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30. Januar 2009, 13:33 Uhr

Neuartige Überwachung soll Raser stoppen

Feste Radarfallen können Raser nicht wirklich aufhalten: Bremsen, Radarfalle passieren, Gas geben. Um dies zu verhindern, gibt es die sogenannte Section Control. Dabei werden über eine bestimmte Strecke alle Kennzeichen erfasst. Und genau darin liegt das Problem für Datenschützer. Von Uwe Schmidt-Kasparek

Raser, Radar, Radarfalle, section control

Eine Radarfalle kann Raser nicht wirklich stoppen. Deswegen soll eine Langzeit-Überwachung getestet werden© Danny Gohlke/DDP

Erstmals soll in Deutschland eine Langstrecken-Radarkontrolle eingesetzt werden. Mit einer Versuchsstrecke soll die neuartige "Section Control" in einem Bundesland getestet werden. Das fordern die Delegierten des 47. Deutschen Verkehrsgerichtstages in Goslar.

Mit knapper Mehrheit haben sich Verkehrsjuristen, Polizeiexperten und Unfallforscher gegen den ADAC durchgesetzt, der das neue System aus datenschutzrechtlichen Gründen ablehnt. Grund: Kennzeichen und Autofahrer werden am Beginn und am Ende der Kontrollstrecke - die mehrere Kilometer lang sein kann - per Foto erfasst. Damit würden laut ADAC auch vollkommen unschuldige Fahrer erst einmal unter Generalverdacht gestellt. Ob und gegen wen ein Bußgeldverfahren eröffnet wird, entscheidet sich am Ende der Teststrecke auf Basis der Durchschnittsgeschwindigkeit.

Kritiker haben Angst um die Daten

Die Fahrzeit eines Pkw wird über die gesamte Strecke gemessen. Wer zu schnell am Endpunkt ankommt, muss zahlen, bekommt Punkte oder verliert sogar seinen Führerschein. Wer dagegen vorschriftsmäßig fährt, der wird aus dem Messprotokoll wieder gelöscht. Kritiker befürchten, dass die Daten zweckentfremdet, etwas für die Jagd nach Verbrechern eingesetzt werden könnten.

Für die Teststrecke soll der Gesetzgeber daher genau festlegen, so die Verkehrsexperten aus Goslar, das die Daten nicht zweckentfremdet verwendet werden dürfen. Außerdem darf nur dort kontrolliert werden, wo sich in der Vergangenheit schwere und tödliche Unfälle gehäuft haben. Außerdem muss technische sichergestellt werden, dass die Daten der Autofahrer, die sich ans Tempolimit gehalten haben, sofort automatisch total vernichtet werden.

Im Ausland ist das System schon im Einsatz

Angewendet wird "Section Control" bereits erfolgreich in Großbritannien, den Niederlanden und Österreich. Der deutsche Versuch sollt nun zeigen, ob das System den bisher üblichen Starenkästen überlegen ist.

Die Experten behandelten auf der Tagung auch noch ein anderes heißes Eisen: Den Gesundheitstest für Autofahrer. Es wurde beschlossen, dem Gesetzgeber keine systematische Prüfung der Fahreignung zu empfehlen. Andererseits ist klar, dass ab 2013 einer EU-Richtlinie Folge zu leisten ist, wonach der Führerschein in Abständen von zehn bis 15 Jahre erneuert werden muss. Der Zeitraum muss noch bestimmt werden. Klar ist aber heute bereits, dass dies auf alle Fälle das Ende der zeitlich unbegrenzten Fahrerlaubnis in Deutschland bedeutet.

Ob dies dann mit Auflagen verbunden werden kann, weil die Behörde Zweifel an der Fahrtauglichkeit des Führerscheinbesitzers hat, ist derzeit unklar. Für einen generellen Fahrtauglichkeits-Check gibt es nach Einschätzung der Verkehrsexperten jedoch keine Berechtigung. Schon gar nicht für ältere Fahrer, deren Anteil an am Unfallgeschehen unterdurchschnittlich sei. "Nach der Statistik sind die 18- bis 25-Jährigen sechsmal häufiger Unfallverursacher als die über 60-Jährigen", sagt Professor Wolf Oswald von der Uni Erlangen-Nürnberg. Die derzeitigen rechtlichen Möglichkeiten reichen nach Einschätzung der Verkehrsexperten aus, um die Verkehrssicherheit aufrechtzuerhalten.

So müssten sich derzeit nur auffällig gewordene Personen einem Fahrtauglichkeitstest unterziehen. Wer dort Defizite offenbart, sollte künftig nicht mehr grundsätzlich seinen Führerschein verlieren. Egon Stephan vom TÜV in Köln sagt: "Wir empfehlen, die Fahrerlaubnis lediglich einzuschränken." So könne ein typischer Senioren-Führerschein auf bestimmte Straßen, einen Umkreis von 50 Kilometer um den Wohnort oder auf Tagesfahrten beschränkt werden. Damit würde auch die Mobilität alter Menschen erhalten. Wichtig sei aber auch, dass Senioren ihre Fähigkeiten regelmäßig freiwillig prüfen lassen.

Von Uwe Schmidt-Kasparek
 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
otheropinion (31.01.2009, 22:16 Uhr)
Es wird immer schlimmer
mit der Überwachung. Wer überprüft denn, ob alle Regelungen immer sinnvoll sind oder ob es nicht um Abzocke geht? Wer nur kurzzeitig zu schnell fährt, sich sonst aber korrekt an die Geschwindigkeit hält, liegt damit im Schnitt drüber und wird somit auf der gesamten Strecken dauerüberwacht. Und meine Eltern können in Zukunft nicht mehr ihre Tochter und Enkel besuchen, da diese 400 km entfernt wohnen. Ich gehe garnicht mehr wählen.
susiwolf (31.01.2009, 16:55 Uhr)
one million section controls
Ich habe eben diese 32 Kommentare überflogen. Zukünftig überfliege ich das Verkehrsgeschehen (physisch).
Aufgrund des Querschnitts eben dieser Kommentare leide ich wohl nun an einer Straßenphobie.
Dennoch hoffe ich, diese Aussagen sind nicht der 'Querschnitt' des/der deutschen AutofahrerIn ? ... oder doch ...?
Dann her mit einer Millionen 'section controls' ...... mindestens !
Alfablondy (30.01.2009, 22:29 Uhr)
Kleine Szene zum schmunzeln...
Man stelle sich vor :
Autobahn...Mafiaboss oder Berufskiller, fährt gemütlich auf der rechten Spur... 100 kg harte Drogen, 1 Mio Euro in kleinen Scheinen,5 Uzis und eine Leiche im Kofferraum. Gefälschtes Nummernschild und 3 importierte Liebesdamen ohne Papiere auf dem Rücksitz... DA ! Section Control ! der gute Boss lässt sich nicht beirren und bringt seine heisse Ware gemütlich von A nach B.
Da kommt plötzlich einer von hinten...Blinker raus und aufs Gas !
Frauchen entbindet gerade den kleinen Stammhalter und Mann ist nicht da...Schnell ins Krankenhaus!
Baby ist da...3 Wochen später ein netter Brief vom Ordnungsamt...
Bitte 1 Jahr Führerschein abgeben :-)
Führerschein weg, Job weg, Geld weg, Frau und Kind weg...
Wann jagt IHR mal die ECHTEN Verbrecher ?? Oder ist das zu VIEL Arbeit und zu HART verdientes Geld ???
Alfablondy (30.01.2009, 22:06 Uhr)
Was ist gefährlicher ? Rasen oder kriechen?
Wenn ich sehe was für Blindschleichen sich mittlerweile anscheinend alleine auf der Strasse bewegen frage ich mich wirklich ob rasen oder kriechen gefährlicher ist...
Mein Fahrlehrer hätte mich 1987 aus dem Auto geschmissen wenn ich vor einem Überholmanöver nicht die Augen im Rückspiegel gehabt, den Schulterblick gemacht und den Blinker gesetzt hätte !!
Rückwärtigen Verkehr beobachten...ich hab´s noch Heute in den Ohren; und halte mich immer noch strikt daran!
Mit dieser Weisheit habe ich mittlerweile schnell, teilweise SEHR schnell ca. 700000 km auf 2 und 4 Rädern UNFALLFREI hinter mich gebracht !
Zwischenzeitlich habe ich natürlich auch einige Knöllchen gesammelt aber war nie in Gefahr oder habe andere in Gefahr gebracht!
Nur 1 mal, als mal wieder so eine Blindschleiche unangekündigt auf die linke Spur ausgeschert ist...
Da hätte ich beinahe bei Petrus angeklopft...
Wer ist dann Schuld ?
Natürlich der "Raser" !!
Ich erinnere nur an den Fall mit dem Testfahrer der angeblich die Mutter mit der kleinen Tochter auf dem Gewissen hat...
Hatte sie ihr Überholmanöver angekündigt?
Hat sie in den Spiegel geschaut?
Fakt ist:
Die Polizei hat wieder ein Spielzeug mehr um uns Auto/Motorradfahrer zu melken und Merkels 500 Milliarden-Loch zu stopfen...
Alles nur zu unserer Sicherheit :-)
Ich liebe Euch !!
Alfablondy (30.01.2009, 21:38 Uhr)
Datenschutz- Was ist das ?
Über eine Speicherung meiner daten mache ich mir schon lange keine Sorgen mehr!
Wir sind gläserner als ein Diamant!
Wer einmal in seinem Leben an einem Gewinnspiel oder einer Lotterie teilgenommen hat weiß was ich meine...
Sie haben Gewonnen ! Mein Briefkasten quillt über von vermeintlichen Gewinnen und das Telefon klingelt 10 mal am Tag...am anderen Ende die Lotto-Fee !!
Da macht Ihr Euch Sorgen über Datenschutz???
Wenn aber einer vor meiner Baustelle parkt, ich deshalb meine Arbeit nicht verrichten kann und über die Polizei den Halter zwecks einer Telefonnummer ausfindig machen will um ihn zu benachrichtigen daß er im Weg steht und ihm die Abschleppkosten zu ersparen ---> DAS ist DATENSCHUTZ !!
Wo leben wir eigentlich ?
appaz (30.01.2009, 20:56 Uhr)
Eine recht einseitige Sichtweise
Damit kein Missverständnis entsteht: Auch mir gehen Zeitgenossen auf die Nerven, die mit unangemessen hoher Geschwindigkeit und / oder zu geringem Sicherheitsabstand über die Straßen brausen.
Ähnlich gefährlich wie die sog. (echten) Raser sind besonders aber auch diejenigen Verkehrsteilnehmer, die permanent links oder mindestens in der Mitte fahren, obwohl die rechte Fahrspur bis zum Horizont frei ist. Geschieht dies dann auch noch unter konsequenter Unterschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit um die für die Fahrertypen: Oberlehrer und Angsthase üblichen 10 %, dann werde selbst ich zumindest innerlich rasend! - Und insofern kann ich durchaus nachvollziehen, dass jemand, der hinter einem solchen Hindernis womöglich über mehrere Kilometer herdackeln musste, das Gefühl verspüren kann, gestohlene Zeit wieder reinholen zu müssen ...
Ich halte es daher für dringend erforderlich, auch die Nichteinhaltung des Rechtsfahrgebots oder Verkehrsbehinderungen durch zu langsames Fahren zu verfolgen und vor allem auch zu ahnden.
Blacky007 (30.01.2009, 20:55 Uhr)
@think-sunny - auch in Frankreich üblich
Die Franzosen machen es schon weit länger, nur etwas banaler: sie berrechnen anhand der Mauttickets wie lange man von Mautstelle A bis Mautstelle B benötigt hat und errechnen dann die Geschwindigkeit. Dumm nur für die Franzosen: das kann sich auch jeder selber ausrechnen und war man zu schnell, fährt man eben auf eine Raststätte und geniept in aller Ruhe einen Cafe Ole und ein Croissants:).
Alfablondy (30.01.2009, 18:40 Uhr)
George Orwell 1984 gelesen?
Ein lesenswerter Klassiker "1984" von George Orwell war wohl die Vorlage für unsere Politik seit den 80er Jahren.
Was 1980 noch kein Mensch für möglich und jeder als Horrorszenario der Zukunft gehalten hat ist für uns schon längst geduldete Realität !!!
Demnächst wird uns im Wald per Satellitenlaser der Schnippel gekürzt wenn wir mal schnell am nächsten Baum anhalten und eine dringende Notdurft verrichten und nicht die 50 km weitere Autobahntoilette aufsuchen!
Wir verstoßen dann vielleicht gegen den den neuen Paragraph ... Umweltschutzgesetz oder so, für den mal schnell ein Grundgesetz geändert wurde !?
Was lassen wir deutschen Michel uns noch alles gefallen ???
Gerät ein Bürger eines nicht EU-Landes in eine Radarkontolle, egal wie schnell, bezahlt er seine Strafe und fährt nach Hause.
Dort geh er nachwievor seiner Arbeit mit seiner gültigen Fahrerlaubnis nach....ohne lebensbedrohliche Konsequenzen!
Sind WIR, Grund egal, Zuhause oder im Ausland zu schnell unterwegs kostet es richtig Geld, hat den Entzug der Fahrerlaubnis und nicht selten dadurch bedingt den Entzug des Arbeitsplatzes zur Folge !!
Kein Führerschein --> Keine Arbeit --> Kein Geld --> Keine Wohnung --> ....wieder ein paar mehr im Harz 4 - Club !! Ist DAS Sinn und Zweck der Aktion?
Meine Herren Politiker, es wohnt nicht jeder in Berlin, mit einer U-Bahn, S-Bahn, Taxistand oder Buslinie vor der Haus - und Bürotüre.
Es gibt Menschen die auf ihr Auto angewiesen sind um ihren Lebensunterhalt zu verdienen!
Was ist eigentlich die Konsequenz für einen Politiker der mit 200 durch die Innenstadt fährt??
Sorry, ich hatte vergessen daß sie IMMUNITÄT geniessen, passiert also eh nichts...Knöllchen Ade !
Und gefahren wird die dicke Steuerzahlerfinanzierte Panzerlimousine eh vom immunen Chauffeur, geht Euch also nochmal nichts an...
Ich bin ein notorischer 10 - 15 km/h Knöllchensammler... mich erwischts immer wenn die Kiste irgendwo steht.
Daß es aber mal blitzt wenn mal wieder einer mit 150 km/h durch unsere Wohnstrasse heizt...das hab ich noch nie erlebt!
Und wann werden eigentlich mal DIE geblitzt die mit 70 km/h auf der linken Autobahnspur unterwegs sind ?
Ein HOCH auf unsere Politik !!
jsbach (30.01.2009, 18:08 Uhr)
In Zukunft
werden Autos ohnehin von Satelliten gesteuert. Man setzt sich rein, gibt in der Navi das Fahrtziel ein, und dann geht alles von allein. Man kann dann während der Fahrt machen, was man will: arbeiten, fenrnsehen, surfen, lesen, telefonieren, Alkohol trinken, Sex haben usw. Um Staus, Geschwindigkeit usw. kümmert sich das System. Über Geschwindigkeits- und Alkoholkontrollen braucht sich niemand mehr Gedanken machen.
Daneel (30.01.2009, 18:08 Uhr)
Englisch
"oder auch son witz wie park & ride. da war ich mal hab geparkt aber weit und breit kein pferd zum reiten da gewesen."
Also, ich bin der erste, der
englischsprachige Begriffe in
Deutschland ablehnt (German call,
Service Point, Handy, Smoking,
come in and find out, powered by
emotion usw.). Aber es stimmt
nicht, dass "Park and Ride"
schlechtes Englisch ist. One rides
the train, you know? Es ist eher
umgekehrt: auf Deutsch bezieht sich
das Wort "reiten" bzw. verwandte
Wörter in anderen Sprachen nur auf
das Pferd. In English, I can
ride a horse, but I can also ride
a train, ride a bicycle etc. Also
Kritik an Englisch in Deutschland
bitte, aber sie muss sachlich
richtig sein.
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