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26. November 2007, 12:51 Uhr

Alles hat seinen Preis - auch CO2

Jeden Tag werden in Berlin und Brüssel neue Weltrettungsvisionen ausgebrütet. Weder lösen diese Einfälle die Klimakrise, noch geben sie Kunden und Industrie die nötige Sicherheit. Dabei ist die Lösung einfach, bekannt und bewährt. Von Ferdinand Dudenhöffer

Wie man zum Klimaschutz CO2-Emissionen verringern kann, ist schon lange in der Diskussion© Karl-Josef Hildenbrand/DPA/Picture-Alliance

Fast täglich hagelt es Vorschläge, wie unsere Autos klimafreundlicher werden. Am Wochenende hat EU-Kommissionspräsident Barroso angedroht, von Autokonzernen Strafzahlungen zu verlangen, wenn sie gegen die neuen europäischen Klimaschutz-vorgaben verstoßen. Ende Oktober hatte der SPD-Parteitag die Allzweckwaffe Tempolimit auf deutschen Autobahnen gegen den Klimawandel eingefordert. Zwischen Tempolimit und Strafzahlungen hat der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein die Autobahn-Maut aus der Mottenkiste ausgekramt. Das hilft sicher auch irgendwie dem Klima. Der umtriebige Bundesumweltminister Gabriel kommt gleich mit einem Bündel an Vorschlägen. Je nach Tagesform von Gabriel sollen die Dienstwagen-Fahrer, die angeblich auf Staatskosten Gas geben, stärker besteuert werden. Oder, die heute schon kaum verständliche Kfz-Steuer soll - als CO2-Steuer umgebaut - zur Wunderwaffe werden. Mit der umgestalteten Steuer sollen die Länder ihre Steuereinnahmen erhalten, die Fahrzeuge ohne Partikelfilter aus dem Verkehr verschwinden, und natürlich - das Klimaproblem gelöst werden. Wann und wie das aussehen könnte, ist seit der ersten Ankündigung im Februar dieses Jahres unklar. Klar ist lediglich, dass die Details monatlich nach hinten verschoben werden. Einen zentralen Eckpunkt der Wundersteuer hat das Finanzministerium Anfang November schon mal ausgeplaudert. Danach sollen Pkw unter 100 Gramm CO2 Ausstoß pro Kilometer Steuerfrei sein. Dies entspricht einer Steuerersparnis zwischen 50 Euro und 100 Euro. Kein Mensch glaubt, dass man zum Preis eines Samstagvormittagseinkaufes das Käuferverhalten ändert. Fazit: Es wird keine Ruhe an der Vorschlags-Front eintreten.

Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen: Vier einfache Regeln reichen fur Verminderung des CO2-Ausstoßes© Bernd Thissen/DPA

Blindflug beim Klima ist unnötig, wenn Emissionshandel genutzt wird

Die hektische Diskussion hilft weder dem Klima noch dem Automarkt, denn die Neuwagenkäufer warten wegen der Verunsicherung erst mal ab und fahren ihre alten Schätzchen weiter. Dabei wäre es vernünftig, nicht eine deutsche CO2-Steuer zu erfinden, sondern europäisch zu agieren. Schließlich haben wir doch ein globales Problem. Die Lösung könnte so einfach sein. Das in anderen Branchen praktizierte System des Emissionshandels muss nur auf die Autoindustrie angewendet werden. Wie kann das aussehen? Vier einfache Regeln reichen aus.

Regel 1:
Jeder Autohersteller muss an einer Börse für jeden Neuwagen entsprechend seinem CO2-Ausstoß CO2-Zertifikate kaufen.
Regel 2:
Die Börse bietet so viele Zertifikate an, dass pro Neuwagen durchschnittlich 130 g CO2/km bereitgestellt werden.

Regel 3:
Für alle Fahrzeugklassen werden technische CO2-Werte (CO2-Standards) festgelegt.

Regel 4:
Die Börse verteilt das gesamte Einkommen aus dem Zertifikat-Verkauf auf die Autohersteller. Jeder Hersteller erhält Rückzahlungen gemäß den technischen CO2-Standards seiner Fahrzeuge.

Regel 1 vermeidet ein Monopol von italienischen oder französischen Autobauern beim Handel. Nicht die Autobauer verkaufen CO2-Rechte, sondern die Börse. Regel 2 garantiert die Einhaltung des Klimaziels. Wir brauchen damit kein Klimaziel für Deutschland oder Italien. Wir brauchen auch keine Strafen, falls die Autobauer die Ziele verfehlen. Das erledigt alles einfach und bequem der Markt. Als Nebenprodukt erhalten wir einen Preis für CO2. Regel 3 hilft uns, die, in der Entwicklung befindlichen technischen Standards ökonomisch umzusetzen. Dahinter verbirgt sich die Idee der Bundeskanzlerin Merkel: Der Kleinwagen muss mit weniger CO2 auskommen als das Familienauto. Die Diskussion um diese technischen Standards läuft. Einige schlagen die Fahrzeuggröße als Referenzsystem vor, die deutschen Autobauer propagieren das Fahrzeuggewicht.

Welcher Kompromiss sich auch einstellt, der CO2-Handel passt dazu. Das Salz in der Suppe ist die Regel 4. Mit Regel 4 wird das Geld aus dem Verkauf der CO2-Zertifikate den Autobauern wieder zurück bezahlt. Freilich mit einer kleinen Modifikation. Jeder erhält eine Zahlung gemäß den technischen CO2-Standards. Verbraucht also der Porsche Cayenne mehr CO2 als der Standard vorgibt, wird Porsche zum "Netto-Zahler". Verbraucht der Porsche Cayenne weniger CO2 als der vorgegebene Standard, wird Porsche "Netto-Empfänger". In diesem Falle erhält Porsche Geld dafür, dass es CO2 spart. Damit hat Porsche einen klaren Anreiz, zusätzliche Spartechnik einzusetzen. Ergebnis: Der Spritfresser wird teurer und das CO2-sparende Fahrzeug preisgünstiger. Die Autokäufer haben jetzt die richtigen Preissignale, Spritspartechnik wird verkauft und die hohen Investitionen der Autobauer in CO2-Spartechnik werden nicht zur Investitionsruine.

Die Realität: Berlin ignoriert Klima und Industrie

Und wie sieht die Realität aus? Deutschland löst das Klimaproblem "deutsch". Die CO2-Steuer kommt und kein Mensch weiß, welches konkrete Ziel sie erreichen soll. Sollen mit der Steuer alle in Deutschland verkauften Neuwagen im Durchschnitt 130 g CO2 verbrauchen oder sollen es mehr sein? Da in Deutschland überwiegend größere Fahrzeuge als in Italien verkauft werden, könnte die Frage von Interesse sein. Was passiert mit dem Autobauer, der trotz deutscher Steuer die 130 g CO2 in 2012 nicht einhält. In Frankreich wird derzeit ein System aus Strafsteuern diskutiert, das alles, was über 150 g CO2 Ausstoß hat, gnadenlos bestraft. Gute Nacht deutsche Autoindustrie. Die deutsche Lösung des Klimaproblems wird zum Problem für die deutsche Autoindustrie. Dabei wäre es so einfach, Klimaschutz und die Interessen von Autokäufern und Industrie unter einen Hut zu bringen. Alles was es bräuchte wäre europäisches Denken.

Abstimmung

Was sagen Sie zu dem Vorschlag, die Emission der Autos über eine CO2-Börse zusteuern?

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Von Ferdinand Dudenhöffer
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Raufbold (27.11.2007, 07:41 Uhr)
Glaubt hier noch überhaupt jemand, dass Politiker und Businessleute sich um die Umwelt kümmern?
Natürlich nicht. Sie wollen nur auf diesen Vorwand hin, möglichst viel Gewinn machen. Und das funktioniert! Es genügt zu sagen, unser Unternehmen ist umweltfreundlich, wie man Kohle schon kassiert. Oder als Rechtfertigungsgrund ist der Vorwand geeignet: das ist nicht umweltfreundlich, deshalb muss ihr zahlen. In Wirklichkeit haben die Steuern, Gebühren und höhere Preise nichts mit der Umwelt zu tun…
Marquis (26.11.2007, 19:33 Uhr)
"Regel 1 vermeidet ein Monopol von italienischen oder französischen Autobauern beim Handel",
weil die umwelttechnisch weiter sind, als die Deutschen,zB Rußpartikelfilter für Dieselstinker (franz. Patent) und weniger CO2 verbrauchen. Und was haben deutsche Hersteller in den letzten Jahren getan? Etwas von motorinternen Lösungen formuliert und immer glänzendere Bleche mit - im wesentlichen - immer gleicher Technik produziert - und das zu immer utopischeren Preisen...
Und wer läßt Hybrid-Autos vom Band laufen? Die Japaner und Franzosen!!
Aber es wird schon noch klappen, daß die deutsche Autoindustrie weiter beschützt wird - geht ja nicht an, daß ausländische Hersteller von ihrem Entwicklungsvorsprung profitieren..
12Cartman (26.11.2007, 19:30 Uhr)
Deutschland rettet das Klima .......
totaler Nonsens. Schon in den siebziger Jahren, gleich nach der ersten Ölkrise hätten unsere sogenannten "Politikerinnen und Politikern" aufwachen müssen. Sie hätten nämlich bemerken können, daß die Industrienationen wegen mangelnder Rohstoffreserven erpreßbar werden. Ebenso war bekannt, daß ein Großteil des Schadstoffausstoßes von "Des Deutschen liebstes Kind" - dem Auto - stammt. CO2 Reduktion, Emissionshandel, ..... alles Nonsnens. Die Herrschaften schlafen immer noch, und versuchen durch nimmer endende Abgaben und Gebühren ihr Gewissen auf Kosten der Nation zu beruhigen.
Statt neue Energien, z. B. Wasserstoff für das Auto, zu fördern, wird kräftig weitergeschlafen, oder einer gewissen Lobby das Händchen ganz lieb gehalten.
Damen und Herren: Schlafen Sie weiter !!!!
auenschwob (26.11.2007, 18:25 Uhr)
Heuchlerische Politiker
Die Polit-Lobbyisten sind daran interessiert, daß Gesetze geschaffen werden, durch die der Verbraucher zu höherem Konsum gezwungen wird. Z.B. sollen durch eine Neuregelung der Kfz-Steuer die Autofahrer gezwungen werden, schneller neue Autos zu kaufen. Obwohl dies die grösste Umweltbelastung darstellt (Neubau von Autos verbraucht Rohstoffe, Energie, erhöht den CO²-Ausstoss, was geschieht mit den Altfahrzeugen? usw.), springen unsere Politiker darauf umgehend an. Sie dokumentieren damit überdeutlich, wessen Interessenvertreter sie in Wirklichkeit sind. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sind.
H.P. (26.11.2007, 17:40 Uhr)
Zusammenhänge
Wenn man kein Interesse daran zeigt wie die Welt wirklich ist, muss man mit all dem Unsinn leben. Als ob alles nur am CO 2 liegt um die Klimaveränderung aufzuhalten ist reine Spekulation, es gibt so viele Zusammenhänge die wir noch nicht kennen und auch nicht kennen lernen wollen. Aber der Mensch weiß ja mehr als die Natur.
Es müsste heute unbedingt ein Gesamtbild der Welt erarbeitet werden. Es gibt so viele Theorien und Meinungen wo am Ende keiner mehr weiß was nun wirklich ist
Wie sollen die Nationen der Welt sich einig werden um zu handeln, geschweige der einzelne Mensch der verunsichert ist, wenn selbst die Wissenschaftler keine einheitliche Meinung dazu haben.
Die machen uns alles kaputt in ihrem Wahn als Retter der Welt. Erst wenn wir verstehen lernen wie die Welt wirklich ist und wer wir selbst sind, werden wir verstehen was uns hilft, alles andere können wir vergessen. Doch bis der Mensch das versteht hat er sich selbst vernichtet. Schade um um die Kinder, denen hätte ich eine bessere Welt gewünscht.
Amin42 (26.11.2007, 17:13 Uhr)
"Alte Schätzchen"SIND aber umweltfreundlich....
weil sie bereits produziert sind. Oder entsteht durch die Produktion von neuen Autos etwa kein CO2?? Der Irrglaube, ein Heer neuer Autos löst unser Klimaproblem ist allein schon dedswegen völlig absurd, da die alten, dann verkauften Autos z.B. in Rumänien oder Nordafrika weiterfahren. Und gehören diese Länder nicht zum Weltklima?? Sehr geschickt hat die Autolobby die Klimadiskussion genutzt, um ihren kränkelnden Neuwagenabsatz von neuen, schweren, komplizierten und DURSTIGEN PKW zu forcieren, die allesamt am Bedarf des Privatkäufers vorbeikonzipiert sind, da ja 62% der Neuzulassungen eh nur noch Firmenwagen sind. Mit Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung hat dies alles nichts mehr zu tun. Wird Zeit, dass es auch keiner mehr glaubt
stwberlin (26.11.2007, 16:34 Uhr)
@Skarrin
Für Elektroautos müssten natürlich gar keine CO2-Emmissionsrechte erworben werden, weil diese vom Stromanbieter gekauft werden müssen. Auch hier würde es also der Markt richten !
mcgrasi (26.11.2007, 16:32 Uhr)
müll deluxe
#1 klimaschutz in allen ehren, aber der pkw-verkehr produziert nur einen teil des co2. und europa auch nur einen teil des weltweiten co2. und wir werden auch nur einen teil des co2 durch irgendwelche massnahmen einsparen können. da wäre es sinnvoller, den chinesen oder indern effiziente kraftwerke zu bauen.
#2 ein porsche cayenne wird als statussymbol gekauft. er ist zwar ein geländewagen - aber die meisten werden nicht mal feldwege zu sehen bekommen. und wenn der cayenne dank co2-zertifikat 2000 euro teurer wird, juckt das keinen käufer. wenn porsche den cayenne aber um paar kilos leichter macht und co2-sparsamer, dann sollen die anderen dafür löhnen, dass er nur noch 20 statt 25 ltr verbraucht?
Unschuld (26.11.2007, 16:26 Uhr)
Noch mal zum mitschreiben ...
wieviel % waren Industrieabgase an dem Klima CO2 Problem beteiligt ? Und wieviel % davon sind Autoabgase ? Die letzte japanische Studie über die Abgasentwicklung einer einzigen Kuh haben da doch eine deutliche Sprache gesprochen. Oder geht es hier nur um neue Methoden des Geldverdienens (ablasshandel mit CO2)
Dann bedenkt mal bitte, wann der einzelne Mensch als CO2 Produzent an der Reihe ist. Dieser Artikel yeigt die "Dümmlichkeit" typisch deutscher Diskussionen ! Wer mit dem Auto kein CO2 produzieren will braucht kein Ablasssystem sondern tech. Alternativen. Die gibt es, aber gerade die deutsche Industrie tut sich da ja besonders schwer !!! In Zukunft nur noch japanische Dienstwagen und es geht alles wie von selbst ... (und mit den eingesparten Professurstellen der Autolobby ist endlich genug geld fuer sinnvollen Fortschrit da)
Ingo Lange
tibopa (26.11.2007, 14:49 Uhr)
CO 2
Die Politiker haben immer noch was wo Sie Abzocken können. Jetzt kommt auch noch der Kaminofen Steuer. Die 9,5% muss von der Bevölkerung Finanziert werden. Kommt auch noch der Personen ruß filter am Hintern. Personen unter 75 Kilo bekommen ein 5 Kilo Schweres über 75 ein 10 Kilo Schweres Filter auf dem Rücken. Deutschland versinkt langsam für die Klima Rettung Wahnsinn. Die Retter der Welt können den Hals nicht voll kriegen mit Abzocke. Außerdem wird der Bayrische Tanktourismus Immer vorgetragen! Keine redet darüber, dass die Niederländer in Deutschland Tanken.
Dies bringt für anderer Bundesländer Ausgleich in der Finanzkasse.
Empfehlung: Weiterzocken!
Wenn dann knallt ich denke in Deutschland knallt es richtig.
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