Folsäure ist ein B-Vitamin. Zu unterscheiden ist zwischen der in Lebensmitteln natürlich vorkommenden Folsäure, den so genannten Folaten, und der zur Nahrungsergänzung verwendeten synthetisierten Folsäure. Reich an
Da Folate wasserlöslich, licht- und hitzeempfindlich sind, hängt der Gehalt in Lebensmitteln von der Zubereitung ab. Außerdem werden zahlreiche Cerealien, Brotbackmischungen, Kochsalz, Milchprodukte und Erfrischungsgetränke mit synthetischer Folsäure angereichert.
Für die Zufuhrberechnung werden sogenannte Folat-Äquivalente zugrunde gelegt. Die in Deutschland zur Vorsorge empfohlene Zufuhr beträgt 400 Mikrogramm natürliche Folate - beziehungsweise 0,4 Milligramm Folat-Äquivalente - oder 200 Mikrogramm Folsäure pro Tag. Diese Menge wird wahrscheinlich von vielen Menschen nicht erreicht.
Folat ist an der Blutbildung beteiligt und wichtig für alle Wachstums- und Entwicklungsprozesse. Eine ausreichende Folatzufuhr senkt den Homocystein-Spiegel. Unklar ist, ob ein erhöhter Spiegel tatsächlich ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist oder nur ein Symptom. Derzeit laufen dazu mehrere Studien. Unklar ist ebenso, ob ein erhöhter Folat-Spiegel dem Dickdarmkrebs vorbeugen kann.
Von natürlichem Nahrungsfolat geht keinerlei Risiko aus. Für synthetische Folsäure gibt es bisher keine systematischen toxikologischen Langzeit-Untersuchungen. Große Mengen, mehr als ein Milligramm, können zu Juckreiz und Krämpfen der Atemmuskulatur führen, bei Epileptikern können sie Krämpfe auslösen. Ab fünf Milligramm Folsäure täglich kann ein Vitamin-B12-Mangel maskiert werden - ein Risiko vor allem für ältere Menschen.
Bei sehr großen Folsäuremengen - aber etwa 15 Milligramm - sind Schlaflosigkeit, Schwermut, Nervosität, Überaktivität, Übelkeit, Blähungen und allergische Reaktionen festgestellt worden. Möglich wäre auch die Förderung von bestimmten Krebsarten, wenn bereits Vorschädigungen vorhanden sind.
Da es noch sehr viele Wissenslücken gibt, ist eine Nahrungsergänzung mit Folsäure möglicherweise nicht für alle Menschen geeignet. Die tägliche Gesamtzufuhr von synthetischer Folsäure aus angereicherten Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln sollte einen Milligramm nicht übersteigen. Es gibt Wechselwirkungen mit Acetylsalicylsäure, Antikrebs- und Schlafmitteln.
Nahrungsergänzungsmittel sollten pro Tagesdosis bis 200 Mikrogramm Folsäure - das entspricht 400 Mikrogramm Folat-Äquivalenten - und zusätzlich Vitamin B12 enthalten. In angereicherten Lebensmitteln sind höchstens 200 Mikrogramm pro Tagesverzehrsmenge angebracht.
Mit Folsäure angereichertes Kochsalz liefert bei üblicher Verwendung 100 bis 200 Mikrogramm Folsäure täglich. Keinesfalls auf dem Speiseplan fehlen sollten aber grüne Gemüse und andere natürliche Folatquellen. Diese liefern weitaus mehr Inhaltsstoffe als nur dieses Vitamin.
Volker Clausen und Angela Clausen