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20. November 2009, 08:50 Uhr

Google macht das Netz zum PC

Schnell an, leicht zu bedienen: Google hat sein eigenes Betriebssystem vorgestellt. "Chrome OS" soll das Internet zum PC machen. Wolkiges Versprechen - oder eine Revolution? Von Karsten Lemm, San Francisco

Google, Chrome OS, Betriebssystem

Das Logo von Chrome OS wird zunächst nur auf Netbooks erscheinen© Jens Büttner/DPA

Für immer mehr Menschen spielt sich das digitale Leben weitgehend im Internet ab: Freunde finden bei Facebook, Fotoschau in Flickr, telefonieren via Skype, fernsehen bei Youtube, einkaufen, Reisen buchen, E-Mail schreiben - und natürlich Informationen finden. All das möchte Google, der populärste Suchmaschinen-Betreiber im Netz, künftig auf Rechnern möglich machen, die kein herkömmliches Betriebssystem mehr besitzen. Statt Windows, Macintosh OS X oder Linux soll das "Chrome OS" den Takt vorgeben: Googles eigene Basissoftware, bei der sich alles ums Internet dreht.

"Viele hundert Millionen Menschen leben weitgehend online", sagt Sundar Pichai, Google-Vizepräsident und Projektleiter. "Ich selbst verbringe praktisch meine gesamte Zeit im Browser." Um diesem Lebenswandel gerecht zu werden, müsse etwas ganz Neues her, argumentiert Google, denn Firefox & Co. seien nicht mehr als Kompromisslösungen, geboren in der Kreidezeit des Internet, und traditionelle Betriebssysteme für das reine Online-Leben weitgehend überflüssig. Wer braucht noch eine Festplatte, die vom Rechner verwaltet werden muss, wenn sich alle Daten ohnehin im Netz befinden, bei Hotmail, Myspace oder Google Docs?

Browser mit Bildschirm

Gemeinsam mit Hardware-Partnern will Google deshalb Ende nächsten Jahres Mini-Laptops - so genannte Netbooks - auf den Markt bringen, die allen Ballast abwerfen und im Grunde nicht mehr sind als ein Browser mit Bildschirm, Tastatur und etwas Elektronik drum herum. Am Donnerstag zeigten die Entwickler in der Google-Zentrale im Silicon Valley, wie das aussehen könnte: Sieben Sekunden nur braucht das Chrome OS, um den Rechner zu starten, anschließend ist das Netbook bereit zum Surfen. Selbst das allerdings ist den Programmierern noch zu lang. "Wir wollen, dass es wie beim Fernseher ist: Knopf drücken, und schon ist das Gerät bereit", sagt Pichai.

Im Gegenzug gehen Netbooks mit Chrome OS einen radikalen Schritt weiter als bisherige Mini-Laptops: Sie besitzen keine Festplatte und kein DVD-Laufwerk mehr, sondern lediglich Flash-Speicher; und sie werden auch keine traditionelle Software nutzen können - weder Word, Excel oder PowerPoint, noch Photoshop, iTunes oder eine der vielen Millionen anderen Anwendungen, die es für herkömmliche Betriebssysteme zu kaufen gibt. "Unser Ansatz für den Umgang mit Computern ist ein grundlegend anderer", sagt Pichai. Denn statt auf Programme, die eigens für das jeweilige Betriebssystem geschrieben werden müssen, wie es bisher der Fall ist, setzt Google rein auf Internet-Anwendungen: Vom Roman-Schreiben über Musikmachen und Video-Chat bis hin zu 3D-Spielen - alles soll künftig im Browser ablaufen. "Wir arbeiten hart daran, dass Web-Anwendungen genauso funktionieren wie jedes andere Programm", sagt Pichai.

Und Google ist nicht allein: Etliche Anbieter stürzen sich derzeit darauf, das Internet zu einem gigantischen virtuellen Rechner zu machen, der irgendwo über den Wolken schwebt und jederzeit angezapft werden kann, um Informationen abzurufen und Dinge zu erledigen, für die bisher teure Programme auf dem eigenen PC benötigt wurden. Dennoch sind die Netzrechner nicht als Allround-Computer gedacht. "Es wird Dinge geben, für die sich diese Maschinen nicht gut eignen", räumt Sundar Pichai ein und nennt als Beispiel intensive Büro-Arbeit: "Wenn Sie als Anwalt den ganzen Tag damit beschäftigt sind, Verträge auszuarbeiten, ist solch ein Rechner nicht das Richtige für Sie." Zunächst setzt Google daher ganz auf den boomenden Markt der Netbooks, die hauptsächlich als Mobilrechner für unterwegs dienen. Während der Absatz mit anderen Computern stagniert, können sich die Hersteller der ultraleichten Internet-Laptops vor Nachfrage kaum retten: Im zweiten Quartal verzeichneten sie weltweit ein Umsatzplus von 264 Prozent, meldet der Marktforscher Displaysearch.

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