Melatonin ist ein körpereigenes Hormon. Es wird in der Zirbeldrüse im Gehirn aus Serotonin gebildet - vor allem in der Dunkelheit, deshalb sind die Melatonin-Spiegel des Nachts höher als tagsüber. Das Hormon steuert den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers. Mit zunehmendem Alter wird weniger Melatonin produziert. Unklar ist aber, ob dieser Rückgang Ursache oder Folge des Alterns ist.
Melatonin ist schlaffördernd, weswegen es gern illegal zur Verkürzung des Jetlags angeboten wird. Eine Anti-Aging-Wirkung und die Vorbeugung vor im Alter häufigen Erkrankungen wie Krebs, Alzheimer, Depressionen, Herz-Kreislauf-Problemen und Sehstörungen - genauer: des Katarakts - sind lediglich aus Tierversuchen abgeleitet, bei denen die Tiere einem künstlichen Melatoninmangel ausgesetzt wurden.
Die unkontrollierte Einnahme ist mit nicht kalkulierbaren Risiken verbunden, zumal es keine guten Langzeit-Untersuchungen gibt. Nebenwirkungen könnten das Zentralnervensystem, das Herz-Kreislauf-System, den Zuckerstoffwechsel oder auch das Immunsystem betreffen. Bekannte Nebenwirkungen sind zu niedriger Blutdruck, Albträume, Schlafstörungen und Bauchschmerzen. Außerdem könnten Konzentrationsvermögen und Aufmerksamkeit leiden, die Fahrtüchtigkeit ist dann beeinträchtigt. Da der Körper das Melatonin von außen zugeführt bekommt, könnte er möglicherweise die eigene Produktion einstellen. Probleme mit Melatonin könnte es auch für Epileptiker und Parkinsonkranke und bei Einnahme von Blutgerinnungs-Hemmern geben.
Seit Januar 2008 ist Melatonin in der EU ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel gegen bestimmte Schlafstörungen. Melatonin gibt es zwar auch als Nahrungsergänzungs-Mittel aus Übersee, diese Produkte sind aber europaweit illegal. Wer von einem solchen Angebot, zum Beispiel aus dem Internet, Gebrauch machen will, sollte bedenken, dass es keine Qualitätssicherung gibt, die Produkte Fälschungen sein können, man keine Haftungsansprüche bei eventuellen Schäden hat und der Zoll die Ware beschlagnahmen darf.
Volker Clausen und Angela Clausen