14. März 2013, 09:49 Uhr

Tanken für die Hälfte

Erdgas für Autos ist sehr viel billiger als Benzin oder Diesel und wird es auch in Zukunft bleiben. Für wen sich die Fahrzeuge lohnen, und wer besser die Finger davon lassen sollte. Von Gernot Kramper

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Autos, die sparsam im Verbrauch, günstig in der Anschaffung und obendrein auch noch umweltfreundlich sind? Gibt es nicht. Irrtum! Gasbetriebene Fahrzeuge sind immer noch ein Nischenprodukt, dabei könnten sie das Mobilitätsbudget vieler Autofahrer massiv entlasten.

Und das Sparen funktioniert ganz einfach: Erdgas für Autos (sogenanntes CNG) ist billig zu haben. Ein Kilo Erdgas kostet an der Tankstelle derzeit etwa 1,07 Euro. Mit einem Kilo CNG kommt man weiter als mit einem Liter Diesel im gleichen Fahrzeug. Ein CNG-Fahrzeug hat in der Praxis nur etwa 60 Prozent der "Sprit"-Kosten wie ein Diesel, im Vergleich zum Benziner fallen 40 Prozent an. Hinzu kommt eine günstige Kfz-Steuer, denn der Erdgasantrieb produziert besonders geringe Emissionen. Der Aufpreis für den Erdgasmotor liegt bei etwa 1800 Euro gegenüber einem vergleichbaren Benziner. Diese Mehrkosten sind schnell wieder drin.

Warum werden dann nur so wenige Erdgasfahrzeuge gekauft? Einen Mangel gibt es bei ihnen: Die Reichweite ist häufig deutlich geringer als gewohnt. Ein Beispiel: Der getestete Opel Combo CNG tankt 16 Kilo Erdgas. Der Hersteller gibt eine Gasreichweite von 330 Kilometern an. Beladen sollte man eher mit 250 Kilometern rechnen. Für Vielfahrer ist das knapp bemessen. Sie müssen nach Fahrzeugen mit mehr Tankvolumen suchen. Der Zafira Tourer CNG von Opel schluckt schon 25 Kilogramm, die langgestreckte Maxi Version des VW Caddy sogar 36 Kilogramm.

Alle Erdgasfahrzeuge verfügen über einen kleinen zusätzlichen Benzintank als Reserve, damit der Fahrer auch ohne Gas weiterfahren oder an einer beliebigen Tankstelle auftanken kann. Meist gehen etwa 20 Liter Benzin hinein. Obendrein ist das Netz an CNG-Tankstellen noch so dünn, dass das Tanken geplant sein will. Große Umwege zehren den Verbrauchsvorteil das Gases auf. Ein CNG-Fahrzeug kommt daher nur für diejenigen in Frage, dessen Fahrstrecke an einer entsprechenden Tankstelle vorbeiführt.

In der Zukunft wird es mehr Fahrzeugtypen mit Erdgasmotoren und auch Tankstellen geben. Gasbetriebene Fahrzeuge helfen den Hersteller nämlich, mit geringem Aufwand die auferlegten Klimaziele zu erreichen. Dabei assistiert die Politik: CNG-Gas ist wegen einer geringen Besteuerung so viel billiger als Benzin oder Diesel. Die günstige Steuereinstufung ist derzeit bis ins Jahr 2018 festgeschrieben, aber sowohl EU-Kommission wie auch EU-Parlament plädieren auf eine Verlängerung bis zumindest 2025 oder eventuell bis 2030. So würde man auch bei einer Neuanschaffung über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs billig tanken können.

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