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13. Mai 2009, 14:06 Uhr

Die Generation Polo

Wollte ein Literat die Gegenwart in einem Auto verdichten, hieße das Buch "Generation Polo". Längst hat der Polo den Golf in der Gunst der Käufer abgelöst. Im Schatten des großen Bruders ist der Polo in jeder Beziehung gewachsen.

VW Polo

Die Schürzenlippe wirkt bei hellen Farben etwas konturlos© Hersteller

Kleinwagen haben nicht erst seit der Abwrackprämie Konjunktur. Bei den Edel-Herstellern stottert der Motor im Jahr 2009 gewaltig, bei Volkswagen läuft er rund. Die TSI-Motoren werden rund um die Uhr produziert. Der Betriebsrat segnet Sonderschichten ab. Der Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen, Martin Winterkorn, sonnt sich in behaglicher Zufriedenheit, wenn er sich bei der Präsentation über den neuen Polo beugt. Der ist groß geworden, erwachsen sagt man.

Konzentration und Emotion

Die Liebe und Leidenschaft von der Winterkorn spricht, die in den neuen Polo geflossen seien, sind kein barocker Überschwang. Liebe zur Konzentration und Leidenschaft der Beschränkung, könnte man die Wolfsburger Gefühlswelt übersetzen. Tatsächlich fährt der Polo einem ganz anderen Ziel entgegen als die allermeisten anderen Autos. So viele andere versuchen, mit mehr oder minder opulenten Mitteln immer mehr Emotion ins Blech zu pusten. Kleinwagen werden zu Lifestyle-Nachtschwärmern aufgehübscht und oder zu Pseudo-Geländewagen, denn mit riesigen Reifen wirkt der allwöchentliche Windeleinkauf viel abenteuerlicher. Der Polo dagegen setzt auf eine pure, eine reine Formensprache, mit klaren vertikalen Linien. Umrahmt von den ausdrucksvollen Frontscheinwerfern thront vorn der konzentrierte Grill. Auch in der Rückansicht prägen die Scheinwerfer das Bild. Fünfeckig, erhaben wirken sie fast aufgeklebt auf das Metallchassis. ChiChi und Firlefanz findet man nicht, dafür echte Werte des reinen Automobilbaus. Lenkung, Fahrwerk und Schaltung arbeiten präzise und genau. Der Wagen liegt eben gerade so hart auf der Bahn, dass es nicht unangenehm wird. Das Raumangebot reicht vollkommen aus.

Das Auto des Wesentlichen

Der Polo ist die rationale Art des Autos, das auf nichts verzichtet, aber eben auch nicht von allem zu viel anbietet. In den Sitzen findet man sportlichen Platz, Raum zum Lümmeln gibt es aber nicht. Für eine vierköpfige Familie wäre der Polo möglich, aber knapp bemessen. Bei zwei und drei Personen bietet er genug von allem. Im Vergleich zum Vorgänger ist er auch tüchtig gewachsen: Drei Zentimeter mehr Breite und mehr als fünf Zentimeter mehr Länge. Er schafft so Platz für die Modelle weiter unter in den Hierachie, den Fox und die kommende Up-Familie. Ein großes Plus geht generell an die Verarbeitung. Bislang herrschte in der Klasse unterhalb des Golfes gern der Rotstift gepaart mit einer gewissen Lieblosigkeit. Dies kann man dem Polo an keiner Stelle vorwerfen. Unter Spaltmaßen und Fugen mag sich der Laie gar nichts vorstellen. Die Qualität des Polo ist dabei ganz leicht zu erfahren. Beim Probefahren den Arm aus dem Fenster legen und über die zentrale vertikale Linie gleiten lassen – danach das Gleiche bei einem anderen Wagen der Klasse probieren. Blechfalten sind eben nicht Blechfalten, der Polo legt Welten zwischen sich und manchem Mitbewerber.

VW Polo

Die markanten Leuchten konturieren das Heck© Hersteller

Mit 60 PS-Motörchen für die City und der einfachsten Ausstattung kostet der durchaus erwachsene Wagen mit zwei Türen etwa 12.000 Euro. Dafür gibt es immerhin ein ESP-System, eine geteilt umklappbare Rücksitzbank und einige Komfortzutaten – allerdings keine Klimaanlage. Das wäre die sparsamste Variante. Mit höherer Ausstattung, einem der sehr empfehlenswerten im Spätsommer verfügbaren TSI-Motoren sollte man sich auf Listenpreise von 16.000 bis 18.000 Euro einstellen. Wer möchte, kann dann auch das DSG-Getriebe hinzubestellen. Das Siebengang-Doppelkupplungstriebe lässt alle Konkurrenzangebote in der Kleinwagenklasse weit hinter sich. Der Wust an weiterem Oberklassen-Zubehör fällt beim Polo zunächst bescheidener aus als beim Golf, dafür bleibt auch der auskonfigurierte Polo im Verkaufsraum bezahlbar.

Zum Start wird es den Polo nicht mit dem 1.2 TSI-Motor geben. Als zunächst schnellstes Modell der Baureihe kommt er auf 190 km/h. Ein Motor, auf den es sich aber zu warten lohnt. Sparsamkeit und Elastizität finden nicht ihresgleichen. Der 75 PS starke 1.6 TDI ist allerdings ein noch sparsamer Vertreter. Im Mix werden 4,2 Liter angegeben. Ein realistischer Wert, denn auch bei einer sehr am Fahrspaß orientierten Fahrweise blieb der Verbrauch bei 5.5 Liter. Im Sommer soll es für den 90 PS Diesel ein Blue-Motion-Paket geben. Dann sinkt der Verbrauch auf 3,6 Liter und der CO2-Wert auf 96 g/km.

VW Polo

Die bekannten Zutaten der VW-Familie© Hersteller

VW: Eine Dimension für sich

Volkswagen ist etwas Besonderes, nur so lässt sich das pralle Selbstvertrauen der VW-Oberen erklären. Die Marke, die es wagt, ihre Fahrzeuge "Das Auto" zu nennen, ist mit gleichem Recht "Die Firma". Dem Elend der Massenhersteller, die unter dem Diktat des günstigsten Preises leben, ist Volkswagen entronnen. Ein sogenannter "Premiumhersteller", der nur noch erlesene Kreationen für die oberen zwanzig Prozent baut, ist Volkswagen aber auch nicht. VW zeigt mit dem Polo den richtigen Wagen zur richtigen Zeit. BMW und Mercedes mögen mit 5er GT, Z4, E-Klasse und hübschen Coupés vielleicht die richtigen Wagen anbieten, wenn die weltweite, erlesene Kundschaft dank Bankenrettung wieder bei Kauflaune ist, aber im Hier und Jetzt eines Deutschlands in der Krise wirken diese technischen Meisterleistungen deplaziert. Sie finden nicht die richtigen Antworten für die Zeit und haben sich ohnehin vom Großteil der Bevölkerung als Kunden abgekoppelt - schon vor der Krise.

Der Polo ist dagegen ein Volkswagen. Für den Privatkunden ist er der Golf von heute. Und noch nie wurde man von Volkswagen besser bedient. Für ein normales Einkommen ist selbst ein Polo immer noch kein Schnäppchen, aber die gebotene Wertigkeit rechtfertigt den Preis allemal. Zu Bemängeln gibt es eigentlich nichts. Nur eines konnte man mit Krabbeln, Wühlen und Verrenkungen im Innenraum entdecken, was noch zu verbessern wäre: Die Passungen für den Anschluss des IPods sehen aus wie bei einem TV-Gerät von der Resterampe. Hier hat Martin Winterkorn offenbar noch nicht nachgesehen.

Gernot Kramper
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
IchWillAuchWasSagen (14.05.2009, 16:06 Uhr)
Ganz nett, aber ...
ich bevorzuge dann doch lieber den Fabia von Skoda. Dieser ist günstiger und es gibt ihn auch als Kombi. Auerdem ist er im Prinzip ja auch ein VW.
artbond (14.05.2009, 09:26 Uhr)
Es geht mir nicht in den Kopf...
... warum jemand einen Polo kauft? Ich war letztens beim VW-Händler, der wollte doch tatsächlich 16 000€ von mir, für einen Polo! Achja, geliefert wird der aber erst in 6 Monaten...
Habe jetzt einen Japaner, gleiche Ausstattung, größerer Motor und 4000€ billger, achja konnte gleich vom Hof fahren...
tobix (13.05.2009, 20:09 Uhr)
Klar ist der Polo "der neue Golf"...
Die Modelle wachsen von Generation zu Generation, da ist es kein Wunder, dass der Polo den Golf "ablöst".
Dafür näherst sich bspw. der Golf Variant dem Passat an.
Irgendwie scheinen die Automobilfirmen ihre Modelle mit der Kundschaft mitwachsen zu lassen und schieben dann ab und zu mal ein neues kleines Modell unten rein - für die neuen Erstkäufer.
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