostituierte mit dem Künstlernamen Cindy. Die Sex-Arbeit von Liliya, Miriam, Larissa zugunsten von VW-Angestellten - alles ist protokolliert. Die Ermittler befragten den Vorstandsvorsitzenden und den Aufsichtsratschef von VW ebenso wie Hannoveraner Zuhälter, sie vernahmen Betriebsräte, Lohnbuchhalter und Spesenprüfer. Zeugen und Beschuldigte: Die Chronologie der Vernehmungen rückt sie in den Akten der Staatsanwaltschaft eng zusammen.

Einige der 14 Beschuldigten,

so ist zu erwarten, dürften glimpflich davonkommen. Wegen geringerer Schwere der Vergehen könnten sie schon im September ohne öffentlichen Aufmarsch vor Gericht abgeurteilt werden, darunter die nur sporadischen Puffbesucher. Anderen wie Peter Hartz und Klaus Volkert, die im Sog der Affäre bei VW ausschieden, droht nun hingegen eine hochnotpeinliche Gerichtsverhandlung.

Gerade Volkert wurde im Zuge der Ermittlungen immer mehr zur Hauptfigur der bizarren Affäre. Niemand, diesen Schluss legen die Akten nahe, profitierte so sehr von dem Wolfsburger Gemenge aus diskreten Zuwendungen und dreistem Zugreifen wie der gelernte Schmied, der zum mächtigsten Betriebsrat Deutschlands und zum Ehrendoktor aufgestiegen war.

Prostituierte auf Geschäftsreisen rund um den Globus wie auch beim privaten Surfurlaub auf Fehmarn, Flugtickets und Honorare für die brasilianische Dauerfreundin, Maßanzüge, eine Firmenbeteiligung, Schmuckkäufe für Gattin und Geliebte - heute hat offenbar selbst Volkert Mühe, sich an alle Details zu erinnern. Als der Frühpensionär im vergangenen Februar in Begleitung seines Anwalts beim LKA zu seiner zweiten Aussage erschien, wurde ihm eine Liste mit 18 Terminen vorgehalten: Immer soll er auf Firmenkosten die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen haben. Volkert zog seinen Kalender zurate.

Frauen bei der Welt-Präsidiums-Sitzung in Mexiko 2001? Selbst bezahlt!

Seoul 2001? Feier auf dem Hotelzimmer eines Kollegen. Damit habe er nichts zu schaffen gehabt.

Pamplona 2001? Habe er nachgesehen; falle ihm beim besten Willen nichts zu ein. Autosalon Genf 2002? Habe so stattgefunden und sei nicht von ihm bezahlt worden, räumt Volkert ein.

Prag - diverse Male bis 2005? Ließ er erst mal außen vor.

Der frühere Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer, auch er einer der Beschuldigten, organisierte die Reisen des Betriebsrates, zugleich war er eine Art persönlicher Kammerdiener Volkerts, und er rechnete, so schildert er es, die anfallenden Kosten über eine Unzahl echter und Ersatzbelege mit dem gemeinsamen Arbeitgeber ab - es kamen mehrere Millionen zusammen. Er erzählt, auch Volkerts Prostituierte stets bezahlt und die Kosten bei VW wiedergeholt zu haben. Volkert sagt hingegen aus, bis auf einige Ausnahmen habe er den Mädchen selbst Geld gegeben - aber ob die Summe immer gereicht habe, wisse er nicht. Wie es wirklich war, wird sich kaum noch klären lassen. In Genf, das räumt Volkert zum Beispiel ein, habe er Gebauer gefragt, was denn "der ganze Kram" gekostet habe, worauf dieser sinngemäß antwortete: Vergiss es, das ist erledigt.

Die Vernehmungen ergeben ein breites Panorama über das Leben des Betriebsratschefs. Manches ist schlicht kurios. Da gab es eine Reise nach Paris im Dezember 2003. Hartz, Gebauer und Volkert waren dabei, und auch dessen brasilianische Freundin Adriana Barros wurde eingeflogen. Es war eine dienstliche Veranstaltung, beteuert Volkert: Hartz habe ihm das Gebäude der Firma Accor zeigen wollen, die an der VW-Tochter Europcar bis 1999 beteiligt war. Weitere dienstliche Termine oder Gespräche gab es nach Volkerts Aussage nicht. Die Ermittler merkten an, das Gemäuer hätte man sich notfalls auch im Internet angucken können.

Da gab es jene Wohnung in Braunschweig in der Kurt-Schumacher-Straße. Volkert sagte aus, er hätte angeregt, eine "Gästewohnung" für die ausländischen Besucher des Betriebsrats zu beschaffen. Gebauer mietete auf VW-Kosten eine Wohnung in einem anonymen Braunschweiger Hochhaus und ließ sie für mindestens 31 000 Euro renovieren. Dann gab es "eine kleine Einweihungsfete" (Volkert) mit zwei Nutten (Gebauer zahlte, Volkert nicht), und es gab in den kommenden Monaten weitere Treffen mit Prostituierten - nach Aussage des Hannoveraner Freudenmädchens Nina war auch einmal Peter Hartz dabei. Volkert sagte bei seiner Vernehmung, er könne nicht bestreiten, dass diese Wohnung nie richtig als Gästewohnung genutzt worden sei. Nachfrage der Ermittler: Wie oft ist die Wohnung von Gästen des Betriebsrates genutzt worden? Volkert: Gar nicht.

Da gab es ein Projekt in Prag, die Herren hatten gemeinsam eine Firma mit Verbindungen nach Luxemburg und Gibraltar gegründet, auf dass die mit dem eigenen Arbeitgeber lukrative Geschäfte mache. Den in Englisch verfassten Vertrag dazu habe er mangels ausreichender Sprachkenntnisse blind unterschrieben, als Gebauer ihn ihm vorgelegt habe, gibt Volkert an. Geld sei keines geflossen. Aus welchem Topf Volkerts Gesellschaftereinlage stammte, kann man allenfalls mutmaßen. Vieles spricht dafür, dass selbst dies von VW bezahlt wurde. Auf stern-Anfrage wollte keiner der Beteiligten dazu Stellung nehmen.

Es sind aber auch Geschichten, die von einer Systematik des Tarnens erzählen. Wenn etwa der verheiratete Volkert seine Auslandsreise bisweilen um ein paar vergnügliche Tage verlängern wollte, ohne dass dies seine Ehe gefährden sollte, so sorgte Gebauers Sekretariat für die klassenmäßig korrekte Legende. Sie hätten für Volkert in solchen Fällen wahlweise Treffen mit Gewerkschaftern oder ein Gespräch mit der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung auf die Agenda genommen, sagten Gebauers Sekretärinnen aus. Auch Volkerts Vorzimmerdame gab an, in den Reiseprogrammen ihres Chefs "Freizeittermine" zum Schein "mit irgendwelchen Sitzungsterminen" aufgefüllt zu haben.

Ebenfalls zur Stelle war Gebauer, wenn es um die Erfüllung der exquisiten Ansprüche von Volkerts Dauergeliebter Barros ging. Frau Barros schätzt Blumendekor im Hotelzimmer: Gebauers Sekretärinnen müssen Rosen beschaffen. Frau Barros vermisst einen Koffer mitsamt Pelzjacke: Gebauer muss bei der Versicherung 8500 Euro herauspressen, obwohl die Assekuranz angesichts sommerlicher Temperaturen nicht an die Pelzjacke glaubt und sich auch kein Zeuge an den Koffer erinnern kann. Volkert sieht in einer Zeitungsbeilage eine Kette, die er sich gut am Hals seiner Adriana vorstellen könnte: Er schickt Gebauer los ins Schmuckgeschäft, um zu gucken, ob die Kette wirklich so aussehe wie abgebildet und zum Verschenken tauge. Wer den Schmuck schließlich bezahlte, bleibt strittig - wie bei anderen Schmuckkäufen auch, die über die Jahre so anfielen.

Der Einsatz zugunsten der Brasilianerin ist für den Vorwurf der Beihilfe zur Untreue, den die Staatsanwaltschaft gegen Volkert erhebt, heute von zentraler Bedeutung. Im Jahr 2000 hatte der Gewerkschafter VW-Personalchef Hartz überredet, im Rahmen eines Beratervertrages seine Geliebte für die Betreuung von Kinderprojekten des Betriebsrats einzusetzen. So berichtet es zumindest Hartz: Auftraggeber von Frau Barros sei Volkert für den Betriebsrat gewesen, dieser hätte auch den Wert der Gegenleistung zu prüfen gehabt. Volkert erzählte den Ermittlern, Barros habe auf der Grundlage einer Art Vertrages ihm und dem Unternehmen zur Verfügung gestanden.

Die Bezahlung von Adriana Barros - 23 008 Euro pro Quartal - lief über das Spesenkonto 1860 von Peter Hartz auf ein Girokonto, das Gebauer bei der Stadtsparkasse Gifhorn-Wolfsburg für Barros eingerichtet hatte. Die Journalistin begleitete den Arbeiterführer auf vielen seiner Reisen, oftmals extra eingeflogen aus Brasilien und nicht selten in Begleitung eines Kamerateams, das die Sekretärinnen von Gebauer buchen mussten. Die meisten der so entstandenen Filmaufnahmen fanden offenbar jedoch weniger Verwendung bei VW als vielmehr bei einer TV-Sendung, die Barros in Brasilien präsentierte - und die VW dank Volkerts Intervention ebenfalls sponserte.

Eine runde Million Euro,

so schätzt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die den VW-Skandal firmenintern aufarbeitete, habe das Engagement der schönen Brasilianerin den Konzern alles in allem gekostet. Viel Geld für wenig Leistung, finden die Staatsanwälte. Auch Volkert räumte ein, dass Frau Barros "teilweise auch in privater Mission für mich" unterwegs war. Das ist hübsch formuliert: Einmal flogen Volkert und Barros nach Indien - zunächst zum Ausspannen auf der Inselgruppe der Andamanen. Ein dienstliches Programm war erst später geplant, doch dazu kam es nicht: Nach einem Streit drängte Adriana zur Abreise.

Ein anderes Mal reiste Volkert nach Kuba, angeblich um Fidel Castro zu treffen. Doch Castro sei nicht gekommen. So wurde auch aus diesem Trip schon kurz nach der Ankunft wieder eine vorwiegend private Mission.

In den Akten zeigt sich allerdings auch, dass der Konzern seinem Betriebsratschef den Griff in die Kasse nicht eben schwer machte. Er habe finanziell auf Augenhöhe mit den Top-Managern gestellt werden sollen, gab der Gewerkschafter zu Protokoll. Daher seien ihm so genannte Vertrauensspesen eingeräumt worden, was Zeugen aus der VW-Spitze bestätigen: Zu dem Kreis der bei der Spesenabrechnung Privilegierten gehörte mit seiner Zustimmung auch Volkert, gab der langjährige Konzernchef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch an.

Solche Vertrauensspesen werden von der Buchhaltung nicht auf den Zweck der Ausgaben hin kontrolliert, sie werden ohne weitere Prüfung erstattet, wie ein Mitarbeiter der Personalabteilung aussagte. Insgesamt 24 Top-Managern des Konzerns wurde damals eine solch großherzige Spesenpraxis zuteil - aber nur einem Betriebsrat: Volkert. Die 24 hatten dafür offenbar ein eigenes Spesenkonto - Volkert nicht. Seine Ausgaben wurden über das Konto 1860 von Hartz abgewickelt, man kann auch sagen: versteckt. Kaum jemand erfuhr so von der Sonderstellung des obersten Kollegen. Gemanagt und pauschal abgerechnet hat die Vergnügungsausgaben Volkerts Knappe Gebauer. Wie viel Geld exakt wo landete und wofür, lässt sich heute nicht mehr restlos erfassen. Und weil die Buchprüfer nie genau wissen können, wofür die privilegierten Kollegen ihre Vertrauensspesen denn so ausgeben (eigentlich sei nichts ausgeschlossen, gab einer zu Protokoll), wurden auf die Beträge pauschal Lohnsteuer abgeführt. So hat es der Leiter der Steuerabteilung ausgesagt. Kontrolle war ausdrücklich unerwünscht.

Das Vertrauen in Volkert sei grob missbraucht worden, kommentierte VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder gegenüber den Ermittlern die Usancen bei der Spesenabrechnung. Vertrauensspesen seien zweifellos keine Privatausgabe, bemerkte sein Vorgänger und Oberaufseher Piëch, weder im Rotlichtmilieu noch zu Lustreisen.

Das mag so sein. Es bleibt die Frage, warum das Unternehmen seinem obersten Betriebsrat so eine besondere Stellung einräumte. Und warum es dies zugleich geheim zu halten versuchte. Warum war Klaus Volkert so wichtig für VW?

Helmuth Schuster, zuletzt Personalvorstand der VW-Tochter ðkoda, gehört zu den Beschuldigten in der Affäre. Auch er soll es auf Firmenkosten haben krachen lassen, vor allem aber soll er versucht haben, sich bei Geschäften mit dem eigenen Konzern zu bereichern. Zugleich aber galt Schuster als fähiger Manager, als eigentlicher Kopf hinter den Reformideen des Peter Hartz und als dessen möglicher Nachfolger im Vorstand des Konzerns. Er hat viel verstanden vom System VW. Dieser Schuster schilderte gegenüber den Ermittlern Volkert als einen der fähigsten Betriebsräte, die er kennen gelernt habe - intellektuell auf der Höhe und führungsstark. Und er schilderte auch, weshalb er in der Chefetage von Volkswagen besonders geschätzt wurde: wegen seiner Fähigkeit, die Werktätigen bei der Stange zu halten, sie zu disziplinieren.

Schon möglich, dass es dem einen oder anderen Vorstand sinnvoll erschien, den machtbewussten und eitlen Volkert zu behandeln wie seinesgleichen. Peter Hartz sagte einmal, die Vertrauensspesen gehörten für einen wie Volkert zu den "Insignien der Macht" - wie auch ein besonderer Parkplatz und Flüge in der ersten Klasse. Der Betriebsratschef, bemerkte Hartz an anderer Stelle, sei kein Mann, der bestechlich und beeinflussbar war. Er sagte aber auch, es habe sich ein Vertrauensverhältnis entwickelt, weil er viele seiner Ideen aufgegriffen und umgesetzt habe. Manchmal sind die Grenzen fließend.

Für die Braunschweiger Staatsanwälte war bislang vor allem der Paragraf 266 des Strafgesetzbuches von Bedeutung, er regelt den Tatbestand der Untreue, es geht in diesem Fall um die Schädigung des VW-Vermögens. Doch je länger sie ermitteln, desto mehr rückt ein weiterer Paragraf in ihren Fokus: Er trägt die Nummer 119 und steht im Betriebsverfassungsgesetz. In seinem Absatz 3 heißt es: "Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer ein Mitglied É des Betriebsrats É um seiner Tätigkeit willen benachteiligt oder begünstigt."

Es kann eben für ein Unternehmen nicht nur nützlich erscheinen, den Arbeitnehmervertretern Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Bisweilen kann es mehr helfen, es dem Betriebsrat richtig gut gehen zu lassen, ganz im Vertrauen. Der Klassenkampf verliert zwangsläufig an Schärfe, wenn man die Probleme des Unternehmens gemeinsam am Strand des Indischen Ozeans bespricht.

Sollten sich die Ermittler tatsächlich entschließen, den Paragraf 119 in ihre Anklageschrift aufzunehmen, wäre das eine kleine Sensation. Dann ginge es in dem anstehenden Prozess nicht mehr nur um not- und geldgeile ältere Herren, dann ginge es de facto um die versuchte Bestechung eines führenden deutschen Betriebsrats. Dann würden Volkert und Hartz, Gebauer und Vivien, Cindy und all die anderen wirklich ein bisschen Geschichte schreiben.

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