Aloe vera ist ein in der Wüste wachsendes Liliengewächs. Die Pflanzen für hier verkaufte Produkte - meist Aloe vera Barbadensis Miller - stammen überwiegend aus den USA, Mittel- und Südamerika, Spanien und Australien. Saft (Gel) wird aus den dickfleischigen Blättern der Pflanzen (ganz oder geschält) gepresst. Bittere und abführende Stoffe (Anthrachinone) müssen sorgfältig abgetrennt werden, wobei es zu einem Wirkstoffverlust kommen kann. Der frische Saft ist sehr empfindlich gegenüber Sauerstoff, muss also stabilisiert beziehungsweise konserviert werden, zum Beispiel mit ätherischen Ölen oder Antioxidantien wie Vitamin C, Kaliumsorbat (E 202) oder Natriumbenzoat (E 211).
In den Blättern wurden - in geringer Konzentration - mehr als 200 verschiedene Inhaltsstoffe nachgewiesen. Die meisten dieser Stoffe sind auch in heimischem Obst und Gemüse enthalten. Ausgelobtes Vitamin C stammt nicht aus der Aloe vera, sondern wurde als Konservierungsmittel zugesetzt.
Aloe vera wird traditionell äußerlich zur Hautpflege (Antifaltencreme) und für eine beschleunigte Wundheilung bei oberflächlichen Wunden eingesetzt. Zu den wundheilenden Wirkungen liegen allerdings widersprüchliche Ergebnisse aus der Forschung vor. Innerlich wurde es früher als Abführmittel verwendet. Die stark abführend wirkenden Anthrachinone dürfen aber in Aloe-vera-Saft oder -Gel nicht enthalten sein. Die versprochenen Heilwirkungen auf verschiedene Krankheiten bei Einnahme des Gels beruhen auf einzelnen Erfahrungsberichten und sind nicht durch unabhängige wissenschaftliche Studien nachgewiesen. Für die angeblichen besonderen Eigenschaften des enthaltenen Acemannan existieren nur Zell-Experimente, die keinen Rückschluss auf Heilwirkungen beim Menschen zulassen. Die wenigen Versuche an Menschen beschränken sich auf die äußere Anwendung auf der Haut.
Bei empfindlichen Personen kann das Gel Magen-Darm- oder Nierenreizungen sowie allergische Reaktionen verursachen. Auch die Konservierungsstoffe E 202 und E 211 können Allergien auslösen. Bei unsauberer Trennung können in der Blattrinde enthaltene Anthrachinone in das Gel gelangen. Sie wirken stark abführend, sind krebserregend und schädigen das Erbgut. Von der Einnahme von Aloe-vera-Gel wird unter anderem bei Hämorrhooiden, Darmverschluss und akut entzündlichen Darmerkrankungen abgeraten.
Die Qualität eines Aloe-vera-Produktes ist schwer einzuschätzen. Der Preis sagt darüber nicht unbedingt etwas aus. Das Siegel des "International Aloe Science Council" (IASC) setzt nachprüfbare Qualitätsstandards für Aloe-vera-Rohstoffe und Fertigerzeugnisse. Es garantiert die Verwendung von reinem Gel und eine eindeutige Kennzeichnung der Produkte, zum Beispiel in Bezug auf Inhaltsstoffe sowie auf die Menge des verwendeten Aloe-vera-Gels.
Das Siegel für geprüfte Qualität des Instituts Fresenius, Taunusstein, belegt lediglich eine bestimmte, nicht näher definierte Qualität, kann aber leicht mit einem Wirksamkeitsnachweis verwechselt werden. Für die Hautpflege scheint der frische Pflanzensaft die stärkste Wirkung zu haben: Von einer mehrere Jahre alten Pflanze jeweils ein äußeres Blatt abschneiden und das Gel herausdrücken. Der Rest des Blattes hält sich im Kühlschrank mehrere Wochen.
Volker Clausen und Angela Clausen