. .
Online-Neuigkeiten und Internet-Trends
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
28. Januar 2009, 11:26 Uhr

Gipfel zwischen Angst und Aufbruch

Bei der hochkarätig besetzten Internet- und Wirtschaftskonferenz DLD in München wechselten Internetfirmen im Wachstumsrausch ab mit Wissenschaftlern, die schwarz sehen. Von Dirk Liedtke

DLD, Digital, Life, Design

Internet-Unternehmerin Esther Dyson bekam von Maria Burda-Furtwängler den "Aenne Burda Preis" verliehen© Sean Gallup/Getty Images

"Gier und Angst sind die Triebfedern des Kapitalismus", sagt der Merck-Manager Stefan Oschmann. Das ist nicht neu, aber wahr. Bei der diesjährigen Konferenz DLD (Digital Life Design) des Burda-Verlages ("Focus", "Bunte", "Chip") liegen beide Affekte wie zwei Sorten Raumspray in der Luft, mal dominiert die Furcht, mal die Euphorie die Riechnerven.

Die Gästeliste ist zwar aus Platzgründen im Vergleich zum Vorjahr reduziert, aber von der gleichen Sorte Leute bevölkert: Manager wie Werber Holger Jung (Jung von Matt), Medienleute wie der Zeitungsverleger Dirk Ippen und der ehemalige Gruner+Jahr-Chef Gerd Schulte-Hillen, Internet-Investoren wie Oliver Samwer (Alando/Ebay, Jamba, Facebook) und Stefan Glänzer (Ricardo, Last.fm) und Start-Ups, die auf deren Geld scharf sind. Als Haupt-Attraktionen locken prominente Unternehmer und Manager aus dem Silicon Valley, angerichtet mit sexy Künstlern und Architekten. Zur opulenten DLD-Party im Haus der Kunst kommen auch Party-Promis wie Verona Pooth und Jenny Elvers-Elbertzhagen und C-Promis wie die ehemalige n-tv- und Super-Illu-TV-Moderatorin Eve-Maren Büchner, die ihre Karriere einst mit einem inszenierten Busen-Lupfer in der Harald-Schmidt-Show startete.

Im Internet schlägt DLD hohe Wellen: da wird in Echtzeit gebloggt, teils offiziell unter Aufsicht des veranstaltenden Verlags Hubert Burda Media. Zahllose Twitter-Nachrichten plappern nach oder kommentieren, was gerade diskutiert wird. Viele Diskussionen laufen live im Netz als Videostream und lassen sich auch hinterher noch abrufen. Fotos werden natürlich auch reichlich geschossen, und bei Flickr und anderen Seiten hochgeladen. Diese geschlossene Veranstaltung, die Manager, Investoren, Vordenker, Wissenschaftler und Medienleute "nur auf Einladung" besuchen dürfen, ist so erfreulich offen. Nur die Gespräche in den zahlreichen Kaffeepausen oder bei Dinners im kleineren Kreis bleiben wirklich vertraulich.

Für Glamour mit Grips sorgt Verlegergattin Maria Burda-Furtwängler, bekannt als spröde Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm. In ihrer Rolle als Gattin und Mutter zweier hübscher Teenager, die auch neben Papa und Mama in der ersten Reihe sitzen und als Moderatorin einer Runde zum Thema "Women Power", auf deutsch Frauenpower, macht Furtwängler eine Bella Figura. Sie ist schön, schlau und charmant - und ihr Oxford-Englisch hat nur einen Schönheitsfehler: die Worte "Woman" und "Women" klingen bei ihr fast gleich. Das fällt auf, weil Englisch die Konferenzsprache ist.

Die promivierte Medizinerin Burda-Furtwängler berichtet von einer Reise nach Kalkutta, wo sie im Auftrag der Organisation "Ärzte für die dritte Welt" einer Witwe begegnete, die zwei Kinder an Tuberkulose verloren hat. Auf dem Podium sitzen neben zwei Vorzeigeunternehmerinnen aus Mexiko und Frankreich auch die Post-Managerin Monika Wulf-Matthis und die FDP-Politikerin und Dreifach-Mutter Silvana Koch-Mehrin.

Gebeutelt von der Krise

Das Mediengewerbe, also Burdas Geschäft, wird nicht nur von der akuten Krise sondern auch von langfristig schrumpfenden Zeitschriftenverkäufen und weniger Anzeigen gebeutelt. Im Internet klicken zwar viele Menschen auch Burda-Angebote an, aber das Geld kommt woanders her: "Ohne die lukrative Reisebewertungsseite Holiday-Check könnten wir 'Focus online' nicht finanzieren", sagt Burda offenherzig. Als er den "Aenne Burda Award", einen Business-Bambi für verdiente Geschäfsfrauen, an die Internet-Unternehmerin Esther Dyson verleiht, erinnert sich Burda wehmütig an goldene Zeiten: "In Russland haben wir 1987 3 Millionen Hefte Burda Moden verkauft, heute sind es nur noch 350.000."

DLD, Digital, Life, Design

Telekom-Chef René Obermann kam leger ohne Schlips© Sean Gallup/Getty Images

Traditionellen Medien müssen sich schnell neue Ideen einfallen müssen, sonst gehen sie unter - so lautet das lapidare Fazit der Verlags-Managerin Carolyn McCall von der englischen Tageszeitung Guardian: "Eine Zeitung zu drucken und dazu eine Website zu bestücken ist auf Dauer kein tragfähiges Geschäftsmodell." Andere Geschäfte finanzieren bei der renommierten liberalen Zeitung das traditionelle Geschäft. Sonst könnte es sich der "Guardian" nicht leisten, 180.000 Pfund pro Jahr für einen Irak-Korrespondenten auszugeben. Subjektive Blogger und Leserkommentare zu Artikeln im Netz können traditionellen, professionellen Journalismus nicht ersetzen, glaubt die Medienfrau: "Für die politische Entscheidungsfindung ist er unerlässlich." Das mag stimmen, aber die Diskussion hatte aus Sicht traditioneller Verlage etwas vom Pfeifen im Walde.

Ein Horrortrip, ein Schrecken ohne absehbares Ende ist alles Debattieren über die Weltwirtschaft. Schwindelerregend hohe Zahlen nennt der Chef des Finanzholding Apax, Martin Halusa: "Weltweit stehen 60 Billionen realen Werten und 70 Billionen an addierten Sozialprodukten rund 240 Billionen an Finanzprodukten gegenüber." Durch den Immobilien- und Finanzcrash seien davon 30 Billionen bereits verschwunden. Aber durch Deflation würden noch viele weiteren Milliarden aus dieser schiefen Bilanz getilgt werden. Ach ja, und wenn dieser Prozess beendet sei, drohe eine Hyperinflation. Ein Szenario zum Fürchten.

"Nichts wird mehr sein wie zuvor"

Auch wenn der Finanzmann überzeugt ist, dass die kapitalistische "Maschine wieder anspringt - dieses oder nächstes Jahr", wird nichts mehr sein wie vorher. Das bestreitet keiner der angereisten Experten. "Strukturelle Veränderungen" sagt auch die Eu-Wettbewerbskommisarin Viviane Reding voraus. Ähnlich wie US-Präsident Obama setzt sie auf Investitionen in innovative Technologien zum Umweltschutz und alternative Energiegewinnung als Konjunkturspritze.

  zurück
1 2
 
 
 
Partnerangebot Der stern.de-DSL-Vergleich Der stern.de-DSL-Vergleich Sparen bei DSL-Flatrates

Mit einem DSL-Tarif-Vergleich finden Sie einfach und schnell den zu Ihnen passenden Anbieter. Kostenlos, schnell und sicher! mehr

 
 
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft