Formel Delbrück

17. März 2007, 07:38 Uhr

Die Westfalen sind nicht gerade als Erfinder der Schnelligkeit bekannt. Doch jetzt kommt ein ganz heißer Ofen aus Delbrück bei Paderborn: Der Artega GT. 1100 Kilo treffen 300 PS, 0 auf 100 unter fünf Sekunden.

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Was macht man, wenn kein Sportwagen-Hersteller genau das Auto im Programm hat, das man sich wünscht? Man baut es sich eben selst. "Unser Auto tritt nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung der Sportwagenwelt auf", heißt es bei dem Newcomer Artega, der auf dem Genfer Autosalon sein Erstlingswerk präsentiert. Die anderen Sportwagenhersteller dürften sich angesichts des Artega GT kaum zu einer Krisensitzung versammeln, denn die Jahresproduktion des Heckmotor-Flitzers liegt bei maximal 500 Stück.

Mit dem Bau der Fabrik in Delbrück wird man in zwei Wochen beginnen - bis zur Auslieferung der ersten Autos dürfte es also noch etwas dauern. Auch das Fahrtest-Programm sei noch nicht ganz abgeschlossen, sagt Manuel Held von der Artega Automobil GmbH. Doch das in Genf zu sehende Fahrzeug ist keine Studie, sondern schon ein seriennaher Prototyp.

Die nur 3,9 Meter lange Renn-Flunder aus Westfalen hat alles, was ein Sportwagen braucht: Eine aerodynamische Karosserie, breite Spur und niedrigen Schwerpunkt, Motor und Antrieb im Heck, eine leichte Aluminium Space-Frame-Konstruktion mit einer Karosse aus kohlefaserverstärkten Verbundwerkstoffen - und natürlich Leistung satt. Für den Vortrieb sorgt ein 3,6-Liter V6 mit 300 PS und 350 Newtonmetern Drehmoment.

Das Aggregat hat sich Artega beim VW-Konzern besorgt, wo es unter anderem im neuen Passat R36 zum Einsatz kommt. Der V6 soll den 1100 Kilogramm leichten Artega GT in weniger als fünf Sekunden auf 100 Km/h beschleunigen, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei mehr als 270 Km/h. Die Kraftübertragung übernimmt ein DSG-Getriebe.

Der Innenraum fällt im Vergleich zur traumhaft geformten Karosserie etwas ab. Schalter und Lüftungsdüsen erinnern doch arg an die Großserie. Die Handbremse wird per Kippschalter an der Mittelkonsole bedient. Ungewöhnlich ist der große Hebel für die Fensterheber, der wie eine Kurbel aussieht. Statt des Drehknopfs sitzt auf der Kurbelspitze allerdings eine Miniaturausgabe der Artega-Felge. Das sieht irgendwie nach Spielzeug aus und passt nicht ganz zum Ambiente eines Sportwagens.

Dafür gibt es ein paar nette Hightech-Gimmicks im Cockpit. Tacho und Drehzahlmesser teilen sich ein Kombi-Instrument am Armaturenbrett. Der Innenspiegel dient als wahres Multitalent: Sowohl Navigationssystem als auch die Ansicht der Rückfahrkamera werden dort eingeblendet.

Einen Kofferraum kann der Artega nicht bieten - aber hinter den Rücksitzen ist immerhin etwas Stauraum. Zwei Golfbags passen dort hinein. Damit erfüllt der Artega GT sozusagen die inoffizielle Laderaum-Anforderung für exklusive Sport-Flitzer.

Auch bei der Sicherheitsausstattung hat Artega nicht gespart. "Die Fahrgastzelle ist verstärkt, es gibt einen Überrollbügel, vier Airbags und eine verstärkte Schottwand, die den Motor vom Innenraum abtrennt", sagt Manuel Held. Auch fahrdynamische Elektronik-Systeme seien an Bord. 73.775 Euro soll der Artega GT kosten, Volllausstattung inklusive.

Viel Geld für ein Auto. Aber vergleichsweise wenig für einen Boliden mit Raritäten-Garantie. Verkaufen würden die Sauerländer den Wagen am liebsten in der ganzen Welt. Das größte Interesse rechnen sie sich aber für Europa und den nordamerikanischen Markt aus. "Wir bieten ein Konzept, das man so bei keinem anderen Sportwagenhersteller findet", meint Held.

Dass der Artega keine Bastelei von Auto-Enthusiasten ist, sondern ein ernst zu nehmender Sportwagen, war zu erwarten. Denn zur Geburt der neuen Marke hat sich eine Truppe alter Hasen der Branche zusammengetan. Die treibende Kraft ist der Automobilzulieferer Paragon, ein Spezialist für Elektronik-Systeme. Als Berater war Karl-Heinz Kalbfell tätig, der schon bei BMW, Rolls-Royce, Alfa Romeo und Maserati am Ruder saß. Der dänische Designer Henrik Fisker stand früher bei Aston Martin am Reißbrett, und für die Technik des Artega war der ehemalige Porsche-Mann Hardy Essig zuständig.

Auf der Haube des Artega GT haben die neuen Sportwagen-Macher übrigens ihren Lokalpatriotismus verewigt: Das Firmenlogo besteht aus dem Wappen der Stadt Delbrück. Leicht abgewandelt und um einen Artega-Schriftzug ergänzt.

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