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4. Januar 2012, 21:20 Uhr

Was sich bei ARD und ZDF ändern muss

Debakel für die Öffentlich-Rechtlichen: Während RTL 2011 seinen Vorsprung ausbauen konnte, verloren ARD und ZDF trotz Gebührenmilliarden weiter Zuschauer. Fünf Weckrufe für die verschnarchten Riesen. Von Carsten Heidböhmer

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ARD und ZDF könnten mehr als eine Fassadenpolitur vertragen© Picture-Alliance

Die Jahresabrechnung legte die Misere gnadenlos offen: Die öffentlich-rechtlichen Programme haben massiv Zuschauer verloren. Im Jahresschnitt kam die ARD nur noch auf 12,4 Prozent, das ist ein Rückgang um 0,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Das ZDF erreichte lediglich 12,1 Prozent Zuschauer und verlor 0,6 Punkte auf 2010. Privatsender RTL konnte dagegen seine Markführerschaft um 0,5 Prozent steigern und kommt auf 14,1 Prozent.

Noch düsterer sind die Zahlen, wenn man die Gruppe der 14- bis 49-Jährigen Zuschauer betrachtet: Dort rangieren ARD und ZDF in der Publikumsgunst nur auf den Plätzen 5 und 6 - hinter RTL, ProSieben, Sat.1 und Vox. Hält dieser Trend an, spielen die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in Zukunft keine Rolle mehr.

In diesem Jahr dürften die Zahlen zwar etwas besser werden - dank der Fußball-EM und der Olympischen Spiele -, dennoch sollten die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten dringend Maßnahmen ergreifen, um sich für die Zukunft fit zu machen.

1. Gebt dem Nachwuchs eine Chance

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land: Nirgends haben es junge Talente schwerer als in ARD und ZDF. Anstatt den eigenen Nachwuchs zu entwickeln, handelt das Erste nach dem Bayern-München-Prinzip: Der Sender verpflichtet gestandene Größen von anderen Sendern. Vom ZDF kommt Thomas Gottschalk, RTL leiht Günther Jauch aus, Sat.1 gibt den langjährigen Herz-Schmerz-Moderator Kai Pflaume ab. Junge Moderatoren wie Florian Weber haben das Nachsehen. Sogar bei Krimiserien siegt inzwischen Starappeal über Können, wie die Verpflichtung von Til Schweiger beim Hamburger "Tatort" zeigt. Das ZDF ist auch nicht viel besser: Interessante Köpfe wie Joko und Klaas oder Silke Super werden gleich in die digitalen Kanäle ZDFneo und ZDFKultur ausgegliedert.

Dabei schlummern genügend Schätze in den eigenen Reihen, sie müssen nur gehoben werden. Das ist leider viel zu selten der Fall, wie das Beispiel Sandra Rieß zeigt. Die beim Bayerischen Rundfunk beschäftigte Moderatorin wird neben Steven Gätjen die Castingshow "Unser Star für Baku" präsentieren. Entdeckt hat sie jedoch nicht ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber, sondern ein Beobachter von der privaten Konkurrenz: "Stefan Raab (...) hat mich nachts in der Wiederholung von on3-südwild im Bayerischen Fernsehen entdeckt und dem NDR vorgeschlagen", sagte die Moderatorin in einem Interview. Während die Privaten mutig neuen Gesichtern eine Chance geben, setzen ARD und ZDF lieber auf die sichere Nummer und zeigen altbewährte Moderatoren.

2. Mehr Raum für kreative Ideen

Als es noch überschaubare drei Programme gab, da waren die öffentlich-rechtlichen Sender Hort kluger Ideen und Innovationen. Vor 30 Jahren hatte der Moderator Frank Elstner eine unerhörte Idee: Man könnte doch eine Sendung machen, in der die Leute wetten, dass sie etwas Besonderes können, prominente Gäste halten dagegen. Das ZDF war so mutig, dieses verrückte Konzept auszuprobieren - es wurde die erfolgreichste und langlebigste Show im deutschen Fernsehen. Allzu viele interessante neue Shows sind seither in ARD und ZDF nicht mehr entstanden.

Ganz anders die Privaten. Man muss nicht alles mögen, um zuzugeben, dass die Musik im Showbereich eindeutig bei den Privaten spielt. Die Quizshow "Wer wird Millionär", die Castingshow wie "DSDS", Late Night Shows wie "Harald Schmidt" und das "Dschungelcamp" - fast jede Unterhaltungssendung, die in den vergangenen 20 Jahren für Furore sorgte, lief sie bei den Privatsendern. Und dann ist da noch Stefan Raab, der seit 1999 das Fernsehen quasi im Alleingang mit frischen Ideen versorgt: "TV Total", "Schlag den Raab", die "Wok-WM", der "Bundesvision Song Contest" - immer wieder entwickelte Raab tolle neue Konzepte - und ProSieben gewährte ihm den Raum, diese umzusetzen. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern wäre sein Elan von unzähligen Gremien und Bedenkenträgern schnell gebremst worden. Und kaum sucht Raab in Kooperation mit der ARD den deutschen Teilnehmer für den Eurovision Song Contest - gewinnt Deutschland nach 30 Jahren wieder den Wettbewerb. So geht Unterhaltung, die gut und erfolgreich ist.

Zwar gibt es bei ARD und ZDF immer wieder geniale Köpfe - viel zu selten kommen sie zur Entfaltung. Erinnert sich noch jemand an Friedrich Küppersbusch? Von 1993 bis 1997 moderierte er die Magazinsendungen "Zak" und später "Privatfernsehen". Solche Perlen sind selten geworden. Vereinzelt gibt es in den dritten Programmen spannende Ideen - doch es fehlt der Mut, diese Sendungen ins Erste rüberzuholen.

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