Ginseng (Panax ginseng) beziehungsweise die Wurzel der Staudenpflanze wird seit mehr als 5.000 Jahren in Ostasien als Universalheilmittel verwendet. Alternativ - weil preiswerter - wird auch der Sibirische Ginseng (Taigawurzel, Eleutherococcus) eingesetzt. Ginseng ist ein pflanzliches Arzneimittel und wird als Tonikum, in Kapseln und Pastillen allein oder zusammen zum Beispiel mit Gelée Royale oder Vitaminen verkauft. Zunehmend findet Ginseng aber auch Verwendung in Lebensmitteln wie Wellnessdrinks und Nahrungsergänzungen.
Die Pharmazie ordnet Ginseng in die Gruppe der Adaptogene ein. Diese Stoffe sollen die Anpassungsfähigkeit des Organismus gegenüber inneren und äußeren Störungen verbessern. Die Ergebnisse der wenigen wissenschaftlichen Studien zeigen keine relevante Förderung der körperlichen oder geistigen Leistungskraft insbesondere bei älteren Personen. Zur Immunstimulation gibt es widersprüchliche Ergebnisse.
In der vorgeschriebenen Gebrauchsinformation wird als Anwendungsgebiet für das Tonikum die Stärkung und Kräftigung bei Müdigkeits- und Schwächegefühl sowie nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit angegeben. Als Dosis werden 100 bis 300 Milligramm eines auf Ginsenoside standardisierten Trockenextrakts beziehungsweise ein bis zwei Gramm Ginsengwurzel empfohlen.
Bekannte Nebenwirkungen: Durchfall, Hautreaktionen, Bluthochdruck, östrogenartige Wirkungen und psychische Veränderungen. Ginseng darf bei Diabetes mellitus nicht beziehungsweise nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Da Ginseng auch noch nach Tagen in Wechselwirkung mit anderen Medikamenten, zum Beispiel bei Mitteln zur Blutgerinnungshemmung, treten kann, sollten Arzt und Apotheker über die Ginseng-Einnahme informiert werden, wenn regelmäßig Medikamente - auch nicht verschreibungspflichtige - eingenommen werden. Ginseng sollte mindestens eine Woche vor Operationen abgesetzt werden. Er darf maximal drei Monate eingenommen werden, dann sollte eine Pause von mindestens einem Monat erfolgen.
Ginseng-Arzneimittel sind frei verkäuflich erhältlich. Lediglich Mittel, die auch der Rekonvaleszenz dienen, sind apothekenpflichtig.
Gebrauchshinweise unbedingt beachten! Da zum Teil Fälschungen angeboten werden, sollte Ginseng nur aus vertrauenswürdiger Quelle bezogen werden. Ginseng ist in Lebensmitteln wie Wellness-Getränken für eine Wirkung meist viel zu gering dosiert, Mengenangaben müssen nicht gemacht werden, wenn der Stoff lediglich als Aroma zugesetzt wird. Außerdem gibt es keine Vorschriften über die Art - und damit Wirksamkeit - des Extrakts wie bei Arzneimitteln. In der Regel bedeutet das: Sie geben viel Geld aus, aber die Wirkung bleibt aus.
Volker Clausen und Angela Clausen