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5. März 2007, 09:03 Uhr

Mit der Gurke durch die Wüste

Mit dem Auto von Dresden nach Banjul in Afrika? Eine schöne Herausforderung – vor allem, wenn der fahrbare Untersatz nicht mehr als 500 Euro kosten soll und die ganze Aktion einem guten Zweck dient. Von Andrea Voigt-Neumeyer

Start ins Abenteuer: Britta Marx und Andrea Voigt-Neumeyer© Andrea Voigt-Neumeyer

"Dresden-Dakar-Banjul" – so lautet das Motto einer Charity-Rallye. Innerhalb von knapp drei Wochen versucht eine Gruppe von 22 Teams mit Ur-Alt-Gebrauchtwagen über knapp 8.000 Kilometer durch sechs Länder Banjul, die Hauptstadt Gambias zu erreichen. Dort werden die Fahrzeuge der Teilnehmer für karitative Zwecke versteigert. Im Vorjahr erzielte die erste Auflage der Rallye einen Erlös von 47.000 Euro.

700 Kilometer Pisten und Wüste

Vollbeladen mit Reisegepäck, Zelten, Lebensmittel und Ersatzteilen für die betagten Autos und Kleiderspenden und Spielzeug für Kindergärten in Schwarzafrika machten sich die Teilnehmer im Schneeregen von Dresden auf die Reise nach Banjul. Auf vielen Dachgepäckträgern waren Ersatzreifen und Reservekanister verzurrt – denn in Afrika werden 700 Kilometer auf Wüstenpisten und Wegen in der Sahelzone zurückgelegt.

Doch bis dahin ist es noch weit: Auf der ersten Tagesetappe von Dresden nach Mulhouse unweit der deutsch-französischen Grenze war erstmal das Kennenlernen unter den Teilnehmern angesagt.

"Schon mein erstes Auto war ein Lada", erklärt Gunter Jäckel, 57 Jahre, der als ehemaliger Maschinist zur See fuhr. "Ich hoffe, dass mein Lada Baujahr 1978 mich zuverlässig aus dem nebeligen Deutschland ins sonnige Gambia bringt. Ich bin besonders neugierig auf Mauretanien, vor dessen Küste ich jahrlang unterwegs war."

Das Wetter kann nur besser werden© Andrea Voigt-Neumeyer

Wozu Heizung?

Mit einem Isuzu Trooper Baujahr 1987 sind Lasse und Andi aus Aachen unterwegs. Nach der ersten Etappe von Dresden nach Mulhouse können beide über das getagte Fahrzeug scherzen. "Die ehemals 72 PS beeindrucken bei 1,7 Tonnen Leergewicht vor allem an Autobahnsteigungen", lachen sie. "Und der vom Rost zerfressene Unterboden sorgt über eine Belüftung des Innenraums."

Auch Britta Marx vom Team "Drive for Kids" wurde es auf der ersten Etappe nicht warm. Mit klammen Fingern und schlotternd vor Kälte erreichte sie Mulhouse: "Wir haben unseren Passat Kombi super für die Wüstentage vorbereitet", erklärt die TV-Journalistin, die ihr Fahrzeug für das SOS Kinderdorf in Banjul spenden will. "Aber an die Reparatur der Heizung haben wir überhaupt nicht gedacht. Bei Schneeregen hat sich das bitter gerächt. Aber in den nächsten Tagen wird das Wetter ja hoffentlich besser."

Letzte Hilfe naht

Über die französische Atlantikküste und Spanien führt die Route in den nächsten Tagen nach Algeciras in Südspanien, von dort geht es auf die Fähre nach Marokko. Entlang der afrikanischen Küste bewegt sich der Rallyetross durch die menschenleere Westsahara in Richtung Mauretanien. Dort – diesem Abenteuer fiebern die meisten Teilnehmer entgegen – geht es einige Tage lang über 700 Kilometer offroad durch die Wüste bis in die mauretanische Hauptstadt Nouakchott. Auf dieser Strecke sind Fahrer mit ihren klapprigen Fahrzeugen auf sich allein gestellt: Ohne Tankstellen, ohne Hotels und ohne Läden müssen sie in Wüstencamps zelten, auf tief ausgefahrnen Sandpisten notfalls ihre Fahrzeug wieder ausgraben und sich gegenseitig helfen. "Feststecken, so sonst niemand hinkommt", so lautet das Motto eines Teams. "Allrad ist feige", wiederum ist die Antwort der Fronttriebler-Fraktion gegenüber den Fahrer von Fahrzeugen mit vier angetriebenen Rädern.

Generation Praktikum

Über die senegalesische Hauptstadt Dakar erreicht der Rallyetross in drei Wochen Banjul in Gambia. Damit dort Ende April möglichst viele Autos für verschiedene karitative Einrichtungen versteigert werden können, setzt der Veranstalter, der Verein Breitengrad aus Dresden, ein Hilfsfahrzeug, das "Besenfahrzeug" mit geübten Mechanikern ein, die die Teilnehmer bei Pannen unterstützen können. Idealismus, Liebe zur Wüste – aber auch die Gelegenheit einer großen Tour durch Afrika in Gesellschaft. "Wir wohnen beide in der Nähe von St. Pölten", schreiben der Schlosser Thomas und die Studentin Barbara aus Österreich in ihrer Team-Beschreibung. "Und wie sich jeder vorstellen kann, erlebt man dort nicht gerade viel. Wir sehen die Rallye als Start für einen sechsmonatigen Aufenthalt in Westafrika." Während ihre Mitstreiter von Banjul Ende März nach Hause fliegen, wechseln die "Wüstlinge" – so die Teambezeichnung von Barbara und Thomas - das Verkehrsmittel: per Bus und Zug geht es nach Ghana, wo beide ein Praktikum absolvieren wollen.

Von Andrea Voigt-Neumeyer
 
 
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