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DVB-T2 startet heute: Das müssen Sie wissen

Deutlich mehr Programme, dazu eine bessere Bildqualität: Seit heute ersetzt DVB-T2 weitgehend den alten Standard DVB-T - und läutet damit ein neues Zeitalter im Antennenfernsehen ein. Das müssen Nutzer jetzt wissen, um nicht in die Röhre zu gucken.

Seit Mitternacht ist es soweit: Das Signal von DVB-T wurde auf den neuen Standard HD umgestellt. Die Änderung betrifft Millionen TV-Zuschauer, die über Antenne fernsehen. Antworten auf die wichtigsten Fragen finden Sie hier. 

Wer ist von der Umstellung betroffen?

Bundesweit schauen rund vier Millionen Haushalte Antennenfernsehen. Diese Zuschauer mussten sich auf den Wechsel zum Nachfolgestandard DVB-T2 HD vorbereiten. Die Übertragungswege über Kabel oder Satellit sind nicht betroffen.

In einer Umfrage von Kantar Emnid im Auftrag des Online-Händlers Reichelt Elektronik gab mit 79 Prozent der Großteil der Befragten an, TV primär über Satellit und Kabel zu schauen. Jeder achte Befragte nutzt DVB-T jedoch für ein Zweitgerät, dieses kann ein Fernseher, ein Notebook oder ein Tablet sein. 

Welche technischen Maßnahmen sollten Verbraucher ergreifen?

Um die Signale auch weiterhin empfangen zu können, sind bisherige DVB-T-Receiver als Empfangsgeräte nicht ausreichend. Benötigt wird eine externe Set-Top-Box oder ein neuer Fernseher mit integriertem DVB-T2-Empfangsteil. 

Warum erfolgt der Systemwechsel?

Der Wechsel von DVB-T zu DVB-T2 macht die Kompression von Bildinformationen möglich. Aufgrund der Veränderung der technischen Standards können mehr Programme in besserer Qualität über ein begrenztes Frequenzspektrum ausgestrahlt werden. Nach Branchenangaben ist die Umstellung zum einen eine Reaktion auf eine Frequenzreduzierung durch den Staat, zum anderen entspricht sie den Zuschauerwünschen nach Übertragungen in höherer HD-Qualität.

Wie steht es nun um die Programmvielfalt?

Der große Unterschied im Vergleich zu DVB-T: Verbraucher stehen vor der Entscheidung, ob sie nur das öffentlich-rechtliche Programm oder auch private Sender empfangen wollen. Für ProSieben, RTL und Co. müssen sie dann jedoch ab jetzt extra zahlen.

Welche Zusatzkosten enstehen durch die Umstellung? 

Für den Empfang von privaten Fernsehprogrammen ist ein zusätzliches Freischaltmodul notwendig. Dieses kostet rund 80 Euro. Im Preis ist ein Nutzungsgutschein für drei Monate ab Aktivierung enthalten, anschließend wird bei dem von den privaten Sendern beauftragten Dienstleister Freenet TV die Jahresgebühr von 69 Euro für den weiteren Empfang fällig. Soll das gleichzeitige Schauen von privaten Sendern auf mehreren Geräten im Haushalt möglich sein, muss die Entschlüsselungstechnik für jeden Fernseher gezahlt werden. In der Kantar-Umfrage gaben allerdings 75 Prozent der Befragten an, dass sie nicht bereit sind, für eine höhere Auflösung extra zu zahlen.

DVB-T2 Karte mit Empfang

Übersicht: Die Karte zeigt, wo der neue Standard DVB-T2 seit heute zu empfangen ist und wie das Sendernetz bis Herbst 2018 ausgebaut werden soll. Eine detailierte Übersicht finden Sie hier.


Kunden waren lange uninformiert

Die Umstellung auf DVB-T2 hatte sich offenbar lange noch nicht wirklich rumgesprochen. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Zeitschrift "TV-Spielfilm" wussten 60 Prozent der Fernsehzuschauer noch im August 2016 nichts von dem Nachfolgestandard. In vielen Haushalten dürften Antennen-Fernseher auch als Zweit- oder Drittgerät genutzt werden. "Was wir vermeiden wollen, ist, dass es in den Elektronik-Shops zu Engpässen und Gedränge kommt", sagt Stefan Schinzel vom Serviceprovider Media Broadcast, der den Umstieg für die TV-Sender organisiert. 

Das Unternehmen Vodafone war mit seinem Werbeschreiben jedoch deutlich übers Ziel hinausgeschossen, wie die Bundesnetzagentur zum Jahresbeginn festgestellt hatte. Weil man Briefe und Postkarten mit amtlich anmutendem Eindruck an (potenzielle) Kunden verschickt und die Empfänger darin unter Fristsetzung zu einer telefonischen Kontaktaufnahme aufgefordert hatte, warf die Aufsichtsbehörde der Firma Verbrauchertäuschung und "dubiose" Werbemethoden vor. Möglicherweise auch aufgrund der angedrohten Strafzahlung von 20.000 Euro stellte Vodafone die Zustellung der Schreiben daraufhin ein. Durch Stil und Aufmachung hätten die Unterlagen "Kunden offensichtlich eher verwirrt, anstatt sie transparent über unsere Leistungen aufzuklären", räumte ein Sprecher ein.

Sechs Programme in DVB-T2 HD bereits seit 2016 im Testbetrieb

Mit der Umstellung wird es erstmals möglich sein, Fernsehen über Antenne in HD-Qualität zu empfangen. Und das, obwohl die für terrestrisches Fernsehen verfügbaren Frequenzen knapper werden. Denn ein Teil wurde über die sogenannte Digitale Dividende für mobiles Breitband-Internet umgewidmet. "Das alte Frequenzband ist bereits an Mobilfunkunternehmen versteigert worden", sagte Schinzel. Mit dem neuen Standard werden die Frequenzen nun deutlich effizienter genutzt. Ergebnis: Bis zu 40 Programme können in verbesserter Qualität ausgestrahlt werden.

In ersten Ballungsgebieten waren sechs Programme in DVB-T2 HD bereits seit vergangenem Mai im Testbetrieb verfügbar: ARD, ZDF, RTL, ProSieben, SAT.1 und VOX. Wer das Signal empfangen will, benötigt eine entsprechende Settop-Box, die auch die neue, datensparsamere Videocodierung HEVC unterstützt. Insgesamt bieten derzeit 24 Hersteller solche Geräte an, die auch das alte Signal noch empfangen. Manche neuen Fernseher-Modelle können DVB-T2 auch direkt ohne Zusatzbox empfangen. Ein grünes Logo der Industrie mit dem Schriftzug DVB-T2 HD soll alle kompatiblen Geräte auszeichnen. Nach Angaben der gfu (Gesellschaft für Unterhaltungselektronik) unterstützen bereits 900 Geräte wie Fernseher, Settop-Boxen und Antennen den neuen Standard.

Steigende Kosten könnten Verbraucher abschrecken

Die Umstellung auf DVB-T2 könnte für viele Zuschauer Anlass sein, über einen Wechsel der Empfangsart nachzudenken, schätzen etwa die Anbieter des TV Spielfilm. Die Kosten für den Empfang privater Sender belaufen sich in Zukunft auf 5,75 Euro im Monat. So mancher Streaming-Anbieter reibt sich deshalb bereits die Hände.

"Wir erwarten einen signifikanten Anteil von Leuten, denen der Kauf einer neuen Box und dazu noch eines Rubbelloses zu viel Aufwand ist", sagt Jörg Meyer vom Streaming-Anbieter Zattoo. Allein in Berlin würden 21 Prozent der Haushalte als DVB-T-Haushalte gelten. "Ein nicht unerheblicher Teil der Zuschauer wird zum TV-Streaming wechseln", ist sich Meyer sicher.

Streaming-Anbieter gewinnen an Bedeutung

Die technische Erreichbarkeit für Streaming-Anbieter steige deutlich an mit neuen internetfähigen Fernsehern sowie mit Geräten wie Amazons Fire TV oder Apple TV. Die großen Trends des zeitversetzten und geräteunabhängigen Fernsehens könnten von klassischen Verbreitungswegen ohnehin nicht erfüllt werden, sagte Meyer.

Zuletzt ermittelte auch der Digitalverband Bitkom, dass Streaming dem klassischen Fernsehen langsam zwar, aber stetig die Bedeutung entzieht. Vor allem bei den jüngeren Nutzern steht demnach das lineare Fernsehen immer weniger hoch im Kurs. Und wer Streaming einmal ausprobiert hat, könne eher auf das klassische Fernsehen verzichten. In einer Umfrage gaben 35 Prozent der Streamer an, das lineare Fernsehen komplett gegen Video-Streaming eingetauscht zu haben.

DVB-T2-Angebot als Ergänzung zeitversetzter Dienste

Auch Anbieter wie MagineTV, Waipu.tv, TV-Spielfilm oder Elgatos EyeTV dürften sich einiges von der möglichen Verunsicherung der Verbraucher versprechen. Durch die Umstellung auf DVB-T2 werde die ohnehin gesteigerte Nachfrage 2017 weiter befeuert, schätzt Michael Decker, Geschäftsführer von Geniatech Europe. Die Tochter des chinesischen Konzerns aus Shenzhen hatte den EyeTV-Hersteller Elgato Anfang des Jahres übernommen. Die Streaming-Anbieter setzen zudem auf den Vorteil, dass über die IP-Leitung das Fernsehsignal auch auf mobilen Geräten wie Smartphone oder Tablet verfügbar ist.

Ab Ende März will Freenet TV jedoch mit "Freenet TV Connect" jedoch ebenfalls auf das Internet setzen. Das Angebot soll die über DVB-T2 verfügbaren Kanäle mit weiteren Programmen über das Internet ergänzen. "Wer heute Dienste wie Netflix nutzt, nutzt auch überproportional Antennenfernsehen", sagte Schinzel. Das DVB-T2-Angebot verstehe sich als Ergänzung für Nutzer, die heute schon interaktive und zeitversetzte Dienste nutzen.

fri/mod/rös/DPA/AFP

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