Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Stern Logo Stern-Stimmen

Attila Hildmann - der Dampfwalzer

Attila Hildmann ist der ambitionierteste Koch Deutschlands und pestet gerne mal gegen Kollegen. Jetzt tanzt er bei "Let's Dance". Chefgourmet Micky Beisenherz hat den Mann genauer abgeschmeckt.

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

Attila Hildmann

Im Edeka in Hagen gibt es sogar schon einen Pappaufsteller von ihm: TV-Koch Attila Hildmann.

Attila Hildmann ist kein kluger Mann, aber er weiß, was Liebe ist. Sich selbst zumindest findet er ziemlich gut. Und Deutschland hat das verdammte Recht, viel von ihm zu haben. Deshalb tanzt er jetzt. Bei RTL. Angekommen im Unterhaltungs-Olymp, neben intellektuellen Zwölfendern wie Michael Wendler oder Alessandra Meyer-Wölden.
"Let's Dance" bietet der Nation allfreitäglich die Gelegenheit, sich an der Vitalität Hildmanns zu erfreuen. Er hat ja hat so schön abgenommen. 35 Kilo. Es hat etwas Rauschhaftes, wenn man es geschafft hat, dieses teigige Gefängnis zu verlassen. Konsequente Ernährungsumstellung. Und Sport.

Er erzählt gern davon. In Fernsehsendungen, auf Papier. In diesen typischen Büchern, die man im Fachhandel irgendwo zwischen Horst Lichter ("Fröhlische Gerischte unter 2000 Kalorien") und Johann Lafer ("1001 legale Steuertricks") findet. Bücher, die man kauft, um nach wenigen Monaten erleichtert festzustellen, dass noch die Folie drum ist, weil man in fünf Minuten aufbricht zu Freunden und einem die Flasche Crémant im Kühlschrank als Mitbringsel zu schade ist. Das läuft gut. Das wird gern genommen.

Jungdynamischer Porschefahrer 

Aber Attila, der Name offenbart ein ambitioniertes Elternhaus, ist mittlerweile Vollzeitstattfinder. Aufmerksamkeit hat keine Kalorien. Die kann man reichlich zu sich nehmen. Auch, wenn man so schön abgenommen hat. Nur kochen? Warum auch? Der Mann, der aus dem Stand 34 Matcha-Rezepte rappen kann, hat den Menschen so viel mehr zu geben.

Gottlob gibt es Facebook. Ein ideales Spielfeld, um sämtliche Facetten seines erschlankten Seins vor mehr als 105.000 Menschen aufzufächern. Man scrollt sich durch diesen digitalen Louvre, in dem immer dasselbe Motiv hängt und erkennt schnell: Hier ist jemand, der kein Problem damit hat, sich als jungdynamischer, extrem erfolgreicher Porschefahrer mit ökologischem Gewissen ("die Sitze in meinem GT3 sind zu 90 Prozent Alcantara“) zu präsentieren. 

Hilde hat gerne den Oberkörper frei. Er hat so schön abgenommen. Muskeln hat er jetzt auch welche. Und eine Bauchtasche. Hilde postet Gangsta-Rap-Videos ("fucking", "bitches", "fucking bitches"). Vornehmlich auf Englisch. "Ich möchte einfach auch international eine Rolle spielen - gerade auf Youtube."

Ja, Hilde möchte auch international eine Rolle spielen. Oder wenigstens national. Klar, man kann ihn im Fernsehen sehen. Zumindest, wenn man das Vormittagsprogramm schätzt. Wenn Tim Mälzer kommt, ist Hildmann schon längst weg. Der Hamburger Fleischfreund jettet abends zur besten Sendezeit durch die Welt oder ist in ZDF-Quizshows als Ernährungsexperte gefragt.

Selfie-made-Millionär

Das scheint Hilde zu erzürnen. Mälzer hat ja nicht einmal so schön abgenommen. Und erdreistete sich unlängst, ein Foto zu posten, auf dem einer seiner Köche statt seines eigenen einen Schweinekopf vor die Linse hält. Jetzt reicht es dem Selfie-made-Millionär und er startet eine Kampagne ("Wer ist hier das echte Schwein?") gegen den ungleich beliebteren Pionier. Das Atilleriefeuer an Kot bleibt nicht aus, Kritik an seiner eigenen Person bügelt Hildmann mit dem von Geistesgrößen wie Dieter Bohlen oder Jan Leyk bekannten Zahlenverweis lässig weg: "Ich brauch keine Aufmerksamkeit von Mälzer, ich hab in den drei letzten Jahren mehr Kochbücher verkauft als jeder andere Koch in Deutschland (Mälzer inklusive)!“

Der Erfolg ist physisch greifbar. Im Edeka in Hagen gibt es einen Pappaufsteller von ihm. Andere würden diesen offensichtlichen Zenit der Popularität genießen können. Nicht so Attila, der Hungerkönig. Einseitigkeit ist ein ungewürztes Scheißsteak - und der Held dieser Sage ist ein Schweizer Armeemesser, was Begabungen angeht. Den Ceranfeldherrn zieht es auf andere Schlachtfelder.

Politisch ist er. Da das nur bedingt durchschimmert, wenn er bei "Volle Kanne" Kartoffelsalat mit Räuchertofu zubereitet, wird er auf seiner Fanpage deutlicher. Kuscheltierweiches Wischiwaschi? Nicht mit ihm. Er steht für Sätze, so scharfkantig wie der frisch vermuskelte Hildbauch.

Eine Söderei sondergleichen

Mit dem bei AfD-Wählern beliebten Lügenpressevorwurf und der plötzlich entflammten Liebe für die Abgehängten mit deutschem Pass positioniert er sich bei Facebook als Mann der Abschottung. "Fakten werden von den Medien verfälscht, es herrscht ein Gutmenschen-Duktus auf Kosten der hier lebenden Bevölkerung." "Ein weiteres Beispiel: Letzes Jahr war noch kein Geld für Bildung, Kinderspielplätze oder gegen Altersarmut da ... plötzlich hat die deutsche Regierung Milliarden für die Aufnahme von Fremden."

Jawoll! Das hat gesessen. Da rutscht dem geneigten Leser vor Ekstase fast die Computermaus aus, um ein saftiges Like zu hinterlassen. "Die Situation entspricht einer offenen Haustür, die eben nicht nur die netten Nachbarn einlädt, sondern auch diejenigen, die den Kühlschrank leer machen ... Nun wird bei dieser Forderung sofort die Nazikeule rausgeholt, aber das Land, in dem ich aufwuchs, ist schon lange kein braunes Deutschland mehr."

Da brat mir doch einer die von Storch, ist das gut. Lasst uns eben das Flüchtlingsheim löschen, dann lesen wir das gleich nochmal in Ruhe. Hilde macht das gut. Social Media-Anschauungsunterricht, selbst für gestandene CSUler. Vor allem, was das Garnieren dieser Besorgtheits-Posts angeht. Eine Söderei sondergleichen. Seinen Jüngern bleibt der Betroffenheitsbratling kein Selfie schuldig. Ein Mann, der um sein Land fürchtet. Und so schön abgenommen hat.

Hildmann. Volksnaher Superstar. Frauentyp. Rentnerfänger. Immer wieder schnappt sich die politische Grillpfanne wehrlose Seniorinnen, um sie für ein gemeinsames Foto zwangszuverselfen und Interesse an denen zu bekunden, die so ganz anders sind als er: alt, hässlich, sozial schwach. Hat beim politischen Aufstieg schon immer geholfen. Tiere. Kinder. Alte Leute.

Attila Hildmann, der humanoide Thermomix

Dank Liquid Democracy scheint der humanoide Thermomix nur noch wenige Schritte von der Weltherrschaft entfernt. Nicht nur Guido Knopp weiß: So manches Weltreich wurde bei Facebook erschaffen. "LIKEN wer mich wählen würde! ... Ich gründe eine Partei, wenn ich mit der Eroberung des Lebensmittelmarktes fertig bin. Ich verkaufe auch keine Panzer nach Syrien, ich schreibe Kochbücher. Das ist also kein valides Argument, immer zu sagen, die Deutschen würden Waffen liefern und seien selbst schuld an diesen Krisen."

Abgesehen davon, dass Assad sein Volk auch mit Kochbüchern bewerfen würde, wenn's denn nur weh genug täte, beruhigt das natürlich ungemein. Das spornt an, jetzt schon mal im Wahllokal nachzufragen, wann man endlich sein Kreuz bei AH, diesem schön schlanken Realpolitiker machen darf. Nur eine Frage der Zeit, bis er bis ins Kanzleramt durchmarschiert. Als Krönung einer erstaunlich ambitionierten Person.

Ja, Attila Hildmann will vieles. Er will eine Ernährungs-Revolution starten. Er will eine Partei gründen. Er will die Welt zu einem besseren Ort machen. Oder Tanzen bei RTL. Das geht auch.

Was von ihm bleibt - ist ein eigener Pappaufsteller. Im Edeka In Hagen.

P.S.: Ach, ja. Veganer ist er auch noch.

Neue Staffel "Let's Dance": Diese Kandidaten schwofen übers Parkett
Sonja Kirchberger, Ilia Russo

Sonja Kirchberger

Die Erwartungen an Schauspielerin Sonja Kirchberger sind hoch. Immerhin absolvierte die Österreicherin eine Ausbildung in Klassischem Tanz und gehörte vier Jahre zum Ballett-Ensemble der Wiener Oper. 1988 wurde sie mit dem Film "Die Venusfalle" bekannt und galt fortan als Sexsymbol. Dreimal ließ sich Kirchberger für den "Playboy" ablichten - zuletzt 2014, kurz vor ihrem 50. Geburtstag. "Es ist für mich ein Geschenk, da mitzumachen", sagte Kirchberger der "Gala" über ihre Teilnahme bei "Lets' Dance". Tanzpartner der Schauspielerin ist Ilia Russo, der das erste Mal an der Show teilnimmt.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools