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31. August 2011, 18:51 Uhr

Ärmer, einsamer, kränker

Beim Gesundheitszustand der Deutschen sind die Unterschiede zwischen West und Ost groß. Welche Region ist kränker, welche gesünder? In den Antworten zeigen sich auch soziale Unterschiede.

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Diabetes - die Volkskrankheit ist besonders stark in Sachsen und Sachsen-Anhalt verbreitet© obs/Novo Nordisk Pharma GmbH

Mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung tun sich bei der Untersuchung von Krankheitsbildern neue Unterschiede zwischen Ost und West auf. Die meisten Volkskrankheiten sind im Osten - gemessen an der Bevölkerungszahl - stärker verbreitet als im Westen. Das zeigen Erhebungen der Krankenkasse Barmer GEK mit Daten ihrer 8,4 Millionen Versicherten. Doch es gibt auch Überraschungen.

Beispiel Diabetes: In allen ostdeutschen Ländern kommt die Zuckerkrankheit häufiger vor als im Bundesdurchschnitt - besonders stark in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Hier gibt es sogar mehr schwerkranke Diabetiker etwa mit Nierenkomplikationen als Erkrankte ohne Komplikationen. Krankheitsschwerpunkte laut Barmer-GEK-Statistik sind Görlitz, Leipzig und Halle. Schleswig-Holstein und Hamburg, Niedersachsen aber auch Baden-Württemberg haben dagegen im Schnitt die wenigsten Diabetiker - und die wenigsten sind dabei schwer erkrankt.

Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Deutlich mehr Kranke gibt es auch hier im Osten, etwas mehr im Bundesschnitt zudem in einigen Teilen des Saarlands, Ostbayerns und des Ruhrgebiets. In Dessau, Halle und Cottbus maßen die Kassenexperten im Schnitt die meisten Fälle. Baden-Württemberg, Hamburg, Schleswig-Holstsein und Südbayern sind seltener als der Bundesdurchschnitt betroffen.

Die Gesunden zieht's in den Westen

Doch warum ist der Osten zumindest bei diesen Volksleiden kränker? Der oberste Barmer-Controller Uwe Repschläger, der die Zahlen aufbereitet hat, sieht das vor allem als Folge der Abwanderung der Menschen mit geringeren Gesundheitsrisiken. Vor allem Besserverdiener und Gebildete seien gegangen - somit habe sich auch eine "Gesundheitsmigration" vollzogen.

Außerdem fielen den Kassenexperten mehr "Einpersonenhaushalte", also Alleinstehende, im Osten auf. Auch Alleinsein kann Krankheiten befördern. So kommt es, dass der Osten selbst dann kränker erscheint, wenn die Statistiker herausrechnen, dass es hier auch mehr Ältere gibt, die ohnehin mehr Leiden haben. Eine echte Ursachenforschung haben die Fachleute aber nicht betrieben.

Alkohol vor allem ein Problem im Norden

Doch bei der Gesundheit im Osten hapert es keineswegs durch die Bank. Bei Sucht und Abhängigkeit - vor allem Alkoholerkrankungen - rangiert Ostdeutschland unter den Befürchtungen. Berlin, Hamburg, Kiel und insgesamt die Küste sind hier am stärksten betroffen. Gegen die saisonale Grippe impfen lassen sich die Ostdeutschen - und hier die Sachsen - weit häufiger. Da wirke die Impfpflicht in der DDR nach, heißt es beim Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung.

Und auch bei den Depressionen sind sämtliche Stadtstaaten am stärksten betroffen - und die Bayern. Zufällig gibt es in den meisten dieser Regionen auch besonders viele Psychotherapeuten. Ob es hier eher zu viele sind oder etwa im Osten eher zu wenige und die Leute dort deshalb weniger entsprechende Diagnosen anhäufen, ließen die Kassenexperten offen.

Basil Wegener, DPA
 
 
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